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Pakete, Pakete

Als hätte er Corona geahnt und den Boom des Online-Handels... «Pakete, Pakete» heisst das neue Stück von Tobias Fend. Das vorarlbergisch-schweizerische Ensemble Café Fuerte plant die Aufführungen für November 2020. Hier zwei Ausschnitte, zum Lesen und Hören.
Von  Gastbeitrag

Morgens um halb sechs im Verteilerzentrum eines grossen Paketzustelldienstes. Die beiden Paketzusteller Matteo und Harry stehen in Arbeitskleidung vor einem Förderband und schauen auf die verschiedenen Pakete, die an ihnen vorbeilaufen. Hin und wieder ziehen sie ein Paket herunter, lassen es auf den Boden krachen oder pfeffern es in ihre weit geöffneten Lieferwägen.

Matteo: Im Wohnblock an der Bacherstrasse ist seit einer Woche der Lift kaputt. Nur schwere Pakete. Weiss der Geier was die alles bestellen. Die Tür unten ist offen. Die Kinder klemmen da Prospekte vom Spar rein. Ich schlepp das hoch und dann ist keiner daheim. Auch bei den Nachbarn. Der Fernseher läuft, und keiner macht die Tür auf. Auf dem ganzen Stock fünf Wohnungen und keiner macht auf. Und dann den schweren Scheiss wieder runter?

Harry: Gar nicht erst hochgehen. Benachrichtigungen in die Briefkästen und weiter.

Matteo: Zweiter Zustellversuch? Und dann alles nochmal?

Harry: Beim zweiten Versuch war eben auch keiner daheim. Selber schuld, wenn keiner aufmacht.

Matteo: Mir kommt nichts mehr ins Auto, was mal draussen war. Ich will den Wagen leer. Und der Elefant ist immer da.

Harry: Der mit den dicken Füssen oder?

Matteo: Der wartet schon auf mich. Will immer, dass ich ihm das reintrage.

Harry: Niemals reingehen. Wenn du reingehst, hast du verloren. Sind sofort fünf Minuten weg.

Matteo: Einmal tief Luft holen und rein. Er steht im Gang, mit der Katze auf dem Arm. Eine süsse kleine Katze, noch jung. Mit grünen, leuchtenden Augen. Er muss sie immer halten, in seinen dicken Armen. Die will natürlich raus, wenn mal endlich die Tür aufgeht. Man kommt kaum an ihm vorbei, schon gar nicht mit der Kiste auf dem Arm. Drinnen ists eng und dunkel. Nur das Aquarium und der Fernseher hat Licht. Im Aquarium gibt’s keine Fische. Nur Pflanzen, die alles zuwuchern, und sich leicht bewegen, wie in so einer Lavalampe. Er schlurft voraus mit seinen dicken Füssen, medizinische Strümpfe mit braunen Flecken und die Adidas-Latschen platzen fast. Ich stell ihm das Zeug immer schnell in die Küche. Haltbarmilch, Dosenbier, Tütensuppen, Extrawurst, Semmeln und Katzenfutter. Zweimal die Woche dasselbe.

Harry: Du packst das aus?

Matteo: Aber gestern hat er gar nicht aufgemacht. Dreimal hab ich geklingelt und gewartet. Also bei den Nachbarn geklingelt. Macht keiner auf. Ich steh blöd auf dem Gang.

Harry: Gar nicht erst hochgehen.

Matteo: Da ist mir eingefallen, er hat mich mal gebeten eine Topfpflanze aufzuheben. Irgend so ein hartes, stachliges Ding. Überall lagen diese Kugeln auf dem Teppich, die man statt echter Erde nimmt. Ich hab ihm die Pflanze wieder auf den Tisch gestellt und die Kugeln ein bisschen zusammengenommen. Und er hat mir erzählt, dass er sich nicht mehr bücken kann. Er hatte mal einen Fisch im Aquarium. Das war also nicht immer nur Lampe. Aber der Fisch ist ihm beim Reinigen aus dem Aquarium gehüpft und er konnte sich nicht bücken. Das geht nicht mit dem Bauch und den dicken Beinen. Also hat er versucht, das zapplige Ding mit dem Kehrbesen und einer Verlängerung wieder aufzuheben. Hat natürlich nicht funktioniert, er hat ihn nur unters Sofa geschoben. Unerreichbar zwischen Tostbrotbröseln und Staubflocken. Da lag er dann und hat gezappelt, plitsch, platsch. Und er stand daneben, auf seine Kehrbesenverlängerung gestützt, und hat die kleine Katze verscheucht. Bis ihm die Luft ausging und er sich wieder aufs Sofa gesetzt hat. An den Fisch unterm Sofa hab ich gedacht und stand mit dem Paket mit dem Bier und dem Katzenfutter auf dem Gang. Schon zehn vorbei und der Wagen immer noch gerammelt voll, die Express auch noch nicht alle weg. Aber der Fisch geht mir nicht aus dem Kopf.  Also hab ich nochmal geklopft und gerufen. Die machen nicht gerne die Tür auf. In dem ganzen Haus. Tür aufmachen heisst immer Problem herein. Bis irgendwann so ein verschlafenes Mädel nebenan den Kopf rausstreckt und schaut was los ist. Ich sag ihr, ich hab ein Paket für den Nachbarn und ich muss auf Ihren Balkon, wenns sein muss, sagt sie und ich bin durch die Wohnung und auf ihren Balkon und über den Plastiktisch mit den vollen Aschenbechern und den kaputten Kinderwagen und wollte rüberschauen, zum Elefant. Da geht’s aber ganz schön runter, siebter Stock. Willst du das Paket da rüber schmeissen sagt sie, voll der Stress, die anderen stellen das auch nur vor die Tür und ich unterschreib was. Was wenn der hingefallen ist und auf dem  Teppich zappelt? Ne, der ist doch im Spital. Den haben sie gestern abgeholt. Der hat doch immer was.

Zum Hören: Tobias Fend liest aus Pakete, Pakete.

 

Cafe fuerte ist das freie Theaterensemble von Tobias Fend, Schauspieler und Autor aus dem Vorarlberg, und der in Heiden aufgewachsenen Regisseurin Danielle Fend-Strahm. Für Mai 2020 war die Produktion Die Wand nach dem Roman von Marlen Haushofer geplant, mit Aufführungen in der Schweiz und in Österreich. Cafefuerte hat seinen Sitz in Hittisau (Bregenzerwald).

cafefuerte.ch

Tobias Fend in der vorletzten Produktion von Cafe fuerte: Bus. (Bild: pd)

 

Blackbox heisst die neue Rubrik auf saiten.ch. Ihre Einführung ist der Corona-Krise geschuldet. Der Kulturbetrieb steht seit Mitte März still, Konzerthäuser, Theater, Kinos, Museen, Clubs: geschlossen. Für das Publikum ist das schade, für viele Kulturschaffende weit mehr: eine existentielle Bedrohung. Die Saiten-Blackbox macht drum eine Bühne auf für Bilder, Texte, Filmbeiträge, Songs und anderes. Kein Streamen um jeden Preis, sondern Originale sollen hier zu sehen und zu hören sein, kurz kommentiert, erklärt oder einfach so. Und dies – soweit zumindest der Plan – über Corona hinaus.

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

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GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
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Tu­bes, Pipe­lines, Cords

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Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

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Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

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In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

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Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

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Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

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Von  Judith Schuck
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FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

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Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2