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Punkt 2: Kaufen, aber nicht heimtragen

St.Gallen braucht einen Heimlieferdienst für Einkäufe. So lässt sich auch im autofreien St.Gallen bequem pöschtele. Sagt Punkt 2 des Saiten-10-Punkte-Programms zur mobilen Zukunft.
Von  Corinne Riedener

Stellen wir uns vor, die St.Galler Innenstadt wäre endlich autofrei und die überschüssigen Parkplätze aufgehoben. Nach der Arbeit noch kurz in den Laden, Gemüse und Brot kaufen, etwas zu trinken, eine grosse Packung Waschmittel – zwei Säcke sind schnell gefüllt.

Und dann? Zu Fuss heimschleppen? Oder sich neben dem Kinderwagen in den Bus quetschen? Das muss nicht sein, denn im St.Gallen der Zukunft hat man noch eine bequemere Option: Die grossen und kleinen Geschäfte in der Innenstadt haben sich mit den Behörden, Taxi-Unternehmern und Velokurieren zusammengetan und betreiben eine gemeinsame Heimliefer-Plattform, die für alle in Menschen in St.Gallen und Umgebung bezahl- und nutzbar ist.

Das Prinzip ist simpel: Beim Bezahlen an der Kasse kann man sich melden und die Einkäufe für einen kleinen Aufpreis direkt nach Hause oder wohin auch immer liefern lassen. Eine Lagerung im Geschäft ist möglich, also kann man den Zeitpunkt flexibel bestimmen. Wer zum Beispiel über Mittag rasch postet, kann sich die Einkäufe auch erst am Abend an die Haustür bringen lassen. Die Art und Weise der Lieferung – zur Auswahl stehen neben Cargo-E-Bikes und gewöhnlichen Velos auch E-Töffs und umweltfreundliche Autos – wird von einem Algorithmus errechnet, der anhand von Menge, Gewicht, Distanz und Gefälle der Strecke das passendste Gefährt wählt.

Finanziert wird das Ganze – nebst dem Aufpreis an der Kasse – einerseits durch das 2020 eingeführte Road Pricing an den St.Galler Stadtgrenzen und andererseits durch Beiträge von Pro City, dem Gewerbeverband, umliegenden Gemeinden und den städtischen Behörden.

Bei der Einführung des Heimlieferdienstes waren sich nämlich alle Beteiligten einig: Der Rückgang der Kundschaft in den St.Galler Geschäften hat weniger mit mangelnden Parkplätzen oder florierenden Online-Boutiquen zu tun, sondern vor allem mit Bequemlichkeit und teils eingeschränkter Mobilität. Und weil die Immobilienpreise bzw. Ladenmieten immer noch so hoch sind wie damals, anno 2017, setzen sie primär auf eines: mehr Umsatz.

(Illustration: Dario Forlin)

Das ganze Programm laufend hier und komplett im Septemberheft von Saiten.

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