Das Palace St.Gallen ist seit mehr als zehn Jahren kein Kino mehr. Am Sonntagabend waren die bequemen roten Sessel dennoch fast bis auf den letzten Platz besetzt. Zu sehen gab es 28 Kurzfilme von jungen Filmemacherinnen und Filmemachern aus der Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Prämiert wurden die Filme in drei Kategorien U20, Ü20 und Musikclips. Die Gewinnerinnen und Gewinner erhielten Preise im Gesamtwert von 9000 Franken.
Die Filme jeder einzelnen Kategorie dauerten knapp eine Stunde. Anschliessend wurden jeweils direkt die Preise verliehen. Ausgewählt wurden die Filme von einer vierköpfigen Jury bestehend aus Filmemacher Thomas Karrer, Kameramann Martin Rickenmann, Filmwissenschaftlerin Eleonora Farinello und Trickfilmer Simon Oberli. Moderiert wurde der Abend vom Bühnen-Poet Ralph Weibel.
Das Spektrum an Genres war gross. Zu sehen gab es Animationsfilme, Dokumentarfilme oder Clips, die künstlerisch mit sehr vielen visuellen Effekten umgesetzt wurden. Die Menge an Einsendungen war dieses Jahr geringer als 2016, die Qualität dafür höher. «Letztes Jahr hatten wir rund 80 Einsendungen, dieses Jahr nur etwas über 60», erklärt Lukas Hofstetter, einer der Organisatoren des Kurzfilmwettbewerbs. Dennoch sei die Qualität der Filme dieses Jahr höher gewesen. «Die gezeigten 28 Filme waren auf einem sehr hohen Niveau.»
Auch wenn bei einigen Filme etwas gar viel mit Effekten gearbeitet wurde oder teilweise beim Ton die Verständlichkeit etwas gelitten hatte, merkte man allen Produktionen an, dass sie mit viel Herzblut und Aufwand produziert worden sind.
In der Kategorie der unter 20-Jährigen haben die beiden Jungfilmer Lucas Ackermann und Ying-Kai Dang aus Mels den ersten Preis mit ihrem Film Malmö gewonnen.
In der Kategorie der 20- bis 30-Jährigen hat Linus Stiefel aus St.Gallen mit seinem Kurzfilm Der Aufstand der Verdammten den ersten Platz gewonnen. Der Film zeigt eine Schwarzweiss-Animation, die einen Bezug zu Asien und Litauen herstellt. Mit seinem Film wolle er bewusst etwas Verwirrung stiften, erklärt der Kunststudent, der im vergangenen Jahr bereits einen Anerkennungspreis von 200 Franken erhalten hat. «Narrative haben mich schon immer fasziniert, meine Vorbilder sind Disney oder auch Manga-Filme.»
Und in der Kategorie Musik-Clips haben Samuel Dütsch, Vanja Vukelic uns Mattia Ferrari aus Uzwil den Preis erhalten für das Video Liquor Liquor von Mama Jefferson.
«Bei den Musikvideos sehen wird dieses Jahr den grössten Fortschritt», sagt Lukas Hofstetter. Tatsächlich waren neben dem Clip von Mama Jefferson praktisch alle Musik-Clips auf professionellem Niveau gedreht. So auch der Platz zwei, Crimer und Badface, sowie den doppelt belegten dritten Platz von Gion Stump & The Lighthouse Family mit Moments und Panda Lux mit dem Song Hongkong.
Amüsant war auch der Film der Schauspielerin Stefanie Alder. Für ihren Kurzfilm Casting erhielt sie einen Anerkennungspreis im Wert von 200 Franken. Im Film wird sie als Modell gecastet und aufgefordert, ein Blatt Papier höher zu halten. So hoch, bis es schliesslich ihr Gesicht vor der Kamera verdeckt.
Beim anschliessenden Fotoshooting auf der Bühne wurde Alder aus dem Publikum aufgefordert, das Blatt mit dem Preisgeld höher zu halten. «Höher, höher» riefen einige aus dem Publikum und nahmen so ironisch Bezug auf ihren Film.
In seiner Einfachheit überzeugt auch Helwetika von Martynus Jekentaite. Ein Kurzfilm, der zeigt, dass es ganz wenig braucht, um eine grosse Wirkung zu erzielen. Jekentaite erhielt immerhin einen Anerkennungspreis von 200 Franken.
Gegen Ende der Veranstaltung sorgte eine weitere Gewinnerin für Lacher im Publikum, als sie sagte, sie gehe mit ihrer Crew nun zur Feier des Tages bei Mc Donalds essen. «Ich komme nicht mit», sagte Moderator Ralph Weibel darauf kritisch. «Nicht wegen euch, sondern wegen Mac Donalds.»
Es bleibt spannend, zu beobachten, wie sich die einzelnen jungen Filmemacherinnen und Filmemacher in den kommenden Jahren entwickeln. Der Anlass zeigt, dass es auch in der Ostschweiz für Filmemacher durchaus Potenzial gäbe, sich national zu etablieren.
Werke aus vier Kategorien wurden am Donnerstagabend im Palace St.Gallen mit dem Ostschweizer Kurzfilmpreis ausgezeichnet. Tätowierte Bösewichte in Rapvideos und geschwätzige Möwenpuppen – die Sieger waren überraschend, findet Luca Ghiselli.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit