Luzerner Zeitung und Tagblatt stehen neu unter gemeinsamer Leitung – und planen «Synergien». Dies hat die Volksdirektorenkonferenz der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein aufgeschreckt. Es sei nicht hinnehmbar, von einer «fusionierten Redaktion publizistisch versorgt» zu werden, die zwei separate Räume abdecken müsse, heisst es in einer Medienmitteilung der VDK-Ost vom Mittwoch. Und weiter: «Dies führt zu einem journalistischen Einheitsbrei, der den spezifischen Eigenheiten der beiden regionalen Räume nicht gerecht wird. Der regionale Bezug bei wichtigen innen- und wirtschaftspolitischen Themen wird verwässert oder geht ganz verloren. Unserem Landesteil droht ein erheblicher publizistischer Abstieg mit grundlegenden Folgen für das Selbstverständnis und die Identität der Ostschweiz. Themen und Ereignisse, welche die Schweiz bewegen, wollen die Menschen in der Ostschweiz auch aus ihrer eigenen Perspektive und Herkunft beleuchtet haben.»
Der Luzerner Jürg Weber, neuer Leiter Regionalmedien der NZZ-Gruppe.
«Effizienz im Hintergrund erhöhen»
Der kürzlich bestimmte Leiter der Regionalmedien der NZZ-Gruppe, Jürg Weber, entgegnet auf Anfrage: «Hintergrund der Neuorganisation ist, dass die NZZ-Mediengruppe die restlichen 25 Prozent der Freien Presse Holding (FPH) aufgekauft und dies als Anlass genommen hat, die Regionalmedienhäuser, an denen sie mehrheitlich beteiligt ist, unter ein Dach und unter eine einheitliche Führung zu stellen.»
In einem Markt, der unter sehr grossem Druck stehe, fährt Weber fort, wolle man sich rechtzeitig darauf vorbereiten, die Effizienz im Hintergrund zu erhöhen. Darum würden diejenigen Aktionsfelder optimiert, die die Leserinnen und Leser nicht direkt beträfen. «Damit sind wir nicht plötzlich gezwungen, am falschen Ort zu schneiden», sagt Weber.
Als Privatunternehmen sei man ebenso wie die Politik daran interessiert, im regionalen Markt Erfolg zu haben. «Das wollen wir sicherlich nicht gefährden», streicht der Leiter der NZZ-Regionalmedien heraus. «Die Produkte und die dahinter stehenden Teams werden ihren regionalen und lokalen Fokus behalten, das gilt ganz besonders für redaktionelle Themen. Auch bei der überregionalen Berichterstattung werden wir weiterhin den regionalen Bezug herstellen, indem wir die Stimmen und Kommentare von lokalen Politikern und Vertretern der Wirtschaft einholen.»
Kantone wollen Gespräche mit der NZZ-Spitze
Der St. Galler Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Benedikt Würth ist Präsident der VDK-Ost. Er sagt, dass die Stellungnahme zur aktuellen Medienentwicklung in der Ostschweiz nicht auf Druck von aussen erfolgt sei. «Die Ostschweizer Regierungen verfolgen die Entwicklungen bei den Medien aus eigenem Antrieb». Und weiter:«Weil die Medien zu den Dossiers der Volkswirtschaftsdirektoren gehören, sah sich die VDK-Ost anlässlich ihrer Sitzung in Frauenfeld zu der Stellungnahme veranlasst.»
Die mediale Fusionierung mache den Ostschweizer Volkswirtschaftsdirektoren Sorge, sagt Würth. «Wir haben dies schriftlich der NZZ-Spitze mitgeteilt und dabei im wesentlichen die Punkte angesprochen, die in der Medienmitteilung aufgeführt sind. Wir erwarten diesbezüglich Gespräche mit der NZZ-Spitze. Es ist durchaus denkbar, dass sie bilateral mit Vertretern der einzelnen Ostschweizer Kantone stattfinden werden.»
«Für Ausserrhoden ist schon St.Gallen weit weg»
Appenzell Ausserrhoden reagiert sensibel auf die Behandlung der Regionalmedien durch die NZZ-Gruppe. «Die mediale Situation in unserem Kanton ist sehr wichtig», sagt der Mediensprecher des Kantons, Georg Amstutz.. «Die wirtschaftliche Eigenständigkeit der Appenzeller Zeitung ging mit der Übernahme durch das St. Galler Tagblatt zwar verloren, aber dieses Organ ist trotzdem noch unser eigenes Medium. Es steht für unsere Identität.»
Es dürfe nicht passieren, dass Ausserrhoden künftig medial irgendwo im Dreieck St. Gallen, Zürich, Luzern angesiedelt sei, nur weil sich das wirtschaftlich für die Medienkonzerne am besten rechne. «Es gibt klare Grenzen bei der redaktionellen Zusammenlegung von Regionalzeitungen», meint Amstutz. «Regionale Inhalte müssen vor Ort erarbeitet werden. Für eine Appenzeller Zeitung ist schon die Stadt St. Gallen weit weg.»
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.