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Rettung für Renty?

Die Ausstellung über den Gletscherforscher und Rassisten Louis Agassiz schafft es doch noch in die Ostschweiz – nach Teufen statt St.Gallen. Der Stadtrat muss peinliche Fragen beantworten. Und der Sklave Renty kommt vielleicht doch noch zu seinem Berg.
Von  Peter Surber

Es ist eine beinah unendliche Geschichte: 2011 lehnt der St.Galler Stadtrat einen Werkbeitrag für die Ausstellung des Historikers Hans Fässler über den Gletscherforscher und Rassisten Louis Agassiz ab – u.a. weil man sich nicht in die Angelegenheiten einer anderen Gemeinde (Grindelwald) einmischen wolle und die Ausstellung nicht in St.Gallen stattfinde.

Agassizhorn-westflankeDrei Jahre später kommt die inzwischen auch auf der Grimsel und auf dem Eggishorn gezeigte Schau doch noch in die Ostschweiz – aber nicht nach St.Gallen, sondern nach Teufen. Und der St.Galler Stadtrat muss noch einmal Red und Antwort stehen: In einer eben eingereichten Einfachen Anfrage will Stadtparlamentarierin Beatrice Truniger Blaser wissen, warum «trotz intensiver Bemühungen» kein St.Galler Museum für die Ausstellung zu finden war. Und ob mit dem Ausweichen nach Teufen nicht der Eindruck entstehe, «einer kulturell konservativen und ängstlichen Stadt St.Gallen stehe ein liberales und offenes Ausserrhoden gegenüber».

agassiz_bildIn der Tat wären sowohl das Historische Museum als auch das Naturmuseum geeignet. Dies umso mehr, als Hans Fässler inzwischen herausgefunden hat, dass Agassiz im Juli 1830 in St.Gallen vor der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft referiert «und im Hecht diniert» hat. Auch in der Zwischenkriegszeit hätten Kanton und Stadt in Sachen Antisemitismus und Rassenhygiene eine unrühmliche Rolle gespielt – kein Grund also, sagt Fässler, sich damit herauszureden, dass das Agassiz-Thema nichts mit unserer Region zu tun habe. Zudem setze sich neustens sogar Bundesrat Burkhalter für eine Bergtaufe ein: für eine Dunant-Spitze im Monte-Rosa-Massiv.

In Teufen zeigt Kurator Ueli Vogt jetzt (ab 26. Oktober) die Schau, ergänzt um Kunst von Sasha Huber und Dokumente aus der Kantonsbibliothek, unter der Leitfrage, wie die Landschaft zu ihren Namen komme. Denn die Namengebung war seit jeher eine Stossrichtung Fässlers: Unter dem Motto «Démonter Agassiz» kämpfte er vergeblich dafür, das Agassizhorn im Wallis in Rentyhorn umzutaufen – auf den Namen jenes Sklaven, der Agassiz für die Beweisführung über die angebliche Minderwertigkeit der Schwarzen als Beispiel diente.

rentyIn die Agassiz-Kampagne kommt jetzt aber ebenfalls neuer Schwung: Eine neue Petition schlägt vor, einen bisher namenlosen Berg (Pt. 3745) nahe des Agassizhorns Rentyhorn zu taufen. Dafür setzt sich ein illustres Komitee ein: Walliser Bergführer, Alt-Bundesgerichtspräsident Giusep Nay, Nationalrätin Hilde Fässler, die Alpenhistorikerin Ingrid Runggaldier, der aus dem Wallis stammende Trogner Kantirektor Michael Zurwerra oder die bergtüchtigen Autoren Franz Hohler und Emil Zopfi.

Es wäre, so die Petitionäre, «ein Zeichen gegen Rassismus und für Menschlichkeit». Und die Hierarchie bliebe gewahrt – «vom Agassizhorn (3947 m.ü.M.) könnten Alpinistinnen und Alpinisten auf das Rentyhorn (3745 m.ü.M.) hinunterschauen, wie es der Schweizer Naturforscher leider mit dem kongolesischen Sklaven gemacht hat.»

Wie die Landschaft zu ihren Namen kommt: Zeughaus Teufen, 26. Oktober bis 9. November. Sonntag 9. November: Streitgespräch zwischen Hans Fässler und Gottlieb F.Höpli

Infos: louverture.ch

 

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Gerhard Mangold, Schmitten/Fieschertal,  

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