Die Gallenstadt trübte das Comeback: Als ich von der längeren Reise zurückkam, war die Birke weg. Meine Birke! Der Baum für die Nachtgedanken vor dem Westfenster, der Baum gegen die Ausfallstrasse, der Baum der keifenden Krähen; mein Baum-Nächster – von gewissenlosen Schurken gefällt und weggeschafft. Tödliche Leerstelle, wo zuvor lichtvolles Blattleben. Wenigstens haben sie den Birnbaum-Spalier an der Hauswand belassen, der wiederum reiche Ernte verspricht.
Die Erklärung des Vermieters, einer christlichsozialen Wohnbaugenossenschaft, war lausig. Der Typ griff am Telefon nicht mal zur Notlüge einer Krankheit, sondern erzählte, die Birke habe den Asphalt untergraben und dass man mit Bäumen an Häusern und Strassen sowieso nur Probleme habe. Ich tobte, aber verkniff mir die Drohung, zur Vergeltung für jeden Birkenast künftig ein CVP-Wahlplakat zu fällen. Auch weil ich meinen Chefvermieter, den gewichtigen Schreinermeister, durchaus mag; immerhin hatte er sich gegen die gallenstadtweit dümmste 30er-Zone in unserem Quartier eingesetzt.
Die Birke war weg, doch es gab Neuzugänge im Vorgarten. Eines späten Abends trottete, scharf beobachtet von einer Schlappkatze auf dem Velogaragendach, ein fetter Dachs durchs Gebüsch. Er suchte, die Schnauze dicht am Boden, am Hang nach seinem bevorzugtem Fastfood: Regenwürmer, die er aus der Erde saugte und wie unsereiner Salzstengeli verschlang – ohne satt zu werden. Er kam schmatzend näher, bis auf knapp zwei Meter, der angebliche Meister Grimmbart sehr zutraulich, ich versuchte mein bestes Dächsisch, doch er schüttelte nur den Kopf und haute ab.
Tolle Begegnung, prima Dachslektion, und den Doktor Doolittle machte ich später nochmal im Steinhaus am Rand der Cevennen. Mehr Erfolg als mit den jungen Wildsauen im nahen Eichen- und Wacholderwäldchen hatte ich dort mit den Skorpionen, die jeden Abend frech auf den Schlafzimmerwänden hockten. Ich sprach ihnen beruhigend zu, wenn ich sie einfing und ins Kräuterbeet bugsierte, so kam niemand zu Schaden. Bei renitenten Fällen kontaktierte ich den Petit Duc, die Zwergohreule, die des Nachts im Innenhof ihr peilsenderartiges Djü rief, zwei Stunden lang im exakten Abstand von 3,5 Sekunden, ein wohliger Wiegensound für Braunauge und mich, doch ein Todesalarm für die Skorpione.
Und sonst so? Vieles gelernt, über manchen Schatten gesprungen. Aprikosenfladen, Frikadellen, Tintenfisch- und Barschgrillade, alles nach Charlie-Gusto selbstgemacht, alles tipptopp. Sandalen gekauft, vor lauter Hitzewellen, von wegen nur der Vandale trage Sandale, festgestellt: Bare Pfahlbauerzehen atmen auf. Und prompt Nagelpilzbehandlungsbox gekauft, jede Woche brav die kaputten Stümpfe geschmirgelt und angestrichen, gell Schatz, ich mache mir noch schnell die Nägel. Aufs Brot verzichtet, der Pirelli leistet noch Widerstand, doch genug der persönlichen Noten.
Der allabendliche Skorpion-Transport zahlte sich aus. Konzentration, meine Lieben, Konzentration! Die sollte mir beim Kugeln werfen zugute kommen. Nach zaghaften Anläufen in Barjac und Lussan kam es mit Segler Oskar zum Boule-Comeback auf dem schönsten Kiesplatz unserer Aue: vor dem Kornhaus der Siedlung am Grossen Pfahlbauersee. Wir hatten keine Erwartungen und begannen schlecht, miese Setzer und jämmerliche Sprenger, wir lagen gegen zwei bekappte Frischlinge 0:7 zurück, als wir Gegensteuer gaben und die Chose 13:10 wendeten. Dann wurden wir immer besser, Sieg um Sieg, gegen zwei zu gut aussehende Handballer, gegen das debütierende Tonmischer-Gespann, gegen die ehrgeizigen Freundinnen der Veranstaltersöhne, wir kannten kein Pardon und waren vor allem mental stark. Und wir hörten nicht mehr auf, bis wir heilandzack im Halbfinal standen, gegen den Bäcker und den Schlosser, lokale Legenden und Alleskönner, aber auch die packten wir. Nur der Zahnarzt und der Informatiker, famoses Duo im Final, das war bei schlechten Lichtverhältnissen, steigendem Publikumsdruck und nachlassender Konzentration dann doch eine Nummer zu gross.
Jetzt mal abwarten, welche Wahlplakate demnächst unsere Vorgärten verunstalten. Gegebenenfalls einige untergrabende Bäume pflanzen. Weiterhin ein paar Kugeln werfen. Und nachts auf den Dachs aufpassen. Der Regen ist auf unserer Seite.
Charles Pfahlbauer jr.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.