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Welcome zum Horrorkabinett

Charles Pfahlbauer jr. über Fliegen, faule Hunde, Lieblingspraktikumbewerber und andere, die sehnlichst gewählt werden wollen.
Von  Charles Pfahlbauer jr. , 

Im letzten Spätsommer noch eliminierte ich Tausende ihrer Art, mit einem raffinierten Gebräu aus Essig, Weisswein und Abwaschmittel, aber heuer muss der Massenmord nicht sein. Bislang keine einzige rotaugteuflische Kirschessigfliege in meiner Küche, und auch noch keine Ha-ess-geler unter mir; der forsche Beni aus Züri und der scheue Thorsten aus München (oder war’s Stuttgart) mit ihren fluffigen Turnschühchen und flotten Frisürchen blieben so verschollen wie die fiesen Fliegen. Auch das modische Kuschelbärtchen im zweiten Stock nie gesichtet, vielleicht ist es einem blutrünstigen Coiffeur zum Opfer gefallen. Wir sagen in unserem Alter ja immer: Man ist nie zu alt für keinen Bart. Dafür war die nette Hauswartin mit ihrem Spaniengaller zurück, ihr Grill hiess auch meine Fleischwonnen willkommen. Ein sehr guter September also in unserem Haus, rundum erfröhlichst.

In meiner zwischenzeitlichen Euphorie kaufte ich, tatsächlich zum ersten Mal in meinem langen Leben, was niemand braucht, aber die meisten haben: einen sogenannten Türvorleger. Ich war auf der zunehmend verzweifelten Suche nach einem Geschirrtrocknerständer, das ist eine andere himmeltraurige Zeitgeistgeschichte, in einem Jumbomarkt vor einem längeren Gestell stehen geblieben, und völlig baff angesichts der grenzenlosen Hässlich- und Lustigkeit der ausgebreiteten Schmutzfangmatten. Sie wissen schon, Hotel Mama, Hereingedackelt, Zickenzone und ähnlich, manches in plattem Uni, vieles aber auch komplett hirnrissig psychedelisch. Ich war schon an der Kasse, als ich mich an die TV-Fussballer-Abendeinladung erinnerte, zurückeilte und flugs zu einem Vorleger der Welcome-Serie griff, 19.90 Franken; ein mattfarbig geblümeltes Welcome, wie man es sich bei einer vergammelten englischen Oma oder einem holländischen Teeniegirlie vorstellt; meine Fusspfahlkumpel würden Augen machen!

Das machten sie. Was ich aber nicht bedacht hatte: Das Welcome nahmen plötzlich aller Gattung Leute wörtlich, die in den folgenden Tagen unangemeldet ins Haus flatterten. Ich meine nicht die Herren Paganini, Bischofberger und Sartory, die ständig vor meinem Haus rumhingen; für ihre Verunstaltungen kann ich nichts, trotz der Birkendrohung im letzten Monat, ich schwöre es beim Fischgott Wels XII. Ich meine die Wahlfänger, die mit der Türe ins Haus fielen: ganz schön viel Besuch, aber selten erfreulich. Die werte Frau Ständerätin KKS konnte ich knapp verkraften; habe die Ehre, say welcome, angenehm, die laut NZZ «leidenschaftlich Liberale»; ich legte für das ehemalige Londongothpunkgirl eine frühe Sisters-of-Mercy-Platte auf, wir tranken Yasmintee und pickten ein paar Thainüsse, wir sprachen über Morten, Paul, Didier, und ich verzichtete auf schlüpfrige Witze über ihre schwindelerregend hohen Absätze.

Wesentlich unangenehmer eine Frau ähnlicher Absätze und gleichen Namens, allerdings abgekürzt BKI, die kam mir von ennet dem Ricken sehr langhaarblond und zahnpastenlachmässig und dazu noch an der Seite von Ständeratsnullkandidat TM, dem Pedaloputin in meiner angeblich dank ihm aufgeschwungenen Industriepfahlhafenstadt am Grossen See. Ohjeminee! Was mir als Katzenfreund speziell aufstiess: BKI posierte mit einem faulen Hund. Wenigstens riss sie dem nicht die Pfote aus wie der behemdete Wiler, der mir mit dem Schlachtruf «8 Jahre konsequent» die Bude stürmte.

Ganz zu schweigen von all den anderen Dränglern, ein wahres Horrorkabinett, das wie eine Horde wildgewordener Lieblingspraktikumbewerber vor meiner Tür brüllte. Nein, danke, ich habe euch nie gerufen, nie gewählt und werde euch nie reinlassen, nein, nein, nein. Geht halt selber in den Jumbo und kauft den Welcome-Vorleger, dann könnt ihr euch selbst willkommen sein. Und sonst schicke ich ein paar Kirschessigfliegen hinterher, ich befürchte nämlich, dass die auch bald anklopfen, man muss leider auch in meinem Haus dann doch immer mit dem Schlimmsten rechnen. Wenn nicht im September, so spätestens im Oktober.

Charles Pfahlbauer jr.

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
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Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
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Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
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Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

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Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

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Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

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Filminstallation über Vergänglichkeit

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Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover