Im letzten Spätsommer noch eliminierte ich Tausende ihrer Art, mit einem raffinierten Gebräu aus Essig, Weisswein und Abwaschmittel, aber heuer muss der Massenmord nicht sein. Bislang keine einzige rotaugteuflische Kirschessigfliege in meiner Küche, und auch noch keine Ha-ess-geler unter mir; der forsche Beni aus Züri und der scheue Thorsten aus München (oder war’s Stuttgart) mit ihren fluffigen Turnschühchen und flotten Frisürchen blieben so verschollen wie die fiesen Fliegen. Auch das modische Kuschelbärtchen im zweiten Stock nie gesichtet, vielleicht ist es einem blutrünstigen Coiffeur zum Opfer gefallen. Wir sagen in unserem Alter ja immer: Man ist nie zu alt für keinen Bart. Dafür war die nette Hauswartin mit ihrem Spaniengaller zurück, ihr Grill hiess auch meine Fleischwonnen willkommen. Ein sehr guter September also in unserem Haus, rundum erfröhlichst.
In meiner zwischenzeitlichen Euphorie kaufte ich, tatsächlich zum ersten Mal in meinem langen Leben, was niemand braucht, aber die meisten haben: einen sogenannten Türvorleger. Ich war auf der zunehmend verzweifelten Suche nach einem Geschirrtrocknerständer, das ist eine andere himmeltraurige Zeitgeistgeschichte, in einem Jumbomarkt vor einem längeren Gestell stehen geblieben, und völlig baff angesichts der grenzenlosen Hässlich- und Lustigkeit der ausgebreiteten Schmutzfangmatten. Sie wissen schon, Hotel Mama, Hereingedackelt, Zickenzone und ähnlich, manches in plattem Uni, vieles aber auch komplett hirnrissig psychedelisch. Ich war schon an der Kasse, als ich mich an die TV-Fussballer-Abendeinladung erinnerte, zurückeilte und flugs zu einem Vorleger der Welcome-Serie griff, 19.90 Franken; ein mattfarbig geblümeltes Welcome, wie man es sich bei einer vergammelten englischen Oma oder einem holländischen Teeniegirlie vorstellt; meine Fusspfahlkumpel würden Augen machen!
Das machten sie. Was ich aber nicht bedacht hatte: Das Welcome nahmen plötzlich aller Gattung Leute wörtlich, die in den folgenden Tagen unangemeldet ins Haus flatterten. Ich meine nicht die Herren Paganini, Bischofberger und Sartory, die ständig vor meinem Haus rumhingen; für ihre Verunstaltungen kann ich nichts, trotz der Birkendrohung im letzten Monat, ich schwöre es beim Fischgott Wels XII. Ich meine die Wahlfänger, die mit der Türe ins Haus fielen: ganz schön viel Besuch, aber selten erfreulich. Die werte Frau Ständerätin KKS konnte ich knapp verkraften; habe die Ehre, say welcome, angenehm, die laut NZZ «leidenschaftlich Liberale»; ich legte für das ehemalige Londongothpunkgirl eine frühe Sisters-of-Mercy-Platte auf, wir tranken Yasmintee und pickten ein paar Thainüsse, wir sprachen über Morten, Paul, Didier, und ich verzichtete auf schlüpfrige Witze über ihre schwindelerregend hohen Absätze.
Wesentlich unangenehmer eine Frau ähnlicher Absätze und gleichen Namens, allerdings abgekürzt BKI, die kam mir von ennet dem Ricken sehr langhaarblond und zahnpastenlachmässig und dazu noch an der Seite von Ständeratsnullkandidat TM, dem Pedaloputin in meiner angeblich dank ihm aufgeschwungenen Industriepfahlhafenstadt am Grossen See. Ohjeminee! Was mir als Katzenfreund speziell aufstiess: BKI posierte mit einem faulen Hund. Wenigstens riss sie dem nicht die Pfote aus wie der behemdete Wiler, der mir mit dem Schlachtruf «8 Jahre konsequent» die Bude stürmte.
Ganz zu schweigen von all den anderen Dränglern, ein wahres Horrorkabinett, das wie eine Horde wildgewordener Lieblingspraktikumbewerber vor meiner Tür brüllte. Nein, danke, ich habe euch nie gerufen, nie gewählt und werde euch nie reinlassen, nein, nein, nein. Geht halt selber in den Jumbo und kauft den Welcome-Vorleger, dann könnt ihr euch selbst willkommen sein. Und sonst schicke ich ein paar Kirschessigfliegen hinterher, ich befürchte nämlich, dass die auch bald anklopfen, man muss leider auch in meinem Haus dann doch immer mit dem Schlimmsten rechnen. Wenn nicht im September, so spätestens im Oktober.
Charles Pfahlbauer jr.
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Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
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Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
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Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
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Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
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Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
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