Es beginnt im Dunkel. Im dämmrigen Licht der Pultlampen erscheint ein Chor von zwölf Celli und leise beginnen Klänge zu fliessen. Diese seien «Zeichen von der Existenz der Schönheit», so das Credo des russischen Komponisten Alexander Knaifel. In seinem Comforter. A Prayer to the Holy Spirit wird das zum ruhigen Gebet, ins Unendliche gesprochen.
Programmatisch sehr geschickt ist es, gleich attaca das Konzert für zwei Violoncelli, Streicher und Basso continuo g-moll, RV 531 von Antonio Vivaldi anzuhängen. Im vollen Licht, mit unglaublicher Verve durchgespielt, entfalten sich die drei Sätze des Werks, in der kunstvollen Bearbeitung für zwölf Violoncelli von Ivan Monighetti, zu einem Bravourstück. Und das war es dann mit dem Barock, für diesen Abend.
Con fuoco
Giovanni Sollimas Violoncelles, vibrez! lässt sprichwörtlich den Saal erstmals vibrieren. Allerdings ermüdet das Stück auch durch die befehlsmässig verordnete Beschränkung auf ihre Spielweise. Doch da steht vor der Pause noch Heitor Villa-Lobos Bachiana brasileira Nr. 5 auf dem Programm. Wieder wird das Cello-Ensemble umformiert. Die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann, die den Vokalpart der zweisätzigen Komposition übernimmt, tritt barfüssig auf. Die Aria (Cantilena) mit ihren Vokalisen singt sie innig und glockenklar. In der Dança (Martelo) überrascht sie mit dramatischem Ton und gestaltet das zur opernhaften Szene.
Sechs verschiedene Werke bilden den zweiten Teil der Cellonacht. Leicht der Einstieg: ein Konzertwalzer für vier Violoncelli von Wilhelm Fitzenhagen und Jacques Offenbachs Pas de six für sechs Violoncelli. Es folgt der «Klassiker», Maurice Ravels Bolero in einer Bearbeitung für zwölf Violoncelli. Am Ende Musik aus Lateinamerika: Antônio Carlos Jobims Girl from Ipanema im Bossa-Rhythmus und – gleichsam eine Rückkehr in Sol Gabettas Heimatland Argentinien – Astor Piazzollas tangoinspirierter Verano porteño.
Das ist alles, in wechselnden Formationen, so quirlig und musikalisch mit unerhörter Präsenz und Feuer interpretiert, dass man den Potpourri-Charakter vergisst und sich selbst den ravel’schen Bolero wieder einmal gefallen lässt.
Zwölf Sonnen
Geben wir der Ansicht Recht, dass das Violoncello der menschlichen Stimme im Klang am nahesten kommt. Dunkel und voluminös, weich und lyrisch, hell und direkt wurde an diesem Abend von der Bühne her gesungen, auf höchstem Niveau. Und das teilweise auf Instrumenten von illustren Violoncellobauern wie dem Venezier Matteo Goffriller (1730) oder Francesco Ruggieri (1689) aus Cremona.
Die Schar einer jungen Generation von Cellistinnen und Cellisten, die Sol Gabetta hier um sich versammelt, lässt aufhorchen und macht neugierig, beginnende Karrieren, wie die der französisch-armenischen Musikerin Astrig Siranossian oder des Spaniers Alfredo Ferre weiterzuverfolgen. Sympathisch wirkte die Zurücknahme von Sol Gabetta während des ganzen Abends. Das war im Geist ein Auftritt im Ensemble, denn jeder Chorist kann jederzeit Solist sein. Zwölf Sonnen am Himmel!
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.