Stender/Kröger nehmen im einleitenden Text zu Soziale Arbeit als kritische Handlungswissenschaft – Beitrage zur (Re)Politisierung Sozialer Arbeit (2013) zum Politischen der Sozialen Arbeit wie folgt Stellung: «Kaum eine Illusion ist tiefer in den Selbstrechtfertigungen Sozialer Arbeit verankert als die der politischen Neutralität.» Dies liegt unter anderem darin begründet, dass die sozialarbeiterische bzw. sozialpädagogische Praxis politische Wurzeln und Konsequenzen hat.
Oder anders gewendet: Soziale Arbeit ist immer eine politisch wirksame Kraft, ob als Protagonistin autoritärer, menschenverachtender Handlungen oder als Kritikerin derselben und Advokatin von Demokratie und Menschenrechten. Dieser Antagonismus ist von Beginn an in das sich entwickelnde Selbstverständnis der Sozialen Arbeit eingeschrieben.
Die fachliche Herausforderung, die sich vor diesem Hintergrund ergibt, lautet: Wie können gesellschaftliche Bedingungen von prekären Lebenssituationen in die Begründung von professionellem Handeln aufgenommen werden?
Der Bürgerrechtler Saul Alinsky bringt diese Herausforderung mit der ihm eigenen Prägnanz zum Ausdruck: «Arbeitsplätze, höhere Löhne, wirtschaftliche Sicherheit, Wohnen und Gesundheit gehören zu den wichtigsten Dingen im Leben, und sie sind alle umstritten. Diese Probleme müssen offen, mutig und kämpferisch angegangen werden. Und wer das nicht will, sollte nicht wagen zu Arbeitslosen zu gehen, die nicht wissen, woher sie ihre nächste Mahlzeit nehmen sollen, die mit ihren Kindern in der Gosse der Verzweiflung leben, und ihnen keine Nahrung, keine Arbeitsplätze, keine Sicherheit anbieten, sondern beaufsichtigte Freizeitbeschäftigung, Bastelkurse und Persönlichkkeitsbildung. Aber genau das wird immer getan.»
Die Wahl zwischen diesen Perspektiven ist keine beliebige, flexibel austauschbare, sondern eine der Fachlichkeit, ein Ausdruck des professionellen Selbstverständnisses. Betrachtet man die Aktion der Kriso vor diesem Hintergrund, ist sie als Ausdruck einer spezifischen Fachlichkeit zu verstehen, die nicht bewilligt oder genehmigt werden kann und muss, sondern über die fachlich kontrovers diskutiert werden muss und nicht organisationell ordnungspolitisch bestimmt werden kann, weder über infrastrukturelle noch inhaltliche, fachliche Rahmenbedingungen. Sie zeigt vielmehr, in einer verallgemeinernden Form, die politische wirksame Kraft und die daraus resultierenden Gegenkräfte innerhalb und im Kontext von Organisationen.
Bild: Kriso St.Gallen
Betrachtet man die Stellungnahmen bzw. Äusserungen von zwei Opponenten der Aktion wird deutlich, wie Politiker, die nur bedingt Kenntnis von Sozialer Arbeit, deren Geschichte und Begründungen haben, über Professionalität Sozialer Arbeit meinen einfach mal so bestimmen zu können.
Man stelle sich vor, dass eine Fachhochschule nicht Studierende und Mitarbeitende kritisiert, die grundlegende fachliche Widersprüchlichkeiten thematisieren, sondern dass sie den Kolleginnen und Kommilitoninen stattdessen die Frage stellt, warum Sie sich nicht an einer fachpolitisch relevanten Auseinandersetzung beteiligen.
Die Transparent-Aktion zeigt, dass sich in den Bildungsinstitutionen tatsächliche Auseinandersetzung in Ansätzen entfalten kann. Die schleichende Verödung von Bildungseinrichtungen in den letzten beiden Jahrzehnten hingegen weckt Zweifel, ob die Zuspitzung des Widerspruchs Bildungsorganisationen auch weiterhin an- und umtreibt. Einmal mehr wird der Zweifel bestärkt, eine weitere Möglichkeit temporär ausser Kraft gesetzt.
Herbert Meier war von 1991 bis 2013 Mitarbeiter der Fachhochschule St.Gallen und ist dort aktuell Lehrbeauftragter im Fachbereich Soziale Arbeit.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.