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Soziale Arbeit ist politisch!

Warum die Kriso-Transparent-Aktion als Ausdruck einer spezifischen Fachlichkeit zu verstehen ist und darum nicht bewilligt oder genehmigt werden muss: ein Gastkommentar von Herbert Meier.
Von  Gastbeitrag , 

Stender/Kröger nehmen im einleitenden Text zu Soziale Arbeit als kritische Handlungswissenschaft – Beitrage zur (Re)Politisierung Sozialer Arbeit (2013) zum Politischen der Sozialen Arbeit wie folgt Stellung: «Kaum eine Illusion ist tiefer in den Selbstrechtfertigungen Sozialer Arbeit verankert als die der politischen Neutralität.» Dies liegt unter anderem darin begründet, dass die sozialarbeiterische bzw. sozialpädagogische Praxis politische Wurzeln und Konsequenzen hat.

Oder anders gewendet: Soziale Arbeit ist immer eine politisch wirksame Kraft, ob als Protagonistin autoritärer, menschenverachtender Handlungen oder als Kritikerin derselben und Advokatin von Demokratie und Menschenrechten. Dieser Antagonismus ist von Beginn an in das sich entwickelnde Selbstverständnis der Sozialen Arbeit eingeschrieben.

Die fachliche Herausforderung, die sich vor diesem Hintergrund ergibt, lautet: Wie können gesellschaftliche Bedingungen von prekären Lebenssituationen in die Begründung von professionellem Handeln aufgenommen werden?

Der Bürgerrechtler Saul Alinsky bringt diese Herausforderung mit der ihm eigenen Prägnanz zum Ausdruck: «Arbeitsplätze, höhere Löhne, wirtschaftliche Sicherheit, Wohnen und Gesundheit gehören zu den wichtigsten Dingen im Leben, und sie sind alle umstritten. Diese Probleme müssen offen, mutig und kämpferisch angegangen werden. Und wer das nicht will, sollte nicht wagen zu Arbeitslosen zu gehen, die nicht wissen, woher sie ihre nächste Mahlzeit nehmen sollen, die mit ihren Kindern in der Gosse der Verzweiflung leben, und ihnen keine Nahrung, keine Arbeitsplätze, keine Sicherheit anbieten, sondern beaufsichtigte Freizeitbeschäftigung, Bastelkurse und Persönlichkkeitsbildung. Aber genau das wird immer getan.»

Die Wahl zwischen diesen Perspektiven ist keine beliebige, flexibel austauschbare, sondern eine der Fachlichkeit, ein Ausdruck des professionellen Selbstverständnisses. Betrachtet man die Aktion der Kriso vor diesem Hintergrund, ist sie als Ausdruck einer spezifischen Fachlichkeit zu verstehen, die nicht bewilligt oder genehmigt werden kann und muss, sondern über die fachlich kontrovers diskutiert werden muss und nicht organisationell ordnungspolitisch bestimmt werden kann, weder über infrastrukturelle noch inhaltliche, fachliche Rahmenbedingungen. Sie zeigt vielmehr, in einer verallgemeinernden Form, die politische wirksame Kraft und die daraus resultierenden Gegenkräfte innerhalb und im Kontext von Organisationen.

Bild: Kriso St.Gallen

Betrachtet man die Stellungnahmen bzw. Äusserungen von zwei Opponenten der Aktion wird deutlich, wie Politiker, die nur bedingt Kenntnis von Sozialer Arbeit, deren Geschichte und Begründungen haben, über Professionalität Sozialer Arbeit meinen einfach mal so bestimmen zu können.

Man stelle sich vor, dass eine Fachhochschule nicht Studierende und Mitarbeitende kritisiert, die grundlegende fachliche Widersprüchlichkeiten thematisieren, sondern dass sie den Kolleginnen und Kommilitoninen stattdessen die Frage stellt, warum Sie sich nicht an einer fachpolitisch relevanten Auseinandersetzung beteiligen.

Die Transparent-Aktion zeigt, dass sich in den Bildungsinstitutionen tatsächliche Auseinandersetzung in Ansätzen entfalten kann. Die schleichende Verödung von Bildungseinrichtungen in den letzten beiden Jahrzehnten hingegen weckt Zweifel, ob die Zuspitzung des Widerspruchs Bildungsorganisationen auch weiterhin an- und umtreibt. Einmal mehr wird der Zweifel bestärkt, eine weitere Möglichkeit temporär ausser Kraft gesetzt.

Herbert Meier war von 1991 bis 2013 Mitarbeiter der Fachhochschule St.Gallen und ist dort aktuell Lehrbeauftragter im Fachbereich Soziale Arbeit.

 

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
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Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
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