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«Sozis denunzieren nicht!»

Imagination von Sozialbetrug, Führen und Leiten von Detektiv-Teams, Grundlagen der Drohnenaviatik und Methoden der Standortbestimmung: Wie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter gegen die Überwachung von Versicherten kämpfen.
Von  Corinne Riedener
Bild: Kriso St.Gallen

«Mit Ihrem Bachelorabschluss in Sozialer Arbeit verfügen Sie bereits über rudimentäre Kompetenzen der Investigation. Entwickeln Sie sukzessive und systematisch einen dezidiert misstrauischen Sozialdetektiv*innen-Habitus. Absolvieren Sie den berufsbefähigenden CAS Sozialdetektei und werden Sie Profi. Sozialversicherungen werden sich um die Zusammenarbeit mit Ihnen reissen.»

Mit diesen Worten wirbt ein Flyer, der seit einigen Wochen an der Fachhochschule St.Gallen herumgeistert, für einen neuen CAS-Studiengang, der bald an allen Fachhochschulen der Schweiz ausser in Zürich angeboten werden soll.

Die Schwerpunkte der Weiterbildung: Imagination und Identifikation von Sozialbetrug, Führen und Leiten von Detektiv*innen-Teams, Nationale und internationale Kooperation, Grundlagen der Drohnenaviatik sowie Theorie und Methoden der Standortbestimmung.

Auch eine technische Ausbildung steht auf dem Programm, dazu gehören unter anderem Video- und Bildbearbeitung, Berichterstattungsrhetorik oder der Umgang mit Tarnmaterialien. Insgesamt 15 ECTS-Punkte gilt es zu ernten.

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Die Kosten für diese Weiterbildung im Sozialen Bereich betragen laut Flyer total 7800 Franken und werden «aus Eigeninteresse von der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) und vom Schweizerischen Versicherungsverband (SVV)» übernommen. Weitere Informationen zu Zulassung und Anmeldung gibt es im Internet auf sozialdetektei.ch.

Kämpfen, dass der CAS eine Dystopie bleibt

Was wie der feuchte Traum der vereinigten Versicherungslobby klingt, ist selbstverständlich ein Fake, eine Persiflage. Es gibt nirgends ein derartiges Weiterbildungsangebot – noch nicht. Das zumindest ist die überzeichnete Befürchtung der Urheberinnen und Urheber des Flyers, sollte «die gesetzliche Grundlage zur Überwachung von Versicherten», über die wir am 25. November abstimmen, angenommen werden.

Wer hinter der Aktion steckt, ist nicht bekannt. Es deutet allerdings vieles darauf hin, dass das Forum für kritische Sozialarbeit (Kriso) seine Finger im Spiel hat. Das lose Bündnis aus Fachleuten aus St.Gallen, Zürich, Bern und Basel macht sich stark gegen die Versicherungsvorlage.

Letzte Woche hat es einen Anti-Überwachungs-Rap publiziert, Ende Oktober ging das Video einer «Einführungsveranstaltung für angehende Sozialdetektive» online und im Nein-Flyer zur Abstimmung heisst es «Sozis denunzieren nicht! Gegen die Überwachung von Versicherten – damit der CAS Sozialdetektei eine fachliche Dystopie bleibt!».

 

Die «Gesetzesgrundlage zur Überwachung von Versicherten» diene als Instrumentarium, das «Angst schürt, Druck ausübt und den neoliberalen Abbau der sozialen Sicherheit vorantreibt», schreibt die Kriso.

Dazu hätten vor allem zwei Diskurse beigetragen: Die durch die SVP angestossene «Missbrauchsdebatte», die das Bild von Menschen zeichne, die scheinbar unberechtigt Leistungen der Sozialhilfe und Sozialversicherungen in Anspruch nehmen sowie der Diskurs und die Praxis um die Formel «fördern und fordern», die «von sozialdemokratischer Seite und durch die Soziale Arbeit vorangetrieben wurde/wird». Dahinter stecke das Bild, «dass Leute, die sozialstaatliche Leistungen erhalten, sich nicht um Lohnarbeit oder Selbstständigkeit bemühen», sprich sich in der «sozialen Hängematte» ausruhten.

Nein zu «einseitigen» und anonymen «politischen Werbemassnahmen»

Um ihrer Position Nachdruck zu verleihen, hat die Kriso St.Gallen am vergangenen Montag in der Zehn-Uhr-Pause am Hochhaus der FHS beim Bahnhof ein entsprechendes Banner gehisst.

Das hat nicht allen gepasst. Beide Aktionen seien «ohne Rücksprache bzw. Genehmigung durch die Hochschule durchgeführt worden», schreibt FH-Rektor Prof. Dr. Sebastian Wörwag heute Mittwoch in einer internen Mitteilung. «Bedauerlicherweise trat die Kriso St.Gallen weder vor, während noch nach den Aktionen mit Personen in Erscheinung, welche sich für eine inhaltliche Auseinandersetzung zum Thema angeboten hätten.»

Um Erlaubnis zu fragen, hätte aber ohnehin nichts gebracht, wie aus Wörwags Mitteilung hervorgeht. Eine Zustimmung für diese Form hätte auch «aufgrund der Richtlinie zur Diversität nicht erteilt werden können, gemäss welcher die FHS als Organisation des öffentlichen Bildungswesens keine Veranstaltungen und Verlautbarungen mit einseitigen oder tendenziösen Positionsbezügen – weder in politischer noch religiöser Hinsicht – unterstützt», schreibt er.

Immerhin würde der Rektor aber «offene Formen der Auseinandersetzung von Studierenden über aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen im Allgemeinen, und im Besonderen, wenn diese auch die eigene Profession betreffen» begrüssen. Trotzdem: «Einseitige und anonym bleibende politische Werbemassnahmen werden auch in Zukunft nicht bewilligt.»

Was einseitig ist und was nicht – gerade im Abstimmungskampf –, darüber lässt sich wohl lange streiten. Unbestritten ist, dass die Vorlage in diesem Fall durchaus «die eigene Profession» betrifft – und verständlicherweise die sozialen Gemüter erhitzt. «Sozialarbeitende arbeiten in der Sozialhilfe, in Versicherungseinrichtungen und Ämtern etc., vielleicht gar in Positionen, in denen sie befugt sein werden, Überwachungen von Versicherten anzuordnen», schreibt die Kriso in ihrem Flyer und stellt klar: «Gegen diese unverhältnismässige Praxis wehren wir uns bereits jetzt.»

Wörwag könnte eigentlich stolz sein.

Darum geht es:
Heute wird aufgrund von Gesprächen, Arztberichten und anderen Unterlagen geprüft, ob jemand Anrecht auf Unterstützung hat. Mit der Gesetzesänderung sollen neu «verdeckte Beobachtungen» möglich sein, «wenn es konkrete Anhaltspunkte für einen unrechtmässigen Leistungsbezug gibt». Nach einer Observation müsse die betroffene Person informiert werden, heisst es in der Vorlage, diese könne sich vor Gericht wehren. Wird die Gesetzesänderung angenommen, wird die Kontrolle der Versicherten durch die Leistungserbringer über ihr Grundrecht auf Achtung des Privat- und Familienlebens gestellt.
Eine breite, parteiunabhängige Bürgerinnen- und Bürgerbewegung hat gegen das Gesetz erfolgreich das Referendum ergriffen und kämpft für ein NEIN an der Urne gegen willkürliche Überwachung von Versicherten durch Versicherungsspione.

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

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«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

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Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

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Kolumne: Stimmrecht

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Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01