Kategorie
Autor:innen
Jahr

Spitäler schliessen – oder doch nicht?

Der St. Galler Kantonsrat, der schon länger mit einer fantasielosen Sparpolitik langweilt, hat ein aufregendes neues Thema: Er muss über die Schliessung von Spitälern entscheiden.
Von  Andreas Kneubühler , 
Gerade gefeiert, jetzt gefährdet: Der Neubau des Spitals Wattwil. (Bild: Spitalregion Fürstenland Roggenburg)

Die Machtverhältnisse sind im St. Galler Kantonsrat zementiert, die Themen waren es auch: Trotz boomender Wirtschaft und schwarzer Zahlen im Haushalt echauffierte sich die bürgerliche Mehrheit vor allem dann, wenn es um die Kultur- oder Personalbudgets ging.

Daneben wurde die Alltagspolitik pragmatisch erledigt.

Doch nun wird alles ein bisschen anders. Der Verwaltungsrat der St. Galler Spitäler hat Mitte Mai ein Grobkonzept veröffentlicht. Ausgangspunkt ist ein strukturelles Defizit von 70 Millionen Franken. Die vorgeschlagenen Massnahmen laufen auf die Schliessung von fünf der neun Spitäler im Kanton hinaus. Im Fokus stehen die Standorte Altstätten, Walenstadt, Wattwil, Flawil und Rorschach.

Dazu eine Position zu finden, ist gar nicht so einfach.

Landspitäler arbeiten günstiger

Das Konzept hat der Verwaltungsrat zusammen mit den Restrukturierungsspezialisten von PricewaterhouseCoopers (PWC) erarbeitet. Und so ist es auch herausgekommen: Es folgt einer rein betriebswirtschaftlichen Logik.

Aber nicht einmal das ist sicher.

In der St. Galler Spitallandschaft werden unterschiedliche Kosten verrechnet: Die gleiche Behandlung kommt in einem Landspital günstiger als im Zentrumsspital. Weil dort die Infrastruktur teurer ist, die Honorare höher sind und mehr Hightech eingesetzt wird.

Werden die kleinen Spitäler geschlossen, müssen die Kapazitäten der grossen Spitäler erhöht werden. Patientinnen und Patienten gibt es schliesslich nicht weniger.

Es braucht dort mehr Betten, mehr Personal – und es werden mehr teurere Behandlungen abgerechnet.

Was wird unter dem Strich gespart?

Zu viele Spitäler? Und welche?

Die Crux bei diesem Thema liegt aber woanders: bei den unterschiedlichen Antworten auf zwei Fragen, die streng genommen den gleichen Inhalt haben.

Die erste: Hat es in der Schweiz nicht zu viele Spitäler, weil jeder Kanton nur für sich selber plant?

Die zweite: Sollen wir morgen das Spital Wattwil schliessen?

Klar ist: Entscheiden wird das Parlament. Nicht die Regierung und schon gar nicht der Verwaltungsrat. Im Gesetz über die St. Galler Spitalverbunde heisst es klipp und klar: «Der Kantonsrat legt die Spitalstandorte fest».

Anzunehmen ist, dass dazu auch Volksabstimmungen möglich sind.

Die Behandlung des schwierigen Themas wird Zeit benötigen. In der Junisession fand dazu ein erstes Geplänkel statt. Bald müssen die Parteien Stellung beziehen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wie stimmen die SVP-Kantonsräte aus dem Toggenburg, wenn ihre Fraktion die Schliessung des Spitals Wattwils durchsetzen will?

Bereits positioniert hat sich die SP. Sie fordert die Regierung auf, sich für alle bisherigen Standorte auszusprechen.

Die Partei setzt sich für das Personal ein – und für die bisherige Gesundheitspolitik ihrer Regierungsrätin. Man kann nicht sagen, dass ihre Strategie gescheitert ist. Auch nicht, wenn man sie nach den Massstäben der aktuellen Gesundheitspolitik misst, bei der Spitäler Bilanzmedienkonferenzen abhalten und der Begriff Gemeinnützigkeit für sich keinen Wert darstellt.

Oder konkreter: Die Spitäler im Kanton haben in den letzten Jahren insgesamt Gewinne erzielt. Zur Absurdität des Systems gehört, dass ein Teil davon abgeschöpft wurde. 2017 flossen so 1,1 Mio. Franken zum Kanton.

Möglich ist vieles

Die finanzielle Situation haben vor allem Entscheide aus Bern verschlechtert. Der Bundesrat hat zweimal in das Tarifsystem eingegriffen. Die Folge davon: Einsparungen im Gesundheitswesen insgesamt, aber tiefere Einnahmen für die Spitäler.

Dazu kommt, dass die Rahmenbedingungen besser sein könnten. Etwa, wenn es um die Finanzierung der anstehenden Um- und Neubauten geht. Dafür müssten die Spitäler nach Ansicht der Regierung eine Ebitda-Marge (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen) von rund 10 Prozent erreichen. Das ist illusorisch.

Wie auch immer.

Bis im Sommer will ein Lenkungsausschuss Stellung nehmen,. Darin sitzen drei Mitglieder der Regierung und zwei des Verwaltungsrats. Der Kantonsrat hat eine Spezialkommission eingesetzt, die sich bald zu einer Mehrheitsmeinung durchringen wird.

Möglich ist vieles. Sogar, dass der Spar-Kantonsrat Mehrausgaben beschliesst, um einige oder alle der gefährdeten Spital-Standorte zu erhalten. Aus regionalpolitischen Gründen. Als Standortfaktor. Oder weil das Volk dagegen ist und 2019 ein Wahljahr ist.

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
DSC9907 HDR WEB