Kategorie
Autor:innen
Jahr

Wahlpanne: Aus allen Fehlern lernen

Der Präsident des Stimmbüros der Stadt St.Gallen tritt wegen der Wahlpanne vom Sonntag zurück. Der Stadtrat will mit einem externen Gutachten solche Pannen künftig vermeiden. Angezeigt wäre allerdings, dass der gleiche Stadtrat endlich seine Krisenkommunikation selbstkritisch hinterfragt.
Von  Reto Voneschen , 
Warten auf die Resultate der Stadtratswahlen im städtischen Wahlzentrum in der Jugendbeiz Talhof. (Bilder: vre)

Die diesjährigen Erneuerungswahlen fürs St.Galler Stadtparlament haben landesweite Schlagzeilen und umfangreiche Medienberichte ausgelöst. Das gelingt Themen aus der Gallusstadt sonst eher selten und Themen aus der St.Galler Stadtpolitik so gut wie nie. Auch diesmal hätten wir gut darauf verzichten können.

Dass sich die Wahlpanne um den gar nicht stattgefundenen Rechtsruck im Parlament auswärts für süffige Texte und schadenfreudige Kommentare eignet, ist klar. Die Aufregung über das Vorgefallene ist im Grundsatz auch richtig.

Glaubwürdigkeit hochhalten

Damit die Demokratie funktionieren kann, muss man ihren Mechanismen vertrauen können. Ganz zentral ist, dass Meinungsäusserungen des Stimmvolks, der obersten Instanz im Staat, neutral, zuverlässig und korrekt ermittelt werden. Haben Bürger:innen gute Gründe für die Annahme, dass dies nicht mehr der Fall ist, sind politische und gesellschaftliche Zerreissproben programmiert. Die Glaubwürdigkeit jener Institutionen, die den Volkswillen zu ermitteln haben, ist ein hohes Gut. Pannen wie jene in St.Gallen am Sonntagabend untergraben das Vertrauen in diese Gremien.

Der Rücktritt von Andreas Vögeli, dem Präsidenten des städtischen Stimmbüros, ist aus dieser Sicht konsequent. Er hat am Montag die Verantwortung für die Panne übernommen und sich entschuldigt. Dass er jetzt einen Schritt weitergeht und sein Amt zur Verfügung stellt, spricht für ihn. Der Rücktritt wird zur Beruhigung der Situation beitragen. Er wird hoffentlich den Neustart im Stimmbüro nicht erschweren. Voraussetzung dafür ist sowieso, dass der Stadtrat jetzt eine geeignete Nachfolge findet. Idealerweise wäre das jemand, der gar nicht ins Kuddelmuddel vom Wahlsonntag verwickelt war.

Respektlose Flegel verdienen selber keinen Respekt

Ein Beigeschmack hat der Rücktritt von Andreas Vögeli: Bevor überhaupt klar wurde, wie es zur Panne kommen konnte, tauchten Rücktrittsforderungen auf. Dabei gab es natürlich jene, die versuchten, die Empörung für eigene Zwecke zu bewirtschaften. Ganz offensichtlich war das bei den Jungfreisinnigen, deren Medienmitteilung forderte, «dem Vögeli sind die Flügel zu stutzen». Klar, zum Geschäft der Jungparteien gehört die Provokation. In der Politik wird immer wieder «auf den Mann» gespielt. Wer das aber mit den Worten der Jungfreisinnigen tut, ist nichts mehr als ein respektloser Flegel.

Dies gilt umso mehr, als man sich in diesem Fall auch fragen kann, ob Rücktrittsforderungen überhaupt gerechtfertigt und zielführend waren. Andreas Vögeli hat immerhin von sich aus auf Unstimmigkeiten im Resultat reagiert und eine Nachkontrolle veranlasst. Dabei wurde der Fehler am Montag sehr rasch eruiert. Danach wurde auch so rasch als möglich die Öffentlichkeit informiert. Es gab keine Versuche, etwas zu vertuschen, zu verzögern oder kleinzureden. Das Sicherheitsnetz hat funktioniert. Gerade auch dank dem Präsidenten des Stimmbüros.

Verantwortung übernommen, Konsequenzen gezogen

Natürlich hätte schon am Sonntag nachgezählt werden müssen. Natürlich hat das Stimmbüro mit der vorschnellen Validierung des Wahlresultats einen Bock geschossen. Den konkreten Fehler, der die FDP zum Wahlsieger machte, hat aber nicht der Präsident des Stimmbüros begangen. Und auch keines der anderen Mitglieder im Ausschuss des Stimmbüros hat auf die Unstimmigkeiten bei den Zahlen reagiert. Andreas Vögeli übernahm die Verantwortung für den Patzer. Und jetzt ist er so konsequent, wie man es sich von Politiker:innen wünschen würde, die gröbere Fehler zu verantworten haben.

Der Entscheid des Stadtrats vom Dienstag, das Wahlprozedere auf Schwachstellen abklopfen zu lassen, ist naheliegend. Um das Vertrauen wieder herzustellen, ist es ein Muss, die Wiederholung eines solchen Fehlers zu verhindern. An der Spitze des städtischen Stimmbüros gab es vor kurzem einen Generationenwechsel. Viel Erfahrung ist weggefallen. Das ist auch ohne Wahlpanne der richtige Zeitpunkt, das Prozedere beim Auszählen von Abstimmungen und Wahlen zu durchleuchten. Dies auch mit Blick auf neue technische Mittel, die bei der Kontrolle von Resultaten unterstützen können.

Meinungsbildung ohne Meinung des Stadtrats

So richtig und wichtig der Entscheid fürs externe Gutachten ist, so schwach war die Kommunikation der Stadtregierung (wieder einmal). Dank Onlineplattformen und Sozialen Medien setzt die öffentliche Meinungsbildung heute so schnell wie nie zuvor ein. Das Zeitalter des reitenden Boten und der Postkutsche oder der gedruckten Tageszeitung, die morgen unters Volk bringt, was heute gesagt wurde, ist definitiv vorbei. Das müsste sich bei einem Ereignis wie der Wahlpanne durch eine sofortige Reaktion in der Krisenkommunikation des Stadtrats spiegeln. Was nicht der Fall war.

Die Nachricht vom «Wahldebakel» zog am Montagabend schweizweit rasch grosse Kreise. Die dabei vermutlich nicht ganz unmassgebliche Sicht der St.Galler Exekutive spielte bei der sofort einsetzenden öffentlichen Meinungsbildung keine Rolle. Weil es der Stadtrat nicht für nötig befunden hatte, jemanden an die Medienkonferenz zu delegieren, an der erstmals offiziell über die Panne informiert wurde. Dieser Fehler wurde nicht zum ersten Mal begangen.

Vor die Medien traten Andreas Vögeli und Noëmi Huber, Präsident respektive Sekretärin des Stimmbüros. Und die beiden standen dort ziemlich im Regen. Sie entschuldigen sich für den Fehler und zeichneten nach, wie es dazu hatte kommen können. Eine Entschuldigung des Stadtrats? Eine politische Einordnung der Panne? Eine Zusicherung, dass man das Geschehene auf der obersten Ebene ernst nimmt und eine Wiederholung verhindern will? Fehlanzeige! Zwar stand Stadtpräsidentin Maria Pappa nach der Orientierung vor dem Rathaus für Stellungnahmen zur Verfügung. Das ersetzt aber in so einem brisanten Fall keinen Auftritt vor der am Montagabend ungewöhnlich grossen Medienschar. Genauso wenig wie es dies die am Dienstag nachgelieferte Mitteilung der Stadt vollumfänglich tun kann.

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover