Flussläufe, Strassen, Weiler, Fünftausender oder Hügel – auf einer Landkarte hat alles Platz. Sämtliche geografischen und topografischen Gegebenheiten lassen sich darstellen, kodieren und dekodieren und zusammenfalten. Eine gefaltete Landkarte ist auf kleinstem Raum konzentrierte Information. Was ursprünglich flächig ausgebreitet war, liegt nun in vielen Schichten übereinander. So etwas funktioniert nur mit Papier – und mit Klängen.
Sven Bösiger verdichtet den Klang von Natur, Stadt, See. Der Künstler hat an 59 Stellen der Schweiz gebohrt, das heisst, er hat dort anderthalb- bis vierstündige Tonaufnahmen gemacht, sie pro Ort in zwanzigminütige Abschnitte unterteilt und diese anschliessend übereinandergelegt. Jede Audiosequenz besteht nun also aus mehreren Tonschichten derselben geografischen Quelle. Das klingt zunächst einmal nach Klangbrei, nach undefinierbarem Rauschen. Wer sich jedoch in der Kunsthalle Arbon in Sven Bösigers Installation die Kopfhörer aufsetzte, merkt schnell: Die Überlagerung steigert das Hörerlebnis. Säuseln, rascheln, rauschen, brummen und die vielen Tierlaute von zwitschern bis blöken führen aus der Kunsthalle heraus und hinein in den Gedankenfilm.
Bösiger hat die Aufnahmeorte nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und sie ebenso auch platziert. Jede Soundbohrung korrespondiert dabei mit dem dazugehörigen Kartenausschnitt. Verwendet hat der Künstler die 1:25000er Karten des Bundesamtes für Landestopografie, laut Swisstopo «die genauste und informativste topographische Karte der Schweiz für Wanderer, Alpinisten, Planer, Individualisten und Entdecker». Zu entdecken gibt es entsprechend viel, nicht nur, weil die Karten nochmals vergrössert sind, sondern, weil sie auf Schwarzweisstöne reduziert sind. Dadurch entstehen ganz neue Zusammenhänge.
Thun etwa wächst beinahe nahtlos mit Zürich zusammen. Die Merlahütten erwartet die Städter von Martigny. Strassen verwandeln sich in Flüsse und Höhenlinien steigen plötzlich, statt zu fallen. Wer noch mehr zu den rot gekennzeichneten Positionen der jeweiligen Aufnahmen erfahren will, sollte unbedingt Bösigers Notizen dazu lesen. Sie liegen in der Ausstellung aus und können in ihrer verdichteten, präzisen Sprache mühelos für sich stehen. So wie die Fotografien an der Wand – in Schwarzweiss und ebenfalls eigenständig. Sie sind kein konkretes Porträt eines Ortes, sondern Landschaften aus Körnung, Licht und Kontrasten und reiches Material für Kopfreisen.
Weitere Infos auf kunsthallearbon.ch.
Am 21. Juni um 20.30 Uhr ist in der Ausstellung der Stummfilm «Grass. A Nation’s Battle for Live» zu sehen, live vertont von Nomadton (Sven Bösiger, Patrick Kessler).
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.