Kategorie
Autor:innen
Jahr

Tagores garden, worldwide

1913, also vor genau hundert Jahren, bekam Rabindranath Tagore für seinen Gedichtband „Gitanjali“ als erster Nicht-Europäer den Literaturnobelpreis.

Von  Simone Volande

Nicht überall nahm man das gut auf, in Kanada schrieb eine Zeitung, das es gewöhnungsbedürftig sei, sich einen Nicht-Weissen Preisträger vorzustellen, vorallem weil einem gesagt wurde, dass Ost und West sich niemals treffen würden (Anspielung auf ein Zitat Rudyard Kiplings). Tagore selbst stellte in seiner Nobelpreisrede fest, dass der Preis an ihm bestimmt nicht verschwendet wurde, denn als er darüber sinnte, ob eine einzelne Person eine solche Ehre überhaupt annehmen könne, wurde ihm klar, dass er den Preis einfach teilen muss. Er gründete Universitäten, Schulen mit der Absicht, dass sich Studenten aus Ost und West da treffen können. Der globale Austausch war ihm wichtig, Nationalist war er, obwohl ein bengalischer Volksheld, nicht.
Der Tagorespezialist Axel Monte aus München stellt uns im Kultbau sehr facettenreich einen Künstler dar, der Geschichte schrieb. Die Nobelpreisrede hat er selbst vor kurzem übersetzt, und in seinem „Books Ex Oriente-“ Verlag herausgegeben. Er liest daraus, und es gelingt ihm recht gut, immer wieder zu verlinken mit anderen Texten, seien es Anektoten aus Tagores Leben, Pädagogische Essays oder natürlich Gedichte.
Da ist zum Beispiel ein Gedicht über einen Tiger, der von einem Mädchen Seife verlangt, um sich die Flecken/Streifen wegzuputzen. Als sie sich hartnäckig weigert, ihm Seife zu geben, droht er sie zu fressen. Da erklärt das Mädchen, es gehöre zu der Kaste der Unberührbaren (Witwen, Waisen, usw.), und wenn der Tiger es fressen würde, würde er dadurch seine eigene Kastenehre beschmutzen. Die gefährliche Katze erschrak und meinte empört, das Mädchen solle ihn nicht berühren. So zog er von dannen und behielt seine Streifen.
Der Kastenfeind Tagore selbst war zwar Brahmane, doch wegen diverser ketzerischer und revolutionärer Ahnen und Verwandten, in diesem Sinne nicht wirklich hoch angesehen, aber das war ihm ziemlich egal, mit solchen Gedichten machte er sich darüber lustig.
Sehr unterhaltsam sind auch die Geschichten aus seiner Kindheit und Jugend, wo der Nobelpreisträger uns erklärt, wie empört er darüber war, dass sein Englischlehrer weder Krankheit noch Tod kannte, und einfach bei jedem Wetter täglich bei ihm auftauchte. Später, selbst schon am unterrichten, stauchte er seine Dienstkollegen zusammen, wenn sie zum Beispiel den Kindern verbaten, auf Bäumen ihre Aufgaben zu lösen.
Hier noch zwei Argumente, warum man auch heute noch Tagore lesen muss: 1. Der Austausch zwischen Ost und West findet statt, doch ist das genug? Verstehen wir Indien, verstehen wir Asien? Verstehen sie uns? Verstehen wir uns jenseits der Zahlen? 2. Bildungssystem: Viele Entwicklungen in Europa gehen ja gerade weg von der Freiheit, weg von der intelligenten geistigen Entwicklung, hin zu Creditpoints und banalem Strebertum. Dürfen unsere Primarschüler auf Bäumen lernen? – Nein, denn das wäre zu gefährlich, die Lehrperson könnte das kaum verantworten. Ums mit Tagore zu sagen: „Geschätzter Kollege, in Ihrem Alter werden diese Kinder bestimmt nicht mehr auf Bäume klettern!“ Die durch die Vergänglichkeit bedingte Gebrechlichkeit ist uns Menschen auch schon Disziplinierungsmassnahme genug – und Rabindranath Tagore, danken wir ergebenst für solche Gedanken!

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung