Gesine Krüger, Professorin für neuere Geschichte an der Universität Zürich, kann der Menschen-Tier-Beziehung durchaus auch eine animalische Deutungshoheit abgewinnen. Zudem sieht sie Gemeinsamkeiten, wo man sie zuletzt vermuten würde, und machte daraus gleich auch den Titel für ihren Vortrag im Frauenfelder Rathaus: «Tierfänger. Was Historikerinnen und Jäger gemeinsam haben». Die unorthodoxe Historikerin sprach im Rahmenprogramm zur Sonderausstellung «August Künzler. Thurgau – Tanzania» im Historischen Museum Thurgau.
Ohne Tiere keine Menschengeschichte
«Es geht nicht um das Tier an sich, sondern um die Tatsache, dass Menschengeschichte ohne die Tiere nicht stattfindet», sagte die Zürcher Professorin und verwies im gleichen Atemzug auf eine gemeinsame Eigenschaft der modernen Geschichtsforschung mit der Jagd: «In beiden Metiers wird nach Lebendigem gejagt.» Mit dem kleinen Unterschied, dass in der einen Disziplin das Objekt tot sei und gegessen werde, in der anderen hingegen einen Platz in der Geschichte zugewiesen erhalte.
Beispielhaft für den Einfluss der Tiere ist die Geschichte der europäischen Eroberung anderer Erdteile. Ohne Nutztiere wie Pferde, Rinder und Schweine wäre dies nie möglich gewesen. Die Tiere dienten bei den Schiffsüberfahrten als Nahrungsreserve, und bei der Inbesitznahme der neuen Länder machten sie deren Kultivierung, aber auch die Unterwerfung der indigenen Völker möglich. Das British Empire ohne die Tiere: undenkbar.
August Künzler mit Giraffen, um 1950.
Bei den kolonialen Eroberungen dienten die Tiere auch dazu, gesellschaftliche und gesetzliche Normen festzulegen, sagte Krüger. So gesehen sei den Tieren eine historische Handlungsmacht zugefallen. Das Verhältnis zwischen wilden und domestizierten Tieren sei zwar klar geregelt worden, habe aber auch zu Konflikten geführt, indem Wanderherden beispielsweise die Felder der indigenen Bevölkerung zerstörten. Ferner seien durch die eingeführten Tierarten viele einheimische ausgerottet worden.
Der Wert von Nutztieren war hoch. So wurde Viehdiebstahl meistens mit dem Erhängen der Täter geahndet. Und laut historischen Berichten sind durch Kolonialisten sogar Massaker an Einheimischen verübt worden, weil diese Ziegen geraubt hätten. Tiere wurden einerseits benutzt, um Vergeltung zu üben, andererseits aber auch zur Besänftigung in Form von Geschenken an die Einheimischen, wenn Konflikte drohten.
Versicherungen schrieben Schiffskatzen vor
In der Menschen-Tier-Geschichte gibt es laut Krüger aber auch zahlreiche Anekdoten. So schrieben englische Schiffsversicherer in die Policen den Passus, dass für die Schiffsüberfahrten Katzen in Dienst zu nehmen seien, die durch die Jagd auf Nager die Schäden an Lebensmitteln und anderen Transportgütern reduzieren sollten. Auf Schiffen wurden stets auch Hunde gehalten. Auf einem Schiff des Seefahrers und Entdeckers James Cook betrug das Verhältnis Besatzung und Hunde 112 : 80.
Gesine Krüger hat sich auf die Erforschung der kolonialen und postkolonialen Geschichte Afrikas und der Geschichte der Mensch-Tier-Beziehungen spezialisiert. Noch bis vor kurzem ein exotischer Wissenszweig, werde heute die Bedeutung der Tiere in der Geschichte in aller Breite erforscht.
Sonderausstellung «August Künzler. Thurgau – Tanzania»; Altes Zeughaus Frauenfeld, Di-So, 14-17 Uhr. Eintritt frei. Bis 26. Oktober 2014.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.