Kernig, rifflastig und manchmal verträumt: So kennt man das Rockduo Too Mad aus Oberriet. Insofern bietet ihre zweite EP Mad Men Rise keine grossen Überraschungen. Damian Loher (Gitarre und Gesang) und Dionys Müller (Drums) bleiben sich treu, und das ist gut so. Nach ihrem Erstling Mad Flowers (2018) treiben sie ihren bluesigen Rock geradlinig weiter, der Sound ist unpoliert, nur stellenweise wurde vielleicht mal draufgespuckt und mit einem Nasenlumpen etwas nachgerieben.
Trotz ihrem klaren Weg offenbart sich in den fünf Stücken auf Mad Men Rise eine gewisse stilistische Breite, ohne im Crossover zu versanden. Da und dort kommt die Westerngitarre zum Einsatz. Ansonsten verzichten Too Mad weitgehend auf musikalischen Schnickschnack. Geografisch führen uns die Rheintaler in südliche Gefilde: Fallin’, das von einer verruchten Begegnung in einer verrauchten Bar schwärmt, erinnert an das Hauptriff von Preacher der südfranzösischen Alternative Rocker Clan Edison. In Lost Here fühlt man sich in die alten, balladigen Radiohead-Tage versetzt (Südengland). Und in I Know stampft der Südstaaten-Bluesrock im Downtempo aus den Boxen. Hörbare Vorbilder sind nach wie vor Black Rebel Motorcycle Club oder die Rival Sons.
Alles handgemacht
Ihre erste Platte haben Too Mad noch bei Jerome Longhi (Lowcutproduction) in Romanshorn aufgenommen und in Los Angeles bei Infrasonic Sound (Rival Sons, Hot Snakes, Portugal. The Man) mastern lassen. Diesmal wollten es die Oberrieter so einfach und authentisch wie möglich halten. Sie haben alles in ihrem eigenen Probekeller aufgenommen. Die Produktion und das Mastering hat Damian Loher selber in die Hand genommen. Das Resultat überzeugt, das Drum klingt ausgewogen, die Bässe kommen satt.
Too Mad nächstes Mal live als Support von Omni, 22. November, Palace St.Gallen
toomad.ch
Mad Men Rise erscheint zunächst nur online. Physische Scheiben folgen vermutlich im Januar. Die Veröffentlichung am 4. November, einem Montag, ist bewusst gewählt und dem Opener Fuck You Monday geschuldet, einem Abgesang auf den ermüdenden Arbeitsalltag und die Leistungsgesellschaft. So klingt Rheintaler Bodenständigkeit in ihrer coolsten Form, schnörkellos und mit ordentlich Punch.
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