«Disorder» bedeutet Unordnung, Störung, Aufruhr, Neurose, Unruhe und ist der Name des St.Galler Bandraumfestivals, das morgen Freitag um 15 Uhr in der alten Post im Linsebühl startet. 18 Konzerte sind programmiert, und kosten für die Freundinnen und Freunde einheimischen Kulturschaffens: nichtsnadaniente.
Organisiert und bestritten wird das dritte Bandraumfestival von den Bands selbst und ist frei von Kommerz und Konsumzwang, wie die Medienmitteilung verspricht.
Vielfältig wie die Musikstile sind auch die Räume. Sie siedeln sich an zwischen dem Fröschlipark im Nordosten (Bad Penny, Local Bass Movement, Pat MC/ Doppia Erre/ Geebra) und der Haggenstrasse im Südwesten (Vintage Groove). Für Locque und TurTur muss man gar bis nach Rotmonten hoch.
Programm und Orientierungshilfe: hier
Den Auftakt machen aber Café Deseado mit einem «legendären Fünf-Stunden-Set» im Point Jaune Museum an der Linsebühlstrasse. Die Band ist bekanntlich dauerhaft unterwegs zwischen 47½° N nach 47½° S und hat diese Sphären in den vergangenen drei Jahren bei mehr als 150 Konzerten durchforscht. Irgendwo zwischen 13 Stühlen schnurrt die grüne Katze – aber das ist eine andere Geschichte. Die Disorder-Fete sollte also insbesondere und ausdrücklich schon am Freitagnachmittag besucht werden.
Unruhig geht es weiter: Vintage Groove spielen tanzbaren Blues, Vom Stern dann wieder sanftere Chansons an der St.Leonhardstrasse, Bad Penny gleichzeitig Blues-Rock im Museumsquartier, Gazillas, Lou Ees und Gerry Pikali entführen einen schliesslich in eine Pfarrei hinter dem Kantonsspital, die Geltenwilenstrasse und die Reithalle.
Da kann man dann auch gleich bleiben, denn Panda Lux, Elio Ricca und Karluk proben ebenfalls in der Kreuzbleiche und bespielen die Räume mit einer Art akustischen japanischen Horrorfilm – Drogen für die Ohren und Post Dubstep bis tief in die Nacht hinein.
Auch der Samstag beginnt vielversprechend; Wassily präsentiert ab 15 Uhr Sphärisches und wird auf der Festivalwebseite als «Afterhour» angepriesen: womit die Veranstalter recht haben.
Den geilsten Namen benennt sicherlich die Improvisationen von Drum-Aktivist Rico Fischbacher und Freunden am unteren Graben: Die grosse On Air Nacht im Funkloch beginnt um 18 Uhr. Die klassenkampfverdächtige Peoples Republic wiederum rockt die Oberstrasse «befreit von Grenzen».
Derweil rappen Doppia Erre, Pat MC und Geebra an der Kolosseumstrasse im Hip Hop-Studio von Erre, Open Mic für Spontane Lyriker*innen mit scharfer Zunge inklusive. Mit Locque und TurTur schliessen sich gar zwei Bands extra fürs Disorder zusammen.
Die frischen The Harps und Private Phone Leasing führen einen erneut in die Reithalle. Erstere provozieren Facebook-Kommentare in der Art von «wie porno kann 1 band denn sein?» und Zweitere haben auch schon Hallen gefüllt und frönen den elektronischen Künsten.
Nach dem Hip-Hop Live Set bei Doppia Erre liefert das Local Bass Movement mit Nice Nine (Name der Red. bekannt, höhö) noch die notwendige Ladung Drum’n’Bass.
Man kann also, ohne wahnsinnig pathetisch werden zu wollen, mit den Worten der Medienmitteilung festhalten: «Das Publikum geht dorthin, wo alles entsteht. Musik in ihrer direktesten Form».
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