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Warum uns das etwas angeht

Wenn sich 1500 Leute in St.Gallen mit einer anderen, besseren Welt beschäftigen, dann ist Sufo. Die Bilanz eines eindrücklichen Samstags.

Von  Corinne Riedener

An der Kundgebung des neunten Sufo sprach OK-Mitglied Matthias Fässler von Ketten, die es zu sprengen gelte. Er erinnerte damit an die 1919 von Freikorpsangehörigen ermordete Rosa Luxemburg, die einst sagte: „Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht“. Ein aufklärerischer Ansatz, den die Mitbegründerin der KPD damit vertrat. Und Fässler ergänzt: „Dies kann auch bedeuten, heute etwas zu tun, das morgen erst erlaubt ist.“ Was für ein Satz. Er ist nicht unbedingt als Aufforderung zum Ungehorsam zu verstehen, sondern richtet sich mehr an das eigene Denken. Er ist die Aufforderung, das innere Korsett zu sprengen – vom Unmöglichen statt vom Machbaren zu träumen. Das mag für manche utopisch, vielleicht sogar infantil klingen. Oder es provoziert Sätze wie jenen: „Ich bin heute am Sufo, um zu hören, wie jetzt die Jungen da diese Welt retten wollen.“

Verdammt grosse Vorsätze

Unter der Voraussetzung, dass das Wort „jung“ für Menschen von 15 bis jenseits der 50 stehen kann, ist das sogar ziemlich zutreffend. Und so sarkastisch das Statement dieses Schnupper-Touristen auch gemeint war, genau darum geht es am Sufo: um Utopien. Darum, über den Tellerrand zu schauen, Fragen zu stellen. Unabhängig von politischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen an Lösungen für die unzähligen Konfliktherde dieser Welt zu tüfteln – seien diese nun wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Natur, auf Kantons-, Bundes- oder internationaler Ebene. Das sind verdammt grosse Vorsätze. Und die rund 1500 Sufo-Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter 800 an den Workshops, nehmen diese Herausforderung an.

Dass man dabei nicht einfach nur sein eigenes Gärtchen bestellen kann, zeigten die diesjährigen Workshops fast schon exemplarisch. Egal welche Thematik, ob Migrations- oder Steuerpolitik, Nahrungsmittelspekulation oder kantonale Sparwut – am Rande überschnitten sich viele Themenbereiche und öffneten den Fokus für Zusammenhänge und Hintergründe.

Da war beispielsweise der Workshop zum kantonalen Sparpaket, der sich, nach Ursachen suchend, mit der schweizerischen Steuerpolitik befasste. Diese wiederum ist aufgrund tiefer Unternehmenssteuern mitverantwortlich, dass in anderen Ländern Firmen und mit ihnen auch das Geld abwandern – zwischen 25 und 35 Milliarden sollen laut denknetz.ch insgesamt fehlen.

Was passieren kann, wenn ein Land in Armut und Perspektivlosigkeit versinkt, zeigten die Workshops zu Migrationspolitik oder Schuldenkrise. Und was damit einhergeht, wenn solche Länder von multinationalen Unternehmen ausgebeutet werden, erfuhr man in den Workshops zu Landwirtschaft oder Elektroschrott. Oder am Glencore-Xstrata-Workshop. Der schweizerisch-britische Rohstoffgigant profitiert bekanntermassen von undurchsichtigen Steuerabgaben und Rahmenabkommen mit anderen Regierungen, beispielsweise der peruanischen. Die Abgaben der Chefetage landen dann unter anderem wieder in der Schweiz. Da ist es also wieder, das Geld. So schliesst sich der Kreis.

Über den Tag hinaus

Selbstverständlich kann man sich all diese Informationen auch anderweitig besorgen. Und natürlich kann man sich auch sonst austauschen, Pläne schmieden, konspirieren. Dass sich aber 1500 Menschen eineinhalb Tage Zeit nehmen, um gemeinsam über die Brennpunkte in der Schweiz und aller Welt zu sinnieren, ist eine Leistung, die honoriert werden sollte. Und auch, dass das 15köpfige Komitee seit bald zehn Jahren am Ball bleibt. Für das OK gehe es nicht nur um die Koordination und Organisation von Workshops, einem Strassenfest, einem Podium, sagt Fässler am Sonntag. Man wolle in einem gemeinsamen Prozess etwas gestalten, das den eigenen Vorstellungen von einer anderen Welt entspricht.

Diesen Gedanken dürfen die Sufo-Teilnehmerinnen und Teilnehmer ruhig mitnehmen, wenn sie zurück in den Alltag müssen: die simple Idee, nicht einfach irgendetwas nach irgendwelchen Vorgaben zu machen, sondern dies im Hinblick auf eine andere, eine bessere Welt zu tun – eben utopisch zu denken und sich nicht von Bestehendem fesseln lassen. Das mag nicht ganz einfach sein, wäre aber nachhaltig. So bliebe die Hoffnung, dass die Problemgärten vor der eigenen Haustür niemanden daran hindern, die grossen Probleme auch noch am Tag nach dem Sufo lösen zu wollen. Oder anders gesagt: Trotz Sparpaketen die Weltbank nicht vergessen.

Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

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Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

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Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

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Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

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Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

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In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
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Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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