Schuldig. In allen Anklagepunkten. So fiel letzte Woche das Urteil im Prozess gegen George Floyds Mörder aus. Nachdem das Urteil ausgesprochen wurde, ging ein kollektiver Seufzer der Erleichterung durch die Sozialen Medien. Endlich fand die lange Geschichte des durch Polizeigewalt getöteten Schwarzen Mannes ein anderes, ein unerwartetes Ende.
Gefühle wie Freude und Triumph bewegten vor allem die Angehörigen der Familie. Auch ich vergoss eine Träne. Ich erinnerte mich zurück an die weltweiten Demonstrationen. Ein Mann, der einen schrecklichen Tod erleiden musse, hat es geschafft, die Herzen der Welt soweit zu bewegen, dass abertausende von Menschen sich dazu berufen gefühlt haben, ein klares Zeichen gegen Rassismus zu setzen.
Samantha Wanjiru, 1993, ist 2019 von Freiburg im Breisgau nach St.Gallen gekommen und hat die erste Black-Lives-Matter-Demo in St.Gallen organisiert. Sie studiert Psychologie, arbeitet nebenher als Bademeisterin und schreibt seit September 2020 die Stimmrecht-Kolumne bei Saiten.
Es war ein historischer Moment, dem eine gewisse Magie innelag. Die kollektive Energie emanzipierte Bipocs international dazu, mit Stolz und klaren Forderungen in den Vordergrund der Gesellschaft zu treten und den Raum einzunehmen, der ihnen zusteht. Eine wunderbare Entwicklung.
Trotzdem schwang immer noch die Angst mit, dass faire Justiz trotz der BLM-Bewegung nicht möglich sein würde. Zu gross war die wiederkehrende Enttäuschung bei ähnlichen Fällen. So bei Emmett Till in den 50er-Jahren, Rodney King in den 80er-Jahren und Trayvon Martin in den 2000ern.
Immer wieder wurde die Gemeinde des Opfers enttäuscht, trotz offensichtlicher Schuld der Uniformierten. Freispruch um Freispruch sank die Hoffnung auf wahre Gerechtigkeit in den grossen Hallen der Justiz. Das Narrativ, dass das Tragen einer Polizeimarke Unantastbarkeit mit sich bringt, wurde der Afro-amerikanischen Bevölkerung in den USA immer wieder bestätigt.
Umso überraschender nun das Urteil im Falle von George Floyd. Warum mir trotzdem nicht zum Feiern zumute ist, lässt sich durch ein paar simple Fragen beantworten: Was wäre gewesen, wenn wir keine Kamera vor Ort gehabt hätten? Was wäre gewesen, wenn das Video nicht viral gegangen wäre? Wenn die Welt nicht für Gerechtigkeit mobilisiert hätte?
Die Antwort auf diese Fragen ist bitter. Sie zeigt, dass Gerechtigkeit eine gewisse Visibilität voraussetzt, die in vielen Fällen leider nicht gegeben ist. Rassismus ist ein Schatten der Gesellschaft, der sich davor scheut, gesehen zu werden. Er versteckt sich hinter politischen Entscheidungen, gesellschaftlichen Normen und historischen Narrativen.
Den Fehler zu machen, das Urteil als Ende der Bewegung um BLM zu sehen, wäre fatal für all die Ereignisse, die keinen Schweinwerfer erhalten. Was im Gerichtsaal entschieden wurde, ist nicht das Happy End einer tragischen Geschichte, sondern der Start eines langandauernden Prozesses zur Gerechtigkeit für alle.
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.