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Disziplinschmerz

Die «NZZ am Sonntag» schreibt sechs Seiten zum Thema Political Correctness und vergisst dabei das Wesentliche. Dabei wäre es gar nicht so schwer, schlechte Gewohnheiten abzulegen.
Von  Corinne Riedener , 
Geborenes Blackface: ein Walliser Schwarznasenschaf, fotografiert an der St.Jakobstrasse. (Bild: Dani Fels)

Wenn man schlechte Angewohnheiten loswerden will, zum Beispiel die schaumige Süssigkeit jeden Tag, hilft es, sich zu fragen, was schwerer wiegt: der Disziplinschmerz beim Verzichten oder der Schmerz des Bedauerns, wenn man Jahre später mit den Folgen seiner Laster konfrontiert ist, in diesem Fall vielleicht Übergewicht oder Diabetes.

Ist das auch auf gesellschaftliche Aspekte übertragbar? Zum Beispiel auf den Journalismus? Was wiegt schwerer: der Disziplinschmerz, jene Leute und Gruppen, über die man schreibt, auch gleich selber – als Autorinnen – zu Wort kommen zu lassen oder der Schmerz des Bedauerns, wenn man später realisiert, wie viel gesellschaftliches Potenzial einfach verbrannt wurde, indem man jahrelang nur ÜBER und nicht MIT diesen Anspruchsgruppen geschrieben hat.

Die «NZZ am Sonntag» hat sich in der Ausgabe vom 13. Dezember für den Schmerz des Bedauerns entschieden. Der Anlauf war eigentlich gut: «Im Namen der politischen Korrektheit werden Bücher zensuriert, Künstler ausgeladen, Bilder abgehängt. Wie sich der tobende Streit um Meinungs- und Kunstfreiheit auf die Kultur auswirkt», so der Übertitel des sechsseitigen Kultur-Spezial-Teils.

Die Texte dazu waren teils durchaus lohnend. Samuel Tanner zum Beispiel, früherer Saitenautor, warf einen kritischen Blick auf die Schenkelklopfer an Rheintaler Turnunterhaltungen, die er jedes Jahr mitschreibt. Das Interview von Peer Teuwsen mit Sophie Passmann zum Gerücht Cancel-Culture war ebenso lesenswert wie entlarvend. Er fühlte sich von ihr belehrt – sie legte ihm nahe, sein «Dasein als Star-Feuilletonist» mal mit einem Politologiestudium zu «unterfüttern» – er fand: «Jetzt aber genug der Frechheiten.»

Weiter ging es um Political Correctness in der Kunst, um das «politische Klima», das die US-Lebensmittelindustrie dazu «zwingt», vertraute Werbefiguren wie Uncle Ben oder Mrs. Butterworth von den Verpackungen verschwinden zu lassen, um das Schweizer Nationalheiligtum Globi und um Blackfacing – als Aufmacher auf der Titelseite mit Walliser Schwarznasenschafen illustriert. Und es gab ein Quiz aus der Vergangenheit unter dem Titel «Mohr, Weib, Muselmann».

Mehr als ein Dutzend Texte und kleinere Beiträge. Das Problem: Sie wurden von weissen Menschen verfasst. Mit einer einzigen Ausnahme, Martin R. Dean, dessen Vater aus Trinidad stammt und indische Wurzeln hat. Sein Text zum spezifisch schweizerischen Rassismus und der Black-Lives-Matter-Bewegung gehört zu den besten. Vermutlich genau darum.

Den restlichen Beiträgen, die Blackfacing und andere koloniale bzw. rassistische Stereotype thematisieren, fehlt die Perspektive von Menschen of Colour komplett. Sehr unzeitgemäss und ein grosses Versäumnis, schliesslich ist die «NZZ am Sonntag» noch eine der wenigen verbleibenden Qualitätszeitungen.

Der Disziplinschmerz in diesem Fall wäre ja nicht allzu gross gewesen. Er hätte nicht darin bestanden, sich eisern in Verzicht zu üben und jeden Tag von Neuem gegen den inneren Schweinehund anzukämpfen, sondern schlicht darin, anderen einen Platz freizumachen und dafür ein bisschen über den Excel-Rand der bestehenden Autorinnenliste zu schauen.

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof

Grüs­se aus ei­nem kom­pli­zier­ten Land

Die St.Gal­ler Tanz­kom­pa­nie fei­er­te ver­gan­ge­nen Sams­tag mit From Eng­land wi­th Love Pre­mie­re. Das Stück wagt sich aber­mals aus dem Gleich­schritt – mit un­miss­ver­ständ­li­chen Ges­ten.

Von Andi Giger,
From England with Love

Eman­zi­pa­ti­on in geo­me­tri­scher Form

Das Kunst­haus Bre­genz zeigt in der neu­en Aus­stel­lung Ar­bei­ten der US-ame­ri­ka­ni­schen Künst­le­rin Tork­wa­se Dys­on. Aus­gangs­punkt ih­rer gross­for­ma­ti­gen geo­me­tri­schen Skulp­tu­ren und poe­ti­schen Ma­le­rei­en bil­det das Le­ben und die Be­frei­ung Schwar­zer Men­schen.

Von Sieglinde Wöhrer,
Torkwase Dyson EG Y3 A3594 Foto Markus Tretter

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
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Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

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Jock Kobels zweiter Fall

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Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

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Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

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Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

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Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

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Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
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