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Together we fight, united we stand!

Der gewaltsame Tod von George Floyd bewegt auch viele in St.Gallen. Über 1100 Menschen kamen an die erste «Black Lives Matter»-Demo am Samstag in der Innenstadt. Gleichzeitig fand der Jubiläumssternmarsch anlässlich des letztjährigen Frauenstreiks statt, wo weitere 300 Aktivistinnen ein Zeichen gegen Gewalt, Sexismus und Diskriminierung setzten.
Von  Corinne Riedener , 
Samantha Wanjiru will eine Bildungsplattform über schwarze Kultur und Historie aufbauen. (Bild: Black Lives Matter St.Gallen)

St.Gallen braucht vielleicht etwas länger für gewisse Dinge, aber man kann den Aktivistinnen und Aktivisten dieser Stadt definitiv nicht vorwerfen, sich nur um eine Sache bzw. ihre eigenen Belange zu kümmern. St.Gallen goes intersektionell.

Der Frauenstreik-Sternmarsch und die Black Lives Matter-Demo hatten sich bereits im Vorfeld solidarisiert. Zwar wurden die beiden Kundgebungen aufgrund der vielen Leute nicht wie gedacht im Stadtpark zusammengeführt, aber es pendelten viele zwischen Kanti- und Stadtpark hin und her, wo die jeweiligen Demos zum Abschluss kamen.

Klar, die Situation in den USA ist nur schwer mit der Schweiz vergleichbar – dort ist man im antirassistischen Diskurs wesentlich weiter. Hier sind wir gefühlt in den 80er-Jahren steckengeblieben. Kein Witz: Wir kriegen uns ernsthaft in die Haare wegen ein paar Süssigkeiten. Allerorts Schnappatmung und die Medien sammeln mit dutzenden Artikeln dazu fleissig ihre Klicks.

Rassismus hat Tradition

Wie tief der alltägliche Rassismus verankert ist, zeigt etwa folgendes Zitat aus einem Artikel der wichtigsten Zeitung in dieser Region: «Doch ist der Name der Schlemmerei wirklich rassistisch oder hat die Bezeichnung einfach Tradition? Darüber diskutierten in der Sendung ‹TalkTäglich› Robert Dubler, langjähriger Chef der Firma Dubler Mohrenkopf in Waltenschwil, und Remo Schmid, Träger des ‹Prix Courage› und bekennender Kämpfer gegen Rassismus.»

Schon die Ausgangsfrage ist eine Beleidigung. Selbstverständlich ist die Bezeichnung rassistisch, auch wenn das die privilegierten Fans dieser heiligen helvetischen Klebrigkeit nicht wahrhaben wollen, obwohl Betroffene sie seit Jahren vom Gegenteil zu überzeugen versuchen. Es ist noch schlimmer: Rassismus hat Tradition. Und dass man jemanden als «bekennenden» Kämpfer gegen Rassismus bezeichnen muss, ist auch ziemlich kurios. Ist ja in der Verfassung verankert.

Wie weit die Schweiz hinterherhinkt, hat auch das öffentlich-rechtliche Informationsorgan SRF am Freitag wieder gezeigt: Unter dem Motto «Jetzt reden wir Schwarzen» haben die Verantwortlichen der «Arena» zwei SVP-Politikerinnen und einen republikanischen Trump-Fanboy antraben lassen. Schwarze People of Colour waren zwar auch eigeladen, aber viel zu wenige und nur vermeintlich «erfolgreiche», etwa der ziemlich unpolitische Ostschweizer Comedian Kiko.

Auch hier wurde nicht darüber diskutiert, wie man das Rassismusproblem lösen will, sondern ob das Problem überhaupt existiert. «Die ganze Sendung hat mich einfach nur wütend gemacht», sagt Yonas Gebrehiwet, ehemaliger Saiten-Kolumnist und Mit-Initiant des Eritreischen Medienbundes, am Samstag an der Black Lives Matter-Demo. «Ich verstehe nicht, wie man eine Chance so dermassen verpassen kann. Die Schwarzen hätten in der ersten Reihe stehen sollen.»

Aktivismus für die kommenden Generationen

Derweil gibt Samantha Wanjiru auf dem Bärenplatz den Ton an. «Ich kann nicht atmen, bitte, Sir, bitte!» Die Initiantin der St.Galler Black Lives Matter-Demo wiederholt George Floyds letzte Worte, die Aktivistinnen recken die Faust zur Schweigeminute.

Wanjiru bedankt sich bei den Anwesenden, die gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus setzen wollen und weist noch einmal auf die Corona-Schutzmassnahmen hin. Dann setzt sich die Demo in Bewegung. Via Neugasse, Vadianplatz und Spisergasse geht es Richtung Kantipark, skandierend, singend, tanzend.

Samatha Wanjiru. (Bild: David Gregory Schmidt)

Dort wendet sich Samy alias Sooperhandz an die riesige Runde. Er ist mit seinem sechsjährigen Sohn gekommen. Aufgrund seiner Hautfarbe werde er oft schräg angeschaut im Laden – er könnte ja ein Dieb sein, erklärt er. «But I’m a king, I’m black and I’m proud! Trotzdem sehe ich keine Farben, nur Menschen – und das will ich meinem Sohn beibringen.»

Rassismus zu bekämpfen sei aber nicht die Aufgabe der nächsten Generation, sondern die der jetzigen, und das gehe nur mit Aufklärung und der Hilfe aller, sagt er. Das bedeute auch, denen, die für die Zustände verantwortlich sind, die Macht zu entreissen – so wie die Frauen in aller Welt früher und heute, die für ihre Rechte kämpfen.

Gegen die Rückkehr zur «Normalität»

Passend dazu hört man von weitem die Parolen des feministischen Sternmarschs, der mittlerweile im Stadtpark angekommen ist. Auch dort gibt es Reden und ausserdem eine Performance des queer-feministischen Kollektivs «Die Leiden der jungen Bertha*».

«Am 14. Juni 2019 sind wir hier in St.Gallen zu tausenden auf die Strasse gegangen: schweizweit eine halbe Million Menschen», erinnert Jenny Heeb in ihrer Auftaktrede. «Jetzt, ein Jähr später, gibt es immer noch vieles, wofür wir weiterkämpfen müssen. Die Frauenstreik- und Black Lives Matter-Bewegung stehen heute zusammen, um einen Teil unserer Forderungen laut sichtbar zu machen.»

Zum Beispiel die Care-Arbeit. «Während der Pandemie haben wir uns kurz wieder auf das Wesentliche konzentriert», sagt Alexandra Akeret vom VPOD: «Die Pflege und Rettung von Leben.» Jetzt gehe man wieder zurück zur «Normalität» – «doch diese wollen wir nicht mehr! Wir wollen, dass die Behörden so viel Geld für die Stärkung und Entwicklung der öffentlichen Dienste in feministischer und ökologischer Perspektive zu Verfügung stellen, wie sie für die ‹Rettung der Wirtschaft› zur Verfügung gestellt haben.» Die Krise habe deutlich gemacht, dass «Frauen drei Viertel der Angestellten in den sogenannt systemrelevanten Grundversorgungsberufen darstellen.»

Oder die Gewalt an Frauen. «Nicht immer sind Männer die Täter, nicht immer sind Frauen die Opfer, aber doch in drei Vierteln aller Fälle – das muss aufhören!», fordert Sabrina Marchetti von der Frauenstreik-Kerngruppe. Gewalt sei ein enormes gesellschaftliche Problem und auch ein Gleichstellungsproblem, darum brauche es unter anderem nationale und kantonale Kampagnen, eine finanzielle Sicherung der Frauenhäuser, gendersensible Schulen und Berufsbildungen, Gewaltprävention und einen menschenwürdigen Schutz von Frauen auf der Flucht und im Asylverfahren.

Der Applaus ist gross, es prickelt in beiden Pärken. Viele freuen sich, nach den letzten, vielfach einsamen Monaten wieder einmal zusammen auf der Strasse zu sein, sich auszutauschen, gemeinsam ein Zeichen zu setzen.

Wie nötig das auch 2020 immer noch ist, zeigten auch diverse gehässige Kommentare von shoppenden Passanten in der Innenstadt. An diesem Samstag wurden sie aber gutgelaunt rechts liegengelassen – schliesslich waren die Fortschrittlichen deutlich in der Überzahl und verfügen über frisch gestärktes Gemeinschaftsgefühl.

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
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Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von Christoph Keller,

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von Peter Surber,
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von Lilli Kim Schreiber,
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