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Hey, you do business?

Wir jugendlichen Afrikaner werden meistens als Dealer, Kriminelle oder sonst gefährliche Leute wahrgenommen. Obwohl das statistisch gesehen selten der Fall ist.
Von  Yonas Gebrehiwet
Yonas Gebrehiwet (Bild: Ladina Bischof)

Es gibt Leute, die fragen mich mitten am Bahnhof nach Drogen. Andere haben solche Angst vor mir, dass sie Umwege nehmen.

Wir jugendlichen Afrikaner werden meistens als Dealer, Kriminelle oder sonst gefährliche Leute wahrgenommen. Obwohl das statistisch gesehen selten der Fall ist. Man hat auch immer das Gefühl, dass die meisten von uns kein Deutsch können. Aus diesem Grund werden wir auch meistens mit Englisch oder «Idioten-Deutsch» angesprochen. Aber die meisten wollen sowieso nicht mit uns reden. Hier zwei Beispiele:

Ich war am Bahnhof in St.Gallen und wartete gerade auf meine Kollegen. Ein Mann kam auf mich zu und sagte: «Hey, you do business?» Er hatte eine 50er-Note in der Hand. «Wieso?», fragte ich. «Weil ich Schwarz bin?» Er lächelte mich an und sagte: «Nein, aber solche wie du haben doch immer was.» Dann war er weg.

Als ich an einem Samstag etwa um 3 Uhr morgens vom Bahnhof in Rheineck nach Hause gehen musste, war vor mir eine junge Frau. Sie war ungefähr 30 und lief in die gleiche Richtung wie ich. Irgendwann bemerkte ich, dass sie ständig nach hinten schaute, als wollte sie sehen, ob sie genug Abstand zu mir hat. Mir wurde klar, dass sie Angst hatte. Wir gingen eine Weile weiter, dann blieb sie stehen und kehrte plötzlich um. Sie machte einen kleinen Umweg und wartete, bis ich sie überholte und weit genug von ihr weg war.

Zwei Monate später geschah wieder fast dasselbe, als ich mit meinem Bruder auf dem Weg nach Hause war. Dieses Mal war es eine jüngere Frau, aber es ist die gleiche Geschichte. Und das Härteste ist, dass es an diesem Abend gerade erst 19 Uhr war. Doch scheinbar hatte auch diese Frau Angst vor uns. Sie blickte immer wieder umher und nahm den gleichen Umweg wie die andere. Wovor wollte sie weglaufen? Wieder gingen wir die gleiche Richtung. Als ich sah, wohin ihr Weg führte, wurde mir klar, dass sie die Freundin einer Bekannten von mir war. Zur Sicherheit habe ich später ihren Freund gefragt, ob sie wirklich Angst vor uns hatte. Er sagte ja.

Ich verstehe das nicht. Und ich bin nicht der einzige Schwarze, dem so etwas passiert. Nicht ein- oder zweimal, sondern ziemlich oft.

 

Yonas Gebrehiwet, 1996, ist mit 15 Jahren aus Eritrea in die Schweiz gekommen. Er wohnt in Rheineck und macht derzeit eine Ausbildung zum Textiltechnologen. Seit Frühling 2015 schreibt er monatlich die Stimmrecht-Kolumne für Saiten.

 

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