Es gibt Leute, die fragen mich mitten am Bahnhof nach Drogen. Andere haben solche Angst vor mir, dass sie Umwege nehmen.
Wir jugendlichen Afrikaner werden meistens als Dealer, Kriminelle oder sonst gefährliche Leute wahrgenommen. Obwohl das statistisch gesehen selten der Fall ist. Man hat auch immer das Gefühl, dass die meisten von uns kein Deutsch können. Aus diesem Grund werden wir auch meistens mit Englisch oder «Idioten-Deutsch» angesprochen. Aber die meisten wollen sowieso nicht mit uns reden. Hier zwei Beispiele:
Ich war am Bahnhof in St.Gallen und wartete gerade auf meine Kollegen. Ein Mann kam auf mich zu und sagte: «Hey, you do business?» Er hatte eine 50er-Note in der Hand. «Wieso?», fragte ich. «Weil ich Schwarz bin?» Er lächelte mich an und sagte: «Nein, aber solche wie du haben doch immer was.» Dann war er weg.
Als ich an einem Samstag etwa um 3 Uhr morgens vom Bahnhof in Rheineck nach Hause gehen musste, war vor mir eine junge Frau. Sie war ungefähr 30 und lief in die gleiche Richtung wie ich. Irgendwann bemerkte ich, dass sie ständig nach hinten schaute, als wollte sie sehen, ob sie genug Abstand zu mir hat. Mir wurde klar, dass sie Angst hatte. Wir gingen eine Weile weiter, dann blieb sie stehen und kehrte plötzlich um. Sie machte einen kleinen Umweg und wartete, bis ich sie überholte und weit genug von ihr weg war.
Zwei Monate später geschah wieder fast dasselbe, als ich mit meinem Bruder auf dem Weg nach Hause war. Dieses Mal war es eine jüngere Frau, aber es ist die gleiche Geschichte. Und das Härteste ist, dass es an diesem Abend gerade erst 19 Uhr war. Doch scheinbar hatte auch diese Frau Angst vor uns. Sie blickte immer wieder umher und nahm den gleichen Umweg wie die andere. Wovor wollte sie weglaufen? Wieder gingen wir die gleiche Richtung. Als ich sah, wohin ihr Weg führte, wurde mir klar, dass sie die Freundin einer Bekannten von mir war. Zur Sicherheit habe ich später ihren Freund gefragt, ob sie wirklich Angst vor uns hatte. Er sagte ja.
Ich verstehe das nicht. Und ich bin nicht der einzige Schwarze, dem so etwas passiert. Nicht ein- oder zweimal, sondern ziemlich oft.
Yonas Gebrehiwet, 1996, ist mit 15 Jahren aus Eritrea in die Schweiz gekommen. Er wohnt in Rheineck und macht derzeit eine Ausbildung zum Textiltechnologen. Seit Frühling 2015 schreibt er monatlich die Stimmrecht-Kolumne für Saiten.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.