Wie geil das war vor einem Jahr: Über 5000 Leute sind in St.Gallen auf die Strasse gegangen, landesweit über eine halbe Million! Die St.Galler Marktgasse war schon um zehn Uhr morgens pumpenvoll, das Zelt in der Mitte platzte aus allen Nähten, überall Transpis, violette Schals, Risottopfannen, Strassentheater, lautstarke Ansagen und kämpferische Laune. Nach monatelanger Vorarbeit und unzähligen ehrenamtlichen Stunden konnte er endlich beginnen, der zweite Frauenstreik in der Geschichte der Schweiz.
Heute, ein Jahr später, wäre eine solche Aktion undenkbar. Leider. Die Forderungen aber bleiben dieselben: Stopp Gewalt, Sexismus und Diskriminierung! Mehr Cash für Care (gerade auch in der Coronakrise zeigt sich, wie bitternötig diese Diskussion ist)! Gleiche Arbeit, gleicher Lohn! Eine Gesellschaft, in der das Geschlecht keine Rolle mehr spielt!
Sternmarsch zum St.Galler Stadtpark anslässlich des Frauenstreiks: 13. Juni, 14 Uhr
Startpunkte:
Corona-Disclaimer: Die Gruppen bei den Startpunkten sollen maximal 15 Personen umfassen. Falls mehr Personen vor Ort sind, in mehrere Gruppen aufteilen. Gegebenenfalls Masken tragen.
Punkt 15:24 Uhr sollte die grosse St.Galler Demo starten. Die kleine Verspätung haben wir freimütig aus unserer Erinnerung gestrichen, schliesslich war die Uhrzeit von den Organisatorinnen bewusst so gewählt: An einem normalen Lohnarbeitstag bis 17 Uhr arbeiten Frauen nämlich aufgrund des Lohnunterschieds zu Männern ab 15:24 Uhr gratis.
«Ich will mehr bekommen, als man mir anfangs versprochen hat. Ich will nicht zum Schweigen gebracht werden», schrie Schauspielerin Diana Dengler ins Megafon. «Wir Frauen waren immer schon das Geschlecht der Ausdauer, des Mutes und des Widerstands – uns blieb gar nie etwas anderes übrig. Der Feminismus ist eine Revolution. Es geht nicht um die kleinen Dinge, es geht darum, alles umzustürzen.» Der Applaus war ohrenbetäubend. Kein Wunder, so eine grosse, bunte und diverse Demo hatte St.Gallen seit Jahren nicht mehr gesehen. «Ufe mit de Frauelöhn, abe mit de Boni – «Alerta! Alerta! Antisexista!»
Mehr zum Frauenstreik auf saiten.ch und im Juniheft 2019 von Saiten.
Schöne Erinnerungen. Auch bittersüss, weil sich sooo viel seither ja nicht geändert hat. Trotzdem: Viele junge Frauen und Männer und alle dazwischen, die den ersten Frauenstreiktag 1991 nicht miterlebt haben, können hoffentlich noch lange von diesem historischen 14. Juni 2019 zehren, der in allen grossen und kleinen Städten der Schweiz für ordentlich Furore gesorgt hat – und die feministischen Kämpfe weiterführen.
Dabei helfen könnte das Buch Wir – Fotografinnen am Frauen*streik, das jetzt, ein Jahr danach im Verlag Christoph Merian erscheint. Auf Anregung der Berner Fotografin Yoshiko Kusano haben 32 Fotografinnen aus der ganzen Schweiz ihre Bilder vom Frauenstreiktag 2019 auf eine gemeinsame Plattform geladen, um sie den Medien zugänglich zu machen. St.Gallen war mit Tine Edel vertreten.
Yoshiko Kusano, Francesca Palazzi, Caroline Minjolle (Hg.): Wir – Fotografinnen am Frauenstreik, Christoph Merian Verlag, Juni 2020, 140 Seiten, Fr. 34.–
Ziel war es, den Widerstand, die Kraft und Entschlossenheit in allen Landesteilen einzufangen. Alle waren sich einig, dass dieser Tag in den Medien umfassend dokumentiert werden muss – und zwar von Frauen. Sie sprachen sich darum im Vorfeld des Streiks mit den grossen Medien ab und informierten alle, dass ihre Streikbilder über die Bildagentur Freshfocus erhältlich sein werden.
Es kam – wir müssen es leider so sagen – wie erwartet: Trotz der Abmachung, den Bildern der Streikfotografinnen den Vorzug zu geben, hantierten viele Medien mit Fotos ihrer Stammlieferanten. Die Berichterstattung erfolgte also wie- dermal vor allem aus der Sicht der Männer. Viele Bilder der Streikfotografinnen blieben unveröffentlicht. Nur konsequent also, dass sie ihre Sicht auf den Streiktag jetzt allen zugänglich machen – zu ihren eigenen Bedingungen und ergänzt mit Texten von weiteren selbstbestimmten Frauen.
Frauenstreiktag 2019, Marktgasse St.Gallen. (Bild: Tine Edel)
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.