Wer kann sich noch an den ersten Kuss erinnern? An die erste Berührung mit fremder Haut, ans leise Geflüster und die Geheimnisse? Oder an die vielen Fragen und den Moment, wo es plötzlich keine Worte mehr brauchte, um sich selber und das Gegenüber in aller Gänze zu sehen? Nach diesem Film vielleicht wieder einige mehr …
In Foudre erzählt die die Genfer Regisseurin Carmen Jaquier in starken und ansteckenden Bildern von der sexuellen Erweckung einer Gruppe Jugendlicher, insbesondere einer jungen Frau. Als Zuschauerin kommt man fast nicht drumrum, sich an die eigenen Gefühle von damals zu erinnern. Und möglicherweise ein wenig wehmütig festzustellen: Diese Zeit gibt es nur einmal im Leben.
Auf Innocentes Spuren
Hinter jedem Baum frömmelts. Hier gibt es nur Himmel, Hölle und die Feldarbeit. Doch Elisabeth, unter ständiger Beobachtung der alten und vor allem der jungen Männer im Dorf, lässt nicht locker und begibt sich auf Innocentes Spuren. Sie entdeckt ihr Geheimnis, lässt sich davon tragen und quälen und findet schliesslich mithilfe dreier Weggefährten ihren eigenen Zugang zur erkenntnisreichen Hinterlassenschaft der Schwester. So wird aus einer Gläubigen eine Spirituelle.
Foudre: ab 13. April (20 Uhr, Premiere in Anwesenheit der Regisseurin), Kinok St.Gallen
kinok.ch
Der Weg dahin ist fast so unüberwindlich wie die Bergwelt, in der dieser Film spielt. Die Dorfgesellschaft ist geprägt von Scham- und Minderwertigkeitsgefühlen. Der Glaube an Gott darf den Menschen ihre tiefste Intimität abverlangen – nicht so die Lust, die rein gar nichts darf, die nicht einmal existieren darf. Elisabeth (gross: Lilith Grasmug) und ihre Gefährten Emile (Benjamin Python), Pierrot (Noah Watzlawick) und Jospeh (Mermoz Melchior) erfahren das schmerzlich. Wobei die jungen Männer noch buchstäblich mit einem blauen Auge davonkommen, im Gegensatz zu Elisabeth.
Bogen in die Gegenwart
Carmen Jaquiers erster Spielfilm verknüpft geschickt Vergangenheit und Gegenwart. Die zeitgenössische, ebenso sinnliche wie kolossale Bildsprache von Kamerafrau Mariane Atlan, die liebevolle Ausstattung, der pointierte Soundtrack und das eindrückliche Spiel des jungen Ensembles unterstreichen diesen Bogen.
Gemeinsame Trauerarbeit: Elisabeth, Emile, Pierrot und Joseph.
Angesiedelt ist der Plot in einer historischen Zeit, weit vor der sexuellen Befreiung. Jaquier zeigt eindrücklich, wie traumatisch die Dogmen der Schamgesellschaft für die Entwicklung junger Menschen – insbesondere Frauen – sind. Wie jegliche Lust im Keim erstickt wird und sich das Schweigen von einer Generation in die nächste schleicht.
Heute mag der gesellschaftliche Umgang mit Sex und Sinnlichkeit offener sein, auf jeden Fall wortreicher, trotzdem ist die Frage, die der Film stellt, eine zeitgemässe und eine, die uns auch noch in Zukunft beschäftigen wird: Wie kommen wir zu einem aufrichtigen, zugewandten und forschungsfreudigen Lustleben?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.