Kategorie
Autor:innen
Jahr

Widerstand gegen Geflüchtete nimmt zu

Auch zwei Jahre nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine kommen viele Geflüchtete in die Schweiz. In den Gemeinden verschwindet dadurch immer mehr (günstiger) Wohnraum. Das stellt diese vor Herausforderungen. Und der Widerstand von rechts gegen Flüchtlinge nimmt wieder zu.
Von  David Gadze

Ende 2023 waren gemäss Schätzungen der UNO-Flüchtlingshilfe rund 10 Millionen Ukrainer:innen auf der Flucht vor dem Krieg (3,7 Millionen im Inland, 6,3 Millionen im Ausland). Entsprechend kommen auch zwei Jahre nach Kriegsbeginn immer noch viele Geflüchtete in die Schweiz. Das zeigt ein Blick in den Kanton St. Gallen: Im Dezember wies ihm der Bund 125 Personen aus der Ukraine zu.

Diese Zahl sei im Monatsvergleich über das ganze Jahr 2023 eher hoch, sagt Claudia Nef, Geschäftsführerin des Trägervereins Integrationsprojekte St.Gallen (TISG). Dieser erfüllt im Auftrag aller 75 Gemeinden im Kanton Aufgaben in der Unterbringung, Betreuung sowie der sozialen und beruflichen Integration von Flüchtlingen.

Keine Ausnahmen: Jede Gemeinde muss Geflüchtete aufnehmen

Jeden Tag bekommt der TISG vom Bund beziehungsweise vom kantonalen Migrationsamt eine Liste mit den zugewiesenen Personen aus der Ukraine. Diese bleiben – auch wegen der knappen Platzverhältnisse – maximal drei Wochen im Zentrum Marienburg in Thal. Aus diesem werden sie auf die Gemeinden verteilt. Die Zuweisung erfolgt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Jede Gemeinde hat ein Soll, das sie erfüllen muss.

Der TISG mache dabei keine Ausnahmen mehr, sagt Nef: «Bei einigen Gemeinden gibt es immer wieder Gründe dafür, warum die Aufnahme von Flüchtlingen genau dann trotzdem nicht möglich sein soll – auch nachvollziehbare Gründe. Es ist an den Gemeinden, Lösungen zu finden.» Jeder Gemeinde sei bekannt, ob sie im Soll liege oder nicht, folglich könne sie damit rechnen, früher oder später neue Geflüchtete zugewiesen zu bekommen.

Vielerorts wird der Wohnraum langsam knapp

Tatsache ist aber: Es wird immer schwieriger, die Menschen in den Gemeinden unterzubringen, weil vielerorts der Wohnraum knapp wird. Vor zwei Jahren seien noch insgesamt rund 5000 Menschen aus dem Flüchtlingsbereich (mit Status B, F oder N) im Kanton gewesen, sagt Nef. Heute seien es doppelt so viele, die Personen mit Schutzstatus S aus der Ukraine mitgezählt. Die Stadt St.Gallen etwa mietete rund 200 Wohnungen an, um die Geflüchteten unterzubringen; per Ende Dezember wohnten 644 Personen mit Schutzstatus S in St. Gallen. Gemeinden, in denen günstiger Wohnraum knapp sei, hätten mangels Alternativen teurere Wohnungen mieten beziehungsweise Liegenschaften kaufen müssen.

Die Situation dürfte sich jedenfalls nicht so schnell entspannen. Momentan sind beim Bund gemäss Nef rund 16’000 erstinstanzliche Asylgesuche hängig. Ein Teil dieser Personen ist in kantonalen Zentren untergebracht, ein Teil in den Zentren des Bundes.

Die SVP macht Stimmung gegen Geflüchtete 

Was leider auch auffällt: Die Stimmung gegenüber ukrainischen Geflüchteten ist inzwischen am Kippen. War die Solidarität zu Beginn des Krieges riesig, wehren sich inzwischen rechte Kreise gegen noch mehr Flüchtlinge. In Ebnat-Kappel, wo der TISG kürzlich eine neue Asylunterkunft für 120 Personen in Betrieb genommen hat, gab es massiven Widerstand aus der Bevölkerung. Es bildete sich die IG «Wi(e)r ohne Flüchtlingszentrum». Und vier Toggenburger SVP-Kantonsräte möchten nun mittels einer Petition eine Anpassung der Asylverordnung erreichen, sodass künftig der jeweilige Gemeinderat der Eröffnung einer Asylunterkunft zustimmen müsste und der Bevölkerung ein Referendum gegen diesen Entscheid offen stünde.

Dass die Schweizer Stimmbevölkerung schon mehrfach über die Flüchtlingspolitik abgestimmt hat und die Kompetenz bezüglich Zuweisung und Unterbringung von Geflüchteten von den Gemeinden an den TISG delegiert wurde, ignoriert die SVP.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
2 HR M Steine 2009 124x154 r duplex WG5 RGB

Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene

Mehr Platz für Bü­cher und Ma­te­ri­al­mus­ter

Ei­nes der vie­len Ge­bäu­de des Sit­ter­werks, die vor ge­nau 100 Jah­ren er­bau­te Schwarz­fär­be­rei, be­her­bergt heu­te die Kunst­bi­blio­thek und die Ma­te­ri­al­mus­ter­schrän­ke. Ei­ne Auf­sto­ckung soll künf­tig mehr Platz schaf­fen.

Von  René Hornung
Sittwerwerk Aufstockung Bibliothek

Sze­na­ri­en für die Vo­lie­re im St.Gal­ler Stadt­park

Noch bis in den Herbst hin­ein und auch in den zwei fol­gen­den Som­mern bleibt die Vo­lie­re im Stadt­park ei­ne Bu­vet­te. Ab 2029 wird sie zur «Mai­son des œufs», zum di­dak­ti­schen Hüh­ner­hof. Die ein­ge­reich­ten Ideen sa­hen noch ganz an­de­re Nut­zun­gen vor.

Von  René Hornung
Maison des oeufs 1

Stimm­bür­ger:in­nen ent­schei­den über Tem­po 30 auf Haupt­stras­sen

Der Streit ums St.Gal­ler Ver­bot von Tem­po 30 auf Haupt­ver­kehrs­ach­sen geht in die nächs­te Run­de: Das Re­fe­ren­dums­ko­mi­tee hat die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten ge­gen ei­ne Än­de­rung des kan­to­na­len Stras­sen­ver­kehrs­ge­set­zes ein­ge­reicht. Da­mit wird das Stimm­volk über die Fra­ge ent­schei­den. 

Von  Reto Voneschen
Tempo 30 1 reto voneschen

Kolumne: 24/7 Traumacore

He­al­ing Jour­ney von Wil nach Wie­ner Neu­stadt

Von  Mia Nägeli

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 6

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 6: «Weg­war­te 002», Sur le Lac, Win­ter­thu­rer Mu­sik­fest­wo­chen und Schloss­fest­spie­le Wer­den­berg. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Ragazzi di vita 2024

Ben­fi­ca vs FC St.Gal­len 5:0 – Wei­ter geh­t's in der Con­fe­rence Le­ague

Der FCSG kriegt beim Aus­wärts­spiel in Lis­sa­bon die Gren­zen deut­lich auf­ge­zeigt. Sie ver­lie­ren das Spiel 0:5. Da­mit geh­t's für den FCSG jetzt ge­gen She­riff Ti­ras­pol in der Con­fe­rence Le­ague wei­ter. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Bild­ge­wal­ti­ges Epos mit nach­hal­ti­gem Sei­ten­ef­fekt

No­ti­zen zu Chris­to­pher Nolans The Odys­sey

Von  Florian Vetsch
Odysseus und Athene

Vie­le For­mu­la­re, zwei Ge­sprä­che und ei­ne Power­point-Prä­sen­ta­ti­on

An­ja Braun leb­te be­reits 18 Jah­re in der Schweiz, als sie sich ge­mein­sam mit ih­rer Fa­mi­lie ent­schied, sich ein­zu­bür­gern. Es war ein lo­gi­scher Schritt. Das Ver­fah­ren war es nicht im­mer.

Von  Andi Giger
260722 illustration einbuergerung 2

Neues Buch

Zwi­schen Cha­os und Hoff­nung – La­ra Stolls Gun­ni

Von  Kathrin Reimann
215790