Ende 2023 waren gemäss Schätzungen der UNO-Flüchtlingshilfe rund 10 Millionen Ukrainer:innen auf der Flucht vor dem Krieg (3,7 Millionen im Inland, 6,3 Millionen im Ausland). Entsprechend kommen auch zwei Jahre nach Kriegsbeginn immer noch viele Geflüchtete in die Schweiz. Das zeigt ein Blick in den Kanton St. Gallen: Im Dezember wies ihm der Bund 125 Personen aus der Ukraine zu.
Diese Zahl sei im Monatsvergleich über das ganze Jahr 2023 eher hoch, sagt Claudia Nef, Geschäftsführerin des Trägervereins Integrationsprojekte St.Gallen (TISG). Dieser erfüllt im Auftrag aller 75 Gemeinden im Kanton Aufgaben in der Unterbringung, Betreuung sowie der sozialen und beruflichen Integration von Flüchtlingen.
Keine Ausnahmen: Jede Gemeinde muss Geflüchtete aufnehmen
Jeden Tag bekommt der TISG vom Bund beziehungsweise vom kantonalen Migrationsamt eine Liste mit den zugewiesenen Personen aus der Ukraine. Diese bleiben – auch wegen der knappen Platzverhältnisse – maximal drei Wochen im Zentrum Marienburg in Thal. Aus diesem werden sie auf die Gemeinden verteilt. Die Zuweisung erfolgt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl. Jede Gemeinde hat ein Soll, das sie erfüllen muss.
Der TISG mache dabei keine Ausnahmen mehr, sagt Nef: «Bei einigen Gemeinden gibt es immer wieder Gründe dafür, warum die Aufnahme von Flüchtlingen genau dann trotzdem nicht möglich sein soll – auch nachvollziehbare Gründe. Es ist an den Gemeinden, Lösungen zu finden.» Jeder Gemeinde sei bekannt, ob sie im Soll liege oder nicht, folglich könne sie damit rechnen, früher oder später neue Geflüchtete zugewiesen zu bekommen.
Vielerorts wird der Wohnraum langsam knapp
Tatsache ist aber: Es wird immer schwieriger, die Menschen in den Gemeinden unterzubringen, weil vielerorts der Wohnraum knapp wird. Vor zwei Jahren seien noch insgesamt rund 5000 Menschen aus dem Flüchtlingsbereich (mit Status B, F oder N) im Kanton gewesen, sagt Nef. Heute seien es doppelt so viele, die Personen mit Schutzstatus S aus der Ukraine mitgezählt. Die Stadt St.Gallen etwa mietete rund 200 Wohnungen an, um die Geflüchteten unterzubringen; per Ende Dezember wohnten 644 Personen mit Schutzstatus S in St. Gallen. Gemeinden, in denen günstiger Wohnraum knapp sei, hätten mangels Alternativen teurere Wohnungen mieten beziehungsweise Liegenschaften kaufen müssen.
Die Situation dürfte sich jedenfalls nicht so schnell entspannen. Momentan sind beim Bund gemäss Nef rund 16’000 erstinstanzliche Asylgesuche hängig. Ein Teil dieser Personen ist in kantonalen Zentren untergebracht, ein Teil in den Zentren des Bundes.
Die SVP macht Stimmung gegen Geflüchtete
Was leider auch auffällt: Die Stimmung gegenüber ukrainischen Geflüchteten ist inzwischen am Kippen. War die Solidarität zu Beginn des Krieges riesig, wehren sich inzwischen rechte Kreise gegen noch mehr Flüchtlinge. In Ebnat-Kappel, wo der TISG kürzlich eine neue Asylunterkunft für 120 Personen in Betrieb genommen hat, gab es massiven Widerstand aus der Bevölkerung. Es bildete sich die IG «Wi(e)r ohne Flüchtlingszentrum». Und vier Toggenburger SVP-Kantonsräte möchten nun mittels einer Petition eine Anpassung der Asylverordnung erreichen, sodass künftig der jeweilige Gemeinderat der Eröffnung einer Asylunterkunft zustimmen müsste und der Bevölkerung ein Referendum gegen diesen Entscheid offen stünde.
Dass die Schweizer Stimmbevölkerung schon mehrfach über die Flüchtlingspolitik abgestimmt hat und die Kompetenz bezüglich Zuweisung und Unterbringung von Geflüchteten von den Gemeinden an den TISG delegiert wurde, ignoriert die SVP.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch