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«Wie ein Vorfilm dessen, was auf uns zukommen könnte»

Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.

arinHungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der DienststelleUmwelt und Energie der Stadt St.Gallen. 

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Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle
Umwelt und Energie der Stadt St.Gallen. 

Sai­ten: Hit­ze­som­mer 2026: Über­wiegt bei euch die Freu­de am schö­nen Ba­de­wet­ter oder die Sor­ge ums Kli­ma?

Ka­rin Hun­ger­büh­ler: Bei mir über­wiegt die Sor­ge. Ich bin kein «Hit­ze­typ», mei­ne Wohl­fühl­tem­pe­ra­tur im Som­mer liegt bei et­wa 25 Grad. Und die Bil­der, die man En­de Ju­li, An­fang Au­gust über­all sieht, sind alar­mie­rend: aus­ge­trock­ne­te Ge­wäs­ser, brau­ne Wie­sen und Fel­der, Bäu­me mit vor­zei­ti­gem Herbst­laub, un­ter der Hit­ze lei­den­de Men­schen. Ich ha­be das Ge­fühl, die­sen Som­mer läuft ein Vor­film über das, was uns in Zu­kunft er­war­ten könn­te.

To­bi­as Fi­scher-Künz­ler: Bei mir über­wiegt eben­falls die Sor­ge. Per­sön­lich fehlt mir oft die Zeit zum Ba­den, die Hit­ze schränkt mich aber beim Sport ein und nervt mich im Gar­ten. Ein biss­chen Som­mer wä­re schön, jetzt ist es aber de­fi­ni­tiv zu viel des Gu­ten.

Wie geht ihr per­sön­lich mit der Hit­ze um?

KH: Ich pas­se den Ta­ges­ab­lauf der Hit­ze an, ver­schie­be kör­per­li­che An­stren­gun­gen auf küh­le­re Ta­ges­zei­ten, ge­he mor­gens frü­her zur Ar­beit und da­für frü­her in den Fei­er­abend, trin­ke viel und su­che Ab­küh­lung beim Schwim­men. Ich bin dank­bar, dass ich mein Ver­hal­ten so an­pas­sen kann. Das ist vom Job her nicht für al­le mög­lich.

TFK: Das Wich­tigs­te für mich ist das Durch­lüf­ten von Woh­nung und Bü­ro in der Nacht und am frü­hen Mor­gen. Mich stresst am meis­ten, wenn die Hit­ze am Nach­mit­tag so rich­tig im Haus hockt.

Es gibt je­ne, die nicht glau­ben wol­len, dass der Hit­ze­som­mer mit dem Kli­ma­wan­del zu­sam­men­hängt.

KH: Die­se Stim­men gibt es. Es stimmt zwar, dass es frü­her im­mer wie­der Hit­ze­som­mer gab. Mit dem Kli­ma­wan­del nimmt aber ih­re Häu­fig­keit und In­ten­si­tät zu. Das sa­gen nicht wir von der Stadt­ver­wal­tung, das sa­gen aus­ge­wie­se­ne In­sti­tu­tio­nen und Wis­sen­schaf­ter:in­nen welt­weit. Das sa­gen auch die of­fi­zi­el­len Kli­ma­sze­na­ri­en des Bun­des, die 2025 ak­tua­li­siert wor­den sind. Die Tem­pe­ra­tu­ren ver­än­dern sich alar­mie­rend schnell. Es ist wis­sen­schaft­lich be­legt, dass der Kli­ma­wan­del men­schen­ge­macht ist und wir uns auf die Fol­gen ein­stel­len müs­sen.

St.Galler Klimawoche und Programm Klimakino

Die drit­te St.Gal­ler Kli­ma­wo­che fin­det vom 12. bis 20. Sep­tem­ber statt. Ins­ge­samt wer­den rund 50 Ver­an­stal­tun­gen von ver­schie­dens­ten Or­ga­ni­sa­tor:in­nen durch­ge­führt. Da­zu zäh­len Work­shops, Füh­run­gen, Vor­trä­ge, zwei Märk­te so­wie die Film­rei­he «Kli­ma­Ki­no». Das Kli­ma ist das ver­bin­den­de The­ma, doch geht es um ei­ne brei­te The­men­pa­let­te von Er­näh­rung über Mo­de bis Wirt­schaft. Für vie­le Ver­an­stal­tun­gen ist ei­ne An­mel­dung er­for­der­lich. Es macht al­so Sinn, ei­nen Blick ins Pro­gramm zu wer­fen.

ge­mein­sam-wirkt.ch

 

Pro­gramm Kli­ma­ki­no

Ho­ly Shit: Do­ku­men­tar­film von Ru­bén Ab­ru­ña, an­schlies­send Ge­spräch, Sams­tag, 12. Sep­tem­ber, 11 Uhr, Ki­nok, St.Gal­len.

Ele­ments of(f) Ba­lan­ce: Do­ku­men­tar­film von Oth­mar Schmi­de­rer, an­schlies­send Ge­spräch, Mon­tag, 14. Sep­tem­ber, 19 Uhr, Gra­ben­hal­le, St.Gal­len.

Der au­to­mo­bi­le Mensch: Do­ku­men­tar­film von Rein­hard Seiss, vor­ab Vor­trag, Mitt­woch, 16. Sep­tem­ber, 18 Uhr, Ki­nok, St.Gal­len.

The Wild De­fen­dig Its­elf: Do­ku­men­tar­film von Vin­cent Verzat, an­schlies­send Ge­spräch, Don­ners­tag, 17. Sep­tem­ber, 19 Uhr, Kugl, St.Gal­len.

kli­ma­ki­no­sg.jim­do­si­te.com

Par­tei­po­li­tik macht die Su­che nach Lö­sun­gen ge­gen den Kli­ma­wan­del nicht ein­fa­cher?

KH: Ja, das ist so. Kli­ma­schutz ist kein The­ma für Par­tei­po­li­tik, es ist ei­ne ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Fra­ge. Die Po­la­ri­sie­rung hängt da­mit zu­sam­men, dass vie­le den Kli­ma­schutz mit Ver­zicht und nicht mit Chan­cen ver­bin­den. Dies, ob­wohl es für die Wirt­schaft bei­spiels­wei­se gu­te Ge­schäfts­mo­del­le gibt, die auch nach­hal­tig sind. Mit Än­de­run­gen im Le­bens­stil, in der Ge­sell­schaft und in der Wirt­schaft tun wir uns schwer. Al­le ken­nen das. Oh­ne Trans­for­ma­ti­on von Ge­sell­schaft und Wirt­schaft wer­den wir un­se­re Kli­ma­zie­le aber nicht er­rei­chen.

TFK: Be­mer­kens­wert ist, dass Per­so­nen, die den Kli­ma­schutz po­li­tisch be­kämp­fen, in ih­rem Be­ruf sehr wohl Kli­ma­ri­si­ken in ih­re Über­le­gun­gen ein­be­zie­hen: in der Land­wirt­schaft dro­hen­de Ern­te­aus­fäl­le, im Tou­ris­mus das An­stei­gen der Schnee­fall­gren­ze und der Rück­gang des Per­ma­frosts zum Bei­spiel. Das Pro­blem ist: Man schaut zu oft nur auf die Kos­ten, die heu­te durch Mass­nah­men für den Kli­ma­schutz an­fal­len, und blen­det die viel grös­se­ren Kos­ten aus, die durch den fort­schrei­ten­den Kli­ma­wan­del län­ger­fris­tig dro­hen.

Dank dem Bo­den­see fliesst das Trink­was­ser in der Stadt St.Gal­len reich­lich. Sind wir al­so beim Kli­ma­wan­del fein raus?

KH: Nicht nur der Bo­den­see, auch un­se­re Hö­hen­la­ge hilft. Da­her hat­ten wir bis­her noch nicht die Ex­trem­tem­pe­ra­tu­ren von 37 oder gar 38 Grad. Dar­aus zu schlies­sen, dass der Kli­ma­wan­del uns nichts an­geht, wä­re kom­plett falsch. Auch län­ger an­hal­ten­de Tem­pe­ra­tu­ren zwi­schen 25 und 30 Grad kön­nen schon Ge­sund­heits­pro­ble­me aus­lö­sen. Die Kli­ma­sze­na­ri­en zei­gen, dass die Schweiz ins­ge­samt stär­ker vom Kli­ma­wan­del be­trof­fen sein wird als an­de­re Län­der. Un­se­re Land­wirt­schaft lei­det schon jetzt un­ter der Dür­re. Hit­ze ist zu­dem nur ein Ex­trem, das uns droht. Ge­wit­ter­stür­me und Stark­re­gen kön­nen eben­falls mas­si­ve Schä­den an­rich­ten.

Ist der Kli­ma­wan­del über­haupt noch zu stop­pen? Müss­te heu­te die Ab­fe­de­rung der Fol­gen der Er­wär­mung für die Stadt nicht ers­te Prio­ri­tät ha­ben?

KH: Wir sind in­zwi­schen dort, wo man bei­des ma­chen muss. Kli­ma­schutz ist wei­ter un­be­dingt nö­tig, auch wenn er der­zeit manch­mal in der Dis­kus­si­on et­was ver­ges­sen geht und fast nur noch von An­pas­sun­gen an die Ver­än­de­run­gen ge­re­det wird. Der Kli­ma­schutz müss­te Prio­ri­tät ha­ben. Das sa­gen auch die Kli­ma­sze­na­ri­en des Bun­des. Es zählt je­des Zehn­tel­grad. Je­de noch so klei­ne Re­duk­ti­on des Aus­stos­ses von Kli­ma­ga­sen ist hilf­reich. Stop­pen wer­den wir den Kli­ma­wan­del nicht mehr, aber be­gren­zen kön­nen wir ihn. Und das müss­te un­ser Ziel blei­ben – als Stadt, als Land und als Welt­ge­mein­schaft.

«Kli­ma­schutz kann man nicht an die Stadt de­le­gie­ren. Nur wir al­le ge­mein­sam als Ge­sell­schaft kön­nen das schaf­fen.»

Karin Hungerbühler, Co-Leiterin der Dienststelle Umwelt und Energie der Stadt St.Gallen.

Die Stadt führt im Sep­tem­ber ei­ne Kli­ma­wo­che durch. Ist das schon ei­ne Fol­ge des Hit­ze­som­mers?

TFK (lacht): Da wä­ren wir enorm schnell! Die Kli­ma­wo­che fin­det zum drit­ten Mal statt. Sie ist Re­sul­tat von Work­shops zur Er­rei­chung der Kli­ma­neu­tra­li­tät bis 2050 mit Ver­tre­tun­gen der Be­völ­ke­rung, der Wirt­schaft, der Po­li­tik und der Ver­wal­tung. Ei­ne Fol­ge­rung war, dass wir die Kräf­te bün­deln müs­sen. Dar­aus ent­stand die On­line-Platt­form ge­mein­sam-wirkt.ch. Und der Ge­dan­ke der Ver­net­zung und Zu­sam­men­ar­beit steht auch hin­ter der Kli­ma­wo­che.

Was wird dort vom 12. bis 20. Sep­tem­ber ge­bo­ten?

TFK: Mit rund 50 Ver­an­stal­tun­gen zei­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen, Un­ter­neh­men und die Stadt, wie sie sich für den Kli­ma­schutz en­ga­gie­ren. Be­su­cher:in­nen sol­len da­zu ani­miert wer­den, sel­ber ak­tiv zu wer­den. Das An­ge­bot reicht von Work­shops über Vor­trä­ge und Fil­me bis hin zu Füh­run­gen. 

KH: Die Kli­ma­wo­che ge­hört zu den vie­len Mass­nah­men, die St.Gal­len auf Ba­sis des vor über 20 Jah­ren ge­schaf­fe­nen En­er­gie­kon­zepts 2050 er­grif­fen hat. Wir sind auf gu­tem Weg zur Kli­ma­neu­tra­li­tät und kön­nen Er­fol­ge vor­wei­sen, auch wenn wei­te­re Her­aus­for­de­run­gen war­ten. Das gilt spe­zi­ell für die Um­set­zung im Be­reich Kon­sum und Res­sour­cen. Hier kann die Stadt al­lein we­nig be­wir­ken. Sie ist auf das En­ga­ge­ment der Zi­vil­ge­sell­schaft und der Wirt­schaft an­ge­wie­sen. Kli­ma­schutz kann man nicht an die Stadt de­le­gie­ren. Nur wir al­le ge­mein­sam als Ge­sell­schaft kön­nen das schaf­fen. 

Ka­rin Hun­ger­büh­ler, 1967, ist Co-Lei­te­rin der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie der Stadt St.Gal­len. Ih­re Spe­zi­al­ge­bie­te sind Mo­bi­li­tät und Nach­hal­tig­keit.

 

To­bi­as Fi­scher-Künz­ler, 1975, ist bei Um­welt und En­er­gie zu­stän­dig für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Öf­fent­lich­keits­ar­beit. Er ist Pro­jekt­lei­ter der Kli­ma­wo­che.

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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

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Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover