Die Jazztage Lichtensteig sind eine feste Grösse in der Ostschweizer Festival-Szene. Auch dieses Jahr werden sich wohl wieder an die 5000 Besucherinnen und Besucher durch die Gässchen der denkmalgeschützten Altstadt drängen, um sich von einem internationalen Mix aus Pop, Rock, Soul und natürlich auch Blues und Jazz inspirieren zu lassen.
«Ja, der Name. Eigentlich müssten wir uns umbenennen», lacht Raphael Gygax, Präsident des Organisationskomitees. «Aber er ist über die letzten 31 Jahre zu einer Marke geworden.» Bei der Gründung spielte tatsächlich noch Jazz die Hauptrolle. Aber seit 1989 hat sich die Musikwelt genau so wie die Zuschauerschaft gewandelt. Und die Besucherinnen und Besucher der Jazztage sind immer jünger geworden.
Ironischerweise dürfte eine Gruppe eher älterer Herren aber der Grund dafür sein, dass dieses Jahr die preisreduzierten «Early Bird»-Tickets innert weniger Stunden ausverkauft waren: Mit Niedeckens BAP erfüllt sich Programmchef Geni Scherrer einen über Jahre gehegten Wunsch.
Jazztage: 9. bis 11. August, Lichtensteig
jazztage-lichtensteig.ch
Zum Altherrenanlass werden die diesjährigen Jazztage aber trotzdem nicht mutieren. Auf acht Bühnen spielen unter anderem Baschi, Marc Sway und als Headliner für Samstagabend Lo & Leduc, gesamthaft werden rund 26 Formationen auftreten. Ganz so genau sagen kann man das nie, denn der Jazz spielt weiterhin eine wichtige Rolle in Lichtensteig, so dass sich Musikerinnen und Musiker oft spontan zu neuen Gruppen verbinden oder bei Gigs für eine Kollegin einspringen.
Malamanera spielen am Samstagabend im Elchzelt.
Und das ist auch das Besondere an den Jazztagen – für die Musiker wie für die Zuschauerinnen ist es mehr ein jährliches gemütliches Wiedersehen als ein anonymer Anlass. Langjährige Festivalgänger haben oft ihre Lieblingsplätze. Manche verbringen das ganze Openair ausschliesslich im Elchzelt, andere stehen zwei Nächte lang unter den Arkaden vor der Hauptbühne, wieder andere haben ihre vordefinierten Routen durch Lichtensteig, um es auch ja rechtzeitig zur traditionellen Jamsession im Café Huber zu schaffen.
Kurz: Man weiss, an welcher Location sich wer herumtreiben wird. Und die abschliessende Matinee am Sonntagmorgen ist längst zum Treffpunkt des hartgesottenen Jazztage-Kerns geworden, wo man bei Bratwurst und Kaffee (und dem einen oder anderen Konter-Bier) die letzten Tage Revue passieren lässt.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
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