Wie bewerben sich eigentlich Künstler?
Offenbar so, wie wir es auch tun, wenn wir einen Job suchen: Motivationsschreiben, Lebenslauf, Arbeitsproben. Letztere sind bei Kunstschaffenden natürlich das Wichtigste und werden entsprechend inszeniert.
In den Bewerbungsdossiers der über 400 Malerinnen, Bildhauer, Fotografinnen sowie Video-, Aktions- und Installationskünstler, die am «Heimspiel 2016» ausstellen wollten, kann man nun ungestraft wühlen: Sie sind noch bis am 21. Februar im Kunstraum Nextex am Blumenbergplatz ausgestellt. Die meisten davon haben allerdings eine Absage erhalten haben. Nur 76 haben es ans Heimspiel in den offiziellen Ausstellungsräumen in St.Gallen und Vaduz geschafft.
Einsicht in den Untergrund
Das macht die Sache aber nicht weniger spannend: Scheitern gehört in diesen Tagen ja zum guten Ton. Zudem zeigen die Bewerbungen die erstaunliche Vielfalt, die im (künstlerischen) Untergrund gedeiht: Viele völlig unbekannte Namen, besessene Autodidakten, schräge Biographien. Postbeamte, die im Keller zu malen beginnen. Ärztinnen, die in ihrer Freizeit täuschend echte Lebensmittel lismen. Kunststudis, die mit ihrer Kamera Details des Alltags dokumentieren. Büezer, die von Job zu Job driften, um genug Zeit für ihre Skulpturen zu haben. Aufwendig gestaltete Fotobücher stehen da neben zerfledderten Plastikmäppchen, Schräges trifft auf Liebliches, Herausragendes auf Fragwürdiges.
Daneben finden sich natürlich viele Dossiers mit grossen Namen, Möslang, Bischof, Tagwerker, Manon, aber die langweilen eher angesichts der unverbrauchten Herzblut-Kunst von künstlerischen Underdogs. Und wer weiss, vielleicht macht man hier ja eine echte Entdeckung – die meisten grossen Künstler haben klein angefangen.
Ausstellung und Vernetzung
Empfohlen ist für einen Besuch der Donnerstagabend: Dann gibts Suppe, Wein und Bier, serviert von jeweils wechselnden Kunstschaffenden und Kulturwerkern, die hinter der Bar stehen. Nextex wird so auch zu einer Vernetzungsplattform, wo sich Kunstschaffende aus verschiedenen Sparten und Interessierte treffen können.
Mitbringen: Hunger und gute Laune. Und genug Zeit zum Stöbern.
Heimspiel 2015: noch bis 21. Februar 2016. Öffnungszeiten des Nextex während des Heimspiels: Dienstag, Samstag und Sonntag, 13 – 17 Uhr, Donnerstag, 13 – 22 Uhr
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache
Historische Überlieferungen sagen oft mehr über die Geisteshaltung der Verfasser aus als über geschichtliche Tatsachen. Was lässt sich also gesichert über die historische Person Wiborada sagen? Eine quellenkritische Spurensuche.
Ein Jahrhundert nach Thomas Manns Roman greifen Karl Kave & Durian das Motiv neu auf und erzählen mit Zauberberg ein vielschichtiges Konzeptalbum über Pflege, Perspektiven und gut betuchte Damen.
Paris, New York, Shanghai, Ittingen: Mit Fabrice Hyber gastiert mal wieder ein international renommierter Künstler im Kunstmuseum Thurgau. Eine Begegnung.