Zeichen im Raum

Die Galerie Art d'Osera in Balgach zeigt Skulpturen und Werke des Rheintaler Künstlers Peter Federer. Saiten war an der Vernissage.

Eine Eisenplastik von Peter Federer. (Bilder: Shqipton Rexhaj)

Pe­ter Fe­de­rer ge­hört zu den prä­gen­den Fi­gu­ren der Rhein­ta­ler Kul­tur­sze­ne. Ei­ner, der nicht laut ge­wor­den ist, um ge­hört zu wer­den, son­dern ei­ner, der ge­ar­bei­tet hat. Über Jahr­zehn­te. Kon­se­quent. Un­be­irrt. Ein Ma­cher, wie ihn sein lang­jäh­ri­ger Weg­be­glei­ter Urs Sie­ber in sei­ner Lau­da­tio nennt.

Sei­ne Ar­bei­ten be­gin­nen nicht bei der Idee. Sie be­gin­nen im Ma­te­ri­al. Ei­sen, das Wi­der­stand leis­tet. Das kei­ne Ab­kür­zun­gen zu­lässt. Je­der Ein­griff ist sicht­bar, je­de Ent­schei­dung bleibt. Die­se Klar­heit zieht sich durch sein ge­sam­tes Werk. Wer mit Ei­sen ar­bei­tet, kann nichts ver­ste­cken. Je­de Form ist ei­ne Ent­schei­dung.

Er kommt aus dem Hand­werk. Me­tall­bau­schlos­ser. Schmie­de. Hit­ze, Lärm, Ge­wicht. Der Ham­mer trifft das Ma­te­ri­al. Nicht, um zu ver­schö­nern, son­dern um et­was fest­zu­le­gen. Je­der Schlag ver­än­dert. Es gibt kei­nen Rück­weg.

Das Werk im Wan­del

Frü­he Ar­bei­ten sind mas­siv. Kör­per­lich. Schwer. Ar­bei­ten, die Raum be­set­zen. Doch er bleibt nicht dort ste­hen. Über Jah­re re­du­ziert er. Nimmt weg. Ver­dich­tet. Das Vo­lu­men tritt zu­rück. Was bleibt, ist Li­nie. Span­nung. Raum.

Es ent­ste­hen Zei­chen. «Raum Zei­chen», «Stab Zei­chen», «Wind Zei­chen». Kei­ne Er­klä­run­gen, kei­ne Ge­schich­ten. Ar­bei­ten, die ste­hen. Der Kör­per ist nicht sicht­bar, aber spür­bar. In der Hal­tung. Im Gleich­ge­wicht. Im Wi­der­stand.

Par­al­lel da­zu ent­ste­hen Zeich­nun­gen. Leicht, tas­tend, prä­zi­se. Kein Ne­ben­pro­dukt. Ein zwei­ter Raum. Dort wird ge­prüft, was im Ma­te­ri­al be­stehen muss. Li­nie wird Ge­dan­ke, Ge­dan­ke wird Form.

Die Aus­stel­lung «Zei­chen set­zen» in der Ga­le­rie Art d’Osé­ra in Bal­gach bringt die­se Ar­bei­ten zu­sam­men. Rund 45 Fi­gu­ren, da­zu Zeich­nun­gen aus meh­re­ren Jahr­zehn­ten. Kein klas­si­scher Rück­blick. Eher ein Zu­sam­men­zie­hen. Man sieht, was bleibt, wenn je­mand nicht aus­weicht.

Hielt sich an der Vernissage eher im Hintergrund – auch aus gesundheitlichen Gründen: Peter Federer (Bildmitte, mit schwarzem Hut) im Gespräch mit einer Besucherin.

Der Ort ist Teil da­von. Art d’Osé­ra war über Jah­re im Rhein­tal prä­sent, wur­de wei­ter­ge­führt und steht heu­te in Bal­gach. Be­trie­ben und ku­ra­tiert von Pe­ter Ho­fer, der den Raum als Platt­form für zeit­ge­nös­si­sche Kunst, Mu­sik und Be­geg­nung führt. Zwei Ebe­nen, un­ten der Kel­ler, oben der Raum. Of­fen, di­rekt. Acht Aus­stel­lun­gen im Jahr, da­zu Jazz und Ver­an­stal­tun­gen. Ein Ort, der funk­tio­niert und sich als fes­ter Be­stand­teil der re­gio­na­len Kul­tur­land­schaft ver­steht.

An die­sem Abend ist der Raum voll. Stim­men über­la­gern sich, Glä­ser stos­sen an, Hän­de wer­den ge­schüt­telt. Freun­de, Weg­be­glei­ter, Künst­ler­kol­le­gen, Fa­mi­lie. Vie­le ken­nen sich. Es ist kein di­stan­zier­tes Pu­bli­kum.

Und mit­ten­drin die Ar­bei­ten.

Sie grei­fen nicht ein. Und doch ver­än­dern sie den Raum. Ge­sprä­che bre­chen ab, Bli­cke blei­ben hän­gen. Man geht wei­ter, kommt zu­rück, schaut noch ein­mal. Un­ten im Kel­ler wird es ru­hi­ger. Die Schrit­te lang­sa­mer. Die Ar­bei­ten ste­hen frei­er, schwe­rer. Oben bleibt Be­we­gung.

Le­bens­werk mit Hal­tung

Urs Sie­ber kennt die­sen Weg seit Jahr­zehn­ten. Er tritt nach vor­ne. Sei­ne Wor­te blei­ben nah an der Ar­beit. Er spricht vom Ar­bei­ten. Vom Dran­blei­ben. Von der Kon­se­quenz. Da­von, dass nie der Um­weg über Trends ge­sucht wur­de. Dass es di­rekt ge­blie­ben ist.

Er nennt ihn in sei­ner Lau­da­tio ei­nen Ma­cher.

Und er spricht von die­ser Aus­stel­lung als letz­ter Ein­zel­aus­stel­lung des Künst­lers.

Ein Buch über sein Le­bens­werk ist gleich­zei­tig mit der Ver­nis­sa­ge er­schie­nen. Her­aus­ge­ge­ben im Um­feld der Aus­stel­lung, ge­tra­gen von Stim­men aus der Re­gi­on, die die­se Ar­beit über Jah­re be­glei­tet ha­ben. Kein klas­si­scher Ka­ta­log, son­dern ei­ne An­nä­he­rung an ein Le­bens­werk, das eng mit dem Rhein­tal ver­bun­den ist.

Die­ser Abend mar­kiert kei­nen lau­ten Schluss.

Er ist die Wür­di­gung ei­nes Le­bens­werks von Pe­ter Fe­de­rer.

Ei­nes, das sich sei­nen Raum er­ar­bei­tet hat. Über Jah­re. Durch Ar­beit. Durch Hal­tung.

«Zei­che-set­zen»: Aus­stel­lung mit Wer­ken von Pe­ter Fe­de­rer, bis 12. April, sams­tags und sonn­tags 14 bis 18 Uhr, Art d'O­se­ra (hin­ter dem Res­au­tant Bad Bal­gach), Bal­gach

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