Die Ittinger Pfingstkonzerte (17. bis 20. Mai) erzählen Geschichten. Die Geschichten ihrer Komponisten und Interpreten, diesmal aber auch Geschichten von Erinnerung und Abschied. Eine Vorschau von Brigitta Hochuli.
Was die künstlerischen Leiter Heinz Holliger und András Schiff seit 19 Jahren jeweils über Pfingsten in Ittingen zusammenfügen, hat internationales Format und kombiniert in immer neuer Brisanz neue und alte Musik. Und mehr als das: Die Konzertprogramme stellen selber eigentliche Kompositionen dar.
«Les Adieux»
«Erinnerung an Bekanntes und Unbekanntes, Erinnerung und Abschied» – das diesjährige Motto hat unter anderem mit dem Pianisten András Schiff zu tun, der zum letzten Mal dabei ist. Nach 19 Jahren Ittingen und seinem 60. Geburtstag habe Schiff eine Arbeits-Auszeit verdient; «neue Ideen entwickeln sich ja erst, wenn etwas abgeschlossen ist», meinte dazu an der Programm-Medienkonferenz Jürg Hochuli, Konzertveranstalter und Schiffs Musikagent. Wie es 2014 weiter gehe, darüber sei man mit Heinz Holliger im Gespräch und werde im Sommer darüber berichten.
Erinnerung und Abschied zelebrieren die Freunde Holliger (Oboe) und Schiff (Klavier) unter anderem im gemeinsamen Abschlusskonzert (20.Mai, 11.30 Uhr) mit Mozarts Quintett Es-Dur für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott KV 452. Für Erich Singer, den Programmbuch-Redaktor, ist daneben das Konzert in der Klosterkirche (19.Mai, 22.15 Uhr) die Perle des Programms. Und zwar nicht nur, weil es sich der Vanitas im Frankreich und Deutschland des 17. Jahrhunderts widmet, sondern auch, weil Cembalist Andreas Staier das Cembaolo eigenhändig zusammen mit den Spezialisten ab Werkstatt im deutschen Breisgau bis nach Ittingen vorbereitet, pflegt und transportiert. Auch Beethovens berühmte Sonate «Les Adieux» darf im diesjährigen Ittinger Zyklus nicht fehlen.
Nur in Ittingen zu hören
Ansonsten sind Schwerpunkte der Konzerte die 100. Geburtstage des Polen Witold Lutosławski (1913-1994) und des Engländers Benjamin Britten (1913-1976). Lutosławskis Trauermusik für Streichorchester in memoriam Béla Bartók wird vom eigens für Ittingen zusammengestellten kleinen Orchester gespielt. Von Britten erklingen unter anderem die Third Suite for Cello op. 87 (Solist Miklós Perényi), das Streichquartett Nr. 3 und die Temporal Variations für Oboe und Klavier (mit Schiff und Holliger).
Passend zur aktuellen Sammlungsausstellung des Kunstmuseums Thurgau in Ittingen werden ansonsten im Konzertprogramm sogenannt randständige oder vergessene Komponisten wie Louis Spohr (1784-1859), Ludwig Schuncke (1810-1834), William Sterndale Bennett (1816-1875) oder André Caplet (1878-1925) gespielt. Es sei typisch für Ittingen, dass hier Werke einstudiert würden, die sonst nirgends zu hören seien, sagen Singer und Hochuli. Typisch sei auch immer wieder das Spannungsfeld zwischen alter und neuer Musik, das «Gegenwärtige im Spiegel des Tradierten».
Die Konzerte vom Sonntag, 19.5, 18 Uhr, und Montag, 20.5., 11.30 Uhr, sind ausverkauft. Für alle anderen Konzerte sind Karten zu haben. www.kartause.ch.
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