Schroffe Riffs, schnelle Rhythmen, schiefer Gesang: Die St.Galler Band Bear Pit hat sich in den vergangenen Jahren mit ihrer unverwechselbaren Mischung aus Deutsch-, Skate- und Oi!-Punk einen Platz in der an Punkbands nicht sehr reichen Szene erkämpft. Nun veröffentlicht das Quartett seine neuen EP Bluet und Sege, die am Samstag in Schwarzen Engel getauft wird.
Im Vergleich zum 2019 veröffentlichen Debüt Oi!topie machen Bear Pit einen Gump nach vorne. Die auffälligste Veränderung ist die Sprache: Wie bereits auf dem vor einem Jahr veröffentlichten Track Beizetime (und live schon länger) singen Bear Pit jetzt auf Mundart. «Das ist einfach ehrlicher und unsere Botschaften kommen besser rüber», sagt Schlagzeuger Marius Hehli. Zudem funktioniere der St.Galler Dialekt inzwischen auch ausserhalb der Ostschweiz ganz gut. So sei es in der Berner Punkszene inzwischen ein Running Gag, ihren Bandnamen liebevoll im breitesten Sanggallerdüütsch auszusprechen – «Bääopit».
Musikalisch und textlich gereift
Die vier Musiker sind nicht nur musikalisch, sondern auch textlich gereift. «Früher war unsere Musik vor allem ‹Bierpunk›, es ging um Partymachen und ums Saufen», sagt Hehli. Inzwischen seien ihnen persönlichere Texte wichtig. «Es steckt viel Reflexion über uns und unsere Leben in den Songs.» Die Mittzwanziger:innen seien jetzt in einer Phase zwischen Aufbruch und Ziellosigkeit, getrieben von der Frage, wohin das Leben sie führen wird.
Solche Überlegungen finden sich beispielhaft in Stürmisches Wasser, Mit Q-Anal, einem schon etwas älteren Song, liefern sie auch den obligaten «Afigg-Song», wie es Hehli nennt.
Man findet aber auch sozialkritische Texte. «Traumlos, bedütigslos, hoffnigslos, gedankelos – was bisch du hüt bloss losworde?», heisst es etwa im Titelstück, einen Song über das Aufgeben und Aufstehen.
Druckvoll und kurzweilig
Bluet und Sege ist kurz – insgesamt knapp 15 Minuten –, aber auch kurzweilig. Und die Musik hat ordentlich Wumms. Die Songs klingen druckvoll und verlieren kaum Energie, weil die Produktion alles andere als schmalbrüstig ist. Was umso überraschender ist, da Bear Pit die EP in bester Do-it-yourself-Manier in ihrem Proberaum selber aufgenommen haben. Nur das Mischen und Mastern überliessen sie einem Kollegen. Dennoch: Bluet und Sege klingt schön roh und dahingerotzt. Dass nicht jedes Riff perfekt gespielt ist und nicht jeder Ton sitzt, macht die Platte authentisch.
Dass es «nur» eine EP mit fünf Songs geworden ist, sei zum einen der Tatsache geschuldet, dass Musiker:innen in Zeiten von Streaming öfter neues Material nachliefern müssten, um nicht der Kurzlebigkeit zum Opfer zu fallen, sagt Hehli. «Zum anderen hatten wir fünf geile Songs und wollten uns lieber Zeit nehmen, um an ihnen zu arbeiten, als nochmal fünf halbgare Songs zu schreiben.»
Jetzt, wo die EP erschienen ist, schauen Bear Pit bereits wieder nach vorne. Neues Material ist im Bärengraben bereits am Entstehen und könnte allenfalls noch dieses Jahr in Form einer weiteren EP das Licht der Welt erblicken.
Bear Pit – Bluet und Sege ist ab heute auf den gängigen Streamingplattformen sowie in einer auf 50 Stück limitierten Ausgabe auf CD erhätlich.
Live: 6. April, 20 Uhr, Schwarzer Engel St.Gallen. Support: Infective
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