Umwelt-Offensive aus Vorarlberg. Der grüne Landratsabgeordnete Johannes Rauch will die Fracking-Pläne am Bodensee aus der Welt schaffen und fordert die Landesregierung in Bregenz auf, Druck auf die Schweiz auszuüben.
Rauch will wissen, ob die Regierung durch die Schweiz, insbesondere den Kanton St.Gallen, über Fracking-Pläne privater Firmen zur Gewinnung von Schiefergas informiert worden sei. «Während in Deutschland zumindest in Trinkwasserschongebieten Fracking generell verboten werden soll, sind die Schweizer wesentlich offensiver: Im benachbarten Kanton St.Gallen sollen bereits im Herbst 2013 konkrete Probebohrungen stattfinden, weil grosse Mengen an förderbarem Fracking-Gas vermutet werden», schreibt der Grüne in seiner Regierungsanfrage.
Beim Fracking handelt es sich um eine stark umweltbelastende Methode, mittels Tiefbohrungen und Chemikalien Erdgas aus undurchlässigem Gestein tief unter der Erde zu gewinnen. Die Aktiengesellschaft für schweizerisches Erdöl (SEAG) plane ab kommendem Herbst eine «Kampagne in der Ostschweiz» heisst es in den Vorarlberger Nachrichten vom 16. April 2013. Dabei wird der Geschäftsführer der SEAG, Conrad Frey, zitiert, der auf eine «Ausbeutungskonzession» pocht, falls man bei den Bohrungen, für die über fünfzehn Millionen Franken investiert werden sollen, auch fündig werde.
Am Fracking-Gas am Bodensee sind mehrere Unternehmen interessiert. Im Jahr 2009 hat bereits die in Dublin ansässige Firma Parkyn Energie Germany in Baden-Württemberg zwei Konzessionen für die Erkundung unkonventioneller Erdgasvorkommen in der Bodenseeregion erworben, die Ende 2012 ausgelaufen sind und keine Bohrgenehmigung enthielten. Die Iren haben nun einen Antrag auf Verlängerung der Konzessionen und die Erteilung einer Bohrerlaubnis gestellt. In Deutschland gilt aber inzwischen generell ein Fracking-Verbot in Trinkwasserschutzgebieten. Der Bodensee versorgt rund fünf Millionen Menschen mit Trinkwasser.
Der Bundesrat beantwortete anfangs März eine Parlamentarische Anfrage wegen der Fracking-Pläne am Bodensee skeptisch und wies darauf hin, dass die Kantone für Bewilligung der Fracking-Technologie bei der Gewinnung von Schiefergas zuständig seien. Für Verbote fehle vorderhand die Rechtsgrundlage noch. St.Gallen und Thurgau planen jetzt entsprechende Fracking-Gesetze. Die Internationale Bodenseekonferenz IBK hat sich mit den Fracking-Plänen ebenfalls befasst und wegen des grossen Risikos für das Trinkwasser ablehnend geäussert. In den USA und in Norddeutschland, wo mittels Fracking bereits Erdgas gewonnen worden ist, kam es zu Grundwasserverunreinigungen mit Quecksilber und Benzol. Der Kanton Fribourg und verschiedene europäische Länder haben die umweltgefährdende Fördertechnologie bereits verboten.
Dass die SEAG jetzt so rasch zum Zuge kommen soll, wie ihr Geschäftsführer in den Vorarlberger Nachrichten behauptet, ist eher unwahrscheinlich. Die Firma hat zwar seit 1957 eine Schürf- und Ausbeutungskonzession für Erdöl und Erdgas. Sie läuft aber Ende dieses Jahres aus. Das vorliegende Verlängerungsgesuch wird nicht so schlank über die Bühne gehen. Bohrungen und Grabungen zur Erkundung des Untergrundes und zur Nutzung der Erdwärme respektive für den Abbau von Bodenschätzen, sollen künftig auch in der Schweiz geregelt werden, wo ein bis anhin eigentliches Bergbaugesetz noch fehlt.
So ganz traut der Vorarlberger Politiker Rauch der Sache aber noch nicht und will von der Landesregierung wissen: Muss Vorarlberg machtlos zuschauen wenn das Trinkwasser gefährdet wird?
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