Die gestalterische Weiterbildung ist mit der Fachrichtung Bildende Kunst die einzige Möglichkeit in der Ostschweiz, sich zur Künstlerin oder zum Künstler ausbilden zu lassen. Mit dem Start 2010 hat sich für viele ein Herzenswunsch erfüllt. Vor allem die lokale Kunstszene forderte die Realisation einer Kunstausbildung in St.Gallen (und hat das Thema anlässlich der Diskussionen um das städtische Kulturkonzept erneut vorgebracht).
Bildung für die Kunst müsse her, weil Kunst wichtig ist, weil sie die Gesellschaft herausfordert. Sie ist ein Mittel zur subversiven Kommunikation. Sie lässt Bewegung entstehen, statt Stillstand zu dulden. Und das Kommunizieren, das Wie, will gelernt sein.
Mut zum Unbekannten
«Vielleicht macht man auch Sachen, die man im ersten Moment nicht so gut findet.» Thomas Stüssi, Bildender Künstler und seit 2017 Leiter des Studiengangs, spricht aus Erfahrung. Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein und sich zu überwinden, gehört zum künstlerischen Prozess. Entgegen den Erwartungen sind es oftmals genau die schwierigsten Anstrengungen, die die eigene Arbeit bereichern und die Weiterentwicklung forcieren. Der 41-jährige Teufner hat in Berlin an der Kunsthochschule Weissensee studiert. «Ideal sind Bewerberinnen und Bewerber, die schon eine eigene künstlerische Praxis entwickelt haben, aber eine Weiterentwicklung anstreben und eine Erweiterung ihrer Arbeitsweise zulassen wollen.»
Studiengangsleiter Thomas Stüssi. (Bild: pd)
Zu den Neuerungen des Lehrgangs gehört die Aufstockung der Anzahl Werkschauen. Sechs Ausstellungen statt bisher zwei werden in gemeinsamer Planung von den Studierenden organisiert und realisiert. Diese stellen alle vor ganz spezifische Herausforderungen. Thomas Stüssi kennt die Schwierigkeiten gut: «Viele haben Hemmungen, auch nur eigene Bekannte einzuladen. Wenn man das einige Male gemacht hat, sich überwindet, dann wird man sicherer und lernt, dass das Ausstellen und Sich-Zeigen zum Künstlerberuf dazugehört.»
Im Studium wird neben praxisorientierten Modulen auch Theorie gelehrt. «Ich persönlich glaube nicht, dass es Kunst ganz ohne Theorie gibt. Aber ich kenne den Prozess der theoretischen Aneignung, der teilweise blutleer, schwer ertragbar und nahezu unverständlich daherkommt. Aber um etwas Starkes zu schaffen, braucht es beides.» Theorie könne Orientierung und Halt bieten, sagt Stüssi, es finde sich für jedwede Kunst irgendwo eine Referenz. Tatsächlich etwas selbst erfunden zu haben, komme eigentlich sehr selten vor.
Für seine architektonisch-physikalisch inspirierte Kunst betreibt Thomas Stüssi selber im Vorfeld Recherchearbeit und nutzt wissenschaftstheoretische Abhandlungen oder physikalische Theorien zur Ausübung der Praxis. Andere würden völlig aus dem Bauch heraus arbeiten. Beide Arbeitsweisen sind individuelle Entscheidungen und Wege, es gibt kein Richtig oder Falsch, sagt er.
Ja zur Region
Ob es der Wunsch nach individueller Weiterentwicklung oder der nach einem Quereinstieg ist: Gründe, in St.Gallen Kunst zu studieren, gibt es viele. Die höhere Fachschule bietet eine duale Kulturbildung, gegründet auf Beruf und Studium. Kathrin Lettner, die Leiterin der Weiterbildungsgänge an der Schule für Gestaltung, sieht die Existenzberechtigung der Ausbildung wie folgt: «Bildende Kunst braucht es immer und besonders in Zeiten wie diesen, wo Kreativität eine der grossen Chancen für gesellschaftliche Veränderung sein sollte. St.Gallen war und ist ein spezieller Ort, es gibt eine lebendige Kunstszene, deswegen ist eine Kunstausbildung – nicht auf universitärem, sondern auf dem Niveau einer Höheren Fachschule – genau richtig hier.»
Weitere Infos: gbssg.ch
Mit der neuen Option, jährlich in die Kunstklasse einsteigen zu können, wurde eine zeitgemässere Lösung geschaffen. Die Leute wollen nicht mehr warten, bis der nächste Lehrgang startet. Und zur Vernetzung trägt bei, dass die Zahl von Unterrichtenden aus der Region vergrössert wurde: Künstlerinnen und Künstler wie Gilgi Guggenheim, Alex Hanimann, Anita Zimmermann, Nora Rekade, Andrea Vogel oder Michael Bodenmann sind als Dozenten dabei.
Sechs Semester dauert der Lehrgang, unterrichtet wird berufsbegleitend freitags und samstags sowie in Blockwochen. Die Ausschreibung läuft, nun steht dem Gang ins Kollektivatelier im Schulhaus Bild nichts mehr im Weg. Die Studierenden haben in der Werkstatt die Freiheit, eigenständig zu schaffen, Werkzeuge und Maschinen zu nutzen, und sie können die Arbeiten auch stehen lassen. Der Schlüssel zum Atelier garantiert jederzeit Zutritt – die Inspiration kennt schliesslich keine Uhrzeit.
Der Vorkurs für Erwachsene soll wieder über 13'000 Franken kosten. Das ist keine Sparmassnahme, sondern ein Beispiel für den Standortnachtteil St.Gallen.
Die Entlassung von Thomas Gerig, Abteilungsleiter der Schule für Gestaltung, ist der vorläufige Höhepunkt im Machtkampf um die SfG. Seine Ehemaligen setzten deshalb am Donnerstag mehr als nur ein Zeichen für «ihren» Krawattenträger.
In der Ausstellung «Smile maniacally we’re alive» verbindet Jala Wahid scheinbar getrennte Welten. Sie schlägt darin eine Brücke zwischen Erinnerung, Emotion, Wissenschaft und Politik.
Die erneuten Sparvorschläge der St.Galler Regierung stossen auf breite Ablehnung. Die Kulturszene solidarisiert sich gegen die Abbaupläne. Die Kulturlobby hat sich in Stellung gebracht. Obs hilft?
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
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Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
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Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.