Der Vorkurs für Erwachsene soll wieder über 13'000 Franken kosten. Das ist keine Sparmassnahme, sondern ein Beispiel für den Standortnachtteil St.Gallen.
Bis 2012 kosteten die Schulgebühren für den gestalterischen Vorkurs für Erwachsene 13’800 Franken. Angeboten wird die Ausbildung vom Berufs- und Weiterbildungszentrum (GBS) im Riethüsli.
Dann kam 2012 ein Urteil des Verwaltungsgerichts.
Eltern einer Absolventin hatten gegen das hohe Schulgeld geklagt. Begründung: Es handle sich dabei um eine Erst- und nicht um eine Weiterbildung. Tatsächlich verlangen die Fachhochschulen für Gestaltung, Kunst und Design einen absolvierten Vorkurs vor dem Studium. Das Verwaltungsgericht gab den Eltern teilweise recht. Es bestätigte, dass es sich um eine Erstausbildung handle und dass damit die gesetzliche Grundlage für das hohe Schulgeld fehle.
Seit 2012 ist die Ausbildung deshalb kostenlos.
Wie im Kanton St.Gallen nicht anders zu erwarten, soll dieser Zustand möglichst schnell beendet werden.
Die St.Galler Regierung hat eine Gesetzesvorlage samt Vollkostenrechnung präsentiert. Der ganze Betrag soll überwälzt werden. Bei 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmern würden die Gebühren 13’600 Franken betragen, wären es nur 16, müssten je 15’300 Franken bezahlt werden. Das sei vergleichbar mit der Ausgangslage im Kanton Zürich, schreibt die Regierung.
Das stimmt zwar. Doch es gibt auch andere Beispiele:
Für den gleiche Vorkurs in Luzern zahlen die Absolventen aus der Zentralschweiz lediglich 1600 Franken. Alle anderen aber 16’100 Franken. Der Grund: Mit einer Vereinbarung werden die Absolventen aus den Vertragskantonen bevorteilt.
Das macht auch Basel-Stadt so: Wer aus Basel, Basel-Land, Solothurn oder Fribourg kommt, zahlt bloss 1200 Franken.
Womit wir beim Thema Standortnachteil St.Gallen wären.
Es sind keine Vergünstigungen für Absolventinnen und Absolventen aus dem Kanton St.Gallen vorgesehen.
Sie müssen den vollen Betrag zahlen.
Anders sieht es aus, wenn man in Ausserroden wohnt. Dann ist es viel weniger. Der Halbkanton übernahm nämlich bisher 60 Prozent der Schulkosten.
Praktisch, wenn man beispielsweise in Teufen wohnt…
Gegen die St.Galler Schulgelder «nur für Reiche» gibt es nun Proteste. Unter http://pro-propaedeutikum.ch werde Unterschriften für eine Online-Petition gesammelt.
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache
Historische Überlieferungen sagen oft mehr über die Geisteshaltung der Verfasser aus als über geschichtliche Tatsachen. Was lässt sich also gesichert über die historische Person Wiborada sagen? Eine quellenkritische Spurensuche.
Ein Jahrhundert nach Thomas Manns Roman greifen Karl Kave & Durian das Motiv neu auf und erzählen mit Zauberberg ein vielschichtiges Konzeptalbum über Pflege, Perspektiven und gut betuchte Damen.
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