Es gebe einen doppelten Grund zum Feiern, sagt Hella Immler, Tänzerin, Produktionsleiterin und zusammen mit dem künstlerischen Leiter Exequiel Barreras die Gründerin der Kompanie. Seit fünf Jahren ist das Rote Velo in der freien Tanzszene der Stadt unterwegs, und letztes Jahr gab es von der Stadt einen Werkbeitrag an das jetzt realisierte Projekt. Damit seien für einmal die Mittel für eine Produktion im grösseren Rahmen vorhanden gewesen.
Alles Gueti! Sonntag 29. Januar und Dienstag 31. Januar, je 20 Uhr Grabenhalle St.Gallen rotesvelo.wixsite.com/tanzkompanie
Die Kompanie bedankt sich mit dem Stück Alles Gueti!. 18 Performerinnen und Performer, Laien und Profis versammeln sich um den grossen Tisch, zu dem die Bühne umfunktioniert worden ist. Es sind teils bewegungsfreudige Amateure, mit denen Hella Immler seit Jahren zusammenarbeitet und bereits mehrere Produktionen realisiert hat, so den Dokumentarfilm Tanz im Alter (2013) und SuperwoMen (2015). Andere Performer kamen neu hinzu, das Altersspektrum reicht von 4 bis 80 Jahren.
Fragen zum Festen
Den Anfang machte ein Fragebogen zu eigenen Geburtstags- und Festerlebnissen, zu Wünschen und Hoffnungen rund um den Geburtstag. Daraus entwickelte die Truppe ihre Szenen, teils durchchoreographiert, teils in der Form «strukturierter Improvisationen», wie Hella Immler sagt. Im Vordergrund stand für sie: Jeder und jede sollte den passenden Platz im Stück finden und sich mit seinen Talenten und Eigenheiten einbringen. Seit September wurde geprobt, ungefähr im Zweiwochenrhythmus an Wochenenden, in der Schlussphase noch intensiver.
Jetzt wird gefeiert – und das Publikum wird seinerseits an den Tisch gebeten. Es soll, schreibt die Kompanie, ein Fest werden, «das man sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken kann». Und bei dem die Grenzen zwischen Laien und Profis, Jungen und Alten verschwinden.
Damit ist man beim Kernanliegen von Immler und Barreras: «Das Wichtigste ist das Soziale. Wir wollen mit unserer Kunst nah bei den Menschen sein und auch Leute ansprechen, die mit Tanz sonst nicht viel zu tun haben.» Deshalb sei die Arbeit mit Laien so wichtig für sie, wichtiger als die tänzerische Karriere.
Leben in der freien Szene
Fünf abendfüllende Produktionen hat die Kompanie seit 2012 auf die Bühne gebracht, darunter Alberto, der Mann der geht, Uppercut oder Plop. Dazu kam eine Reihe kleinerer Produktionen. Das Rote Velo sei zuerst prekär finanziert unterwegs gewesen, sagt Hella Immler; heute sei die Unterstützung aber erfreulich, ebenso das Publikumsinteresse.
Trotzdem, und trotz Werkbeitrag: Vom Roten Velo konnten die beiden nicht leben. Hella Immler unterrichtet, gibt Workshops, organisiert das Tanzfest mit und arbeitet als Kinderspitalclown. Exequiel Barreras ist noch bis diesen Sommer Mitglied der Tanzkompagnie des Theaters St.Gallen. Nach sieben Jahren im Ensemble hat ihn Tanzchefin Beate Vollack nicht mehr verlängert, ebenso wie die anderen noch verbliebenen Ensemblemitglieder der Ära Marco Santi.
Das Publikum wird ihn vermissen – etwa seinen Peer Gynt 2016. Für sie beide sei der Zeitpunkt künstlerisch aber gut, sich neu zu orientieren. Aller Voraussicht nach fährt das Velo ab Sommer andernorts weiter, sagt Hella Immler. St.Gallen werde man aber nicht vergessen: Hier in der Stadt und in der Grabenhalle, dem regelmässigen Aufführungsort, habe sie ein Stück Heimat gefunden, gute Kontakte geknüpft und viel gelernt, auch was die Hintergrundarbeit in der freien Tanzszene betreffe, von der Werbung bis zur Geldbeschaffung.
«Es sind uns immer mehr Türen aufgegangen», sagt Hella Immler im Rückblick auf fünf Jahre Rotes Velo. Im Vorausblick kann man da, mit dem Titel des Feststücks, nur sagen: «Alles Gueti».
Das «Rote Velo» rollt wieder an: Die Tanzkompanie um Exequiel Barreras und Hella Immler spielt in der Grabenhalle ihr neues Stück «Uppercut». Und will die freie Szene in St.Gallen beleben.
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