So wie 2013 (Bild oben) könnte es am Samstag wieder zu und her gehen in den Gassen St.Gallens: Das Tanzfest macht den öffentlichen zum bewegten Raum. Das beginnt heute Donnerstagabend auf dem Bohl mit Improvisationen und einem Volkstanz-Flashmob. Und setzt sich am Samstag fort mit Tanzrundgängen in der Altstadt.
Animiert werden sie von Profis, mitmachen können alle, die Titel versprechen einiges und lassen vieles offen – im Vorjahr etwa konnte man sich im Fussgängerstreifenhüpfen üben. Diesmal heisst es: «Stadtecho» am Bohl, «Ein langweiliger Tag» auf dem Aepliplatz, «umGang» am Multertor, «Callomania» auf dem Bahnhofplatz und «Instant-Composition» an der Hinteren Bahnhofsunterführung. Das Ganze mündet am Samstagabend in der Lokremise in ein kollektives Choréoke: Über die Leinwand flimmern Tanzszenen aus Filmen, das Publikum tanzt sie nach.
Wer lieber zuschaut statt mithüpft, kommt am viertägigen Tanzfest (es findet in 20 Schweizer Städten zeitgleich statt) ebenfalls auf die Rechnung. Zum Beispiel zum Auftakt heute Abend mit der Produktion «House» der iraelischen Compagnie LEV im Rahmen des Festivals Steps (Theater St.Gallen, 20 Uhr).
httpv://www.youtube.com/watch?v=r9aVwioESls&feature=player_embedded
Den Freitagabend bestreiten in der Grabenhalle regionale Kompagnien: Das Duo Kilian Haselbeck/Meret Schlegel tanzt sein Erfolgsstück «orthopädie or to be» – junger, explosiver Körper trifft auf älteren, fragilen. Danach zeigt die Rotes Velo Tanzkompagnie noch einmal «Uppercut». Zum Abschluss am Sonntag tritt die Formation Cambras aus Argentinien in der Grabenhalle auf und die Tanzkompagnie des Theaters St.Gallen mit «Magical Road» in der Lokremise.
Weitere Attraktionen: der Breakdance-Battle in der Lokremise (Samstag), Qi Gong-Einführungen, diverse Tanzangebote für Kinder und ein Tanzsonntag voller Workshops: Modern, Jazz, West Coast Swing, Volkstanz, Contact Improvisation, Ballett, Breakdance, Cha Cha Cha, Lindy Hop, Tanzende Stöcke, Disco, Afro, Salsa, Country, Ägyptischer, Irischer, Indischer, Arabischer Tanz…
2006 in Zürich erfunden, hat das Tanzfest inzwischen den Status eines Grossanlasses – jedoch mit starker regionaler Verankerung. In St.Gallen wird es von der IG Tanz OST koordiniert und von bekannten Namen der hiesigen freien Tanzszene organisiert: Oriana Berger, Judith Bösch, Danielle Curtius, Aline Feichtinger, Eli Frey, Jasmine Hauck, Claudia Römmel, Marco Santi, Mirjam Steinbock, Aleksandra Vohl und Cecilia Vretemark.
Und noch ein Blick nach nebenan: Steckborn ist zwar nicht Tanzfest-Station, aber traditionellerweise ebenfalls Gastspielort von Steps. Am 4. und 6. Mai sind dort im Phönix-Theater zwei indische Produktionen zu sehen: «Sama – I can try» mit der Tänzerin Arushi Mudgal und «Inhabited Geometry» von Mandeep Raikhy.
Bilder: Tanzfest/Martin Benz
www.dastanzfest.ch
www.steps.ch
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
Eine halbe Million weniger von Kanton und Stadt – trotzdem machen Konzert und Theater St.Gallen vorläufig keine Abstriche beim Programm. Die Spielzeit 26/27 kündigt «Grenzgänge» an, sehr zeitgemässe insbesondere im Schauspiel.
Die Kritik an der Einladung des extremistischen und techno-libertären US-Bloggers Curtis Yarvin ans St. Gallen Symposium war gross – und berechtigt. Trotzdem war sein Auftritt am Ende vor allem eines: entlarvend. Selten traten die Widersprüche, die Selbstüberschätzung und die intellektuelle Leere der Neuen Rechten so öffentlich zutage.
In eigener Sache
Historische Überlieferungen sagen oft mehr über die Geisteshaltung der Verfasser aus als über geschichtliche Tatsachen. Was lässt sich also gesichert über die historische Person Wiborada sagen? Eine quellenkritische Spurensuche.
Ein Jahrhundert nach Thomas Manns Roman greifen Karl Kave & Durian das Motiv neu auf und erzählen mit Zauberberg ein vielschichtiges Konzeptalbum über Pflege, Perspektiven und gut betuchte Damen.
Paris, New York, Shanghai, Ittingen: Mit Fabrice Hyber gastiert mal wieder ein international renommierter Künstler im Kunstmuseum Thurgau. Eine Begegnung.
Treueprobe, Verkleidungsspuk, Partner:innentausch: Così fan tutte scheint definitiv von vorgestern. Trotzdem lohnt sich Mozarts Oper auch jetzt wieder am Theater St.Gallen. Am Samstag war Premiere.
Das Kunstzeughaus Rapperswil-Jona zeigt seit dem 26. April die aktuelle Sammlungsausstellung «wohin – woher – womit». Mitgestaltet von Menschen aus der Region untersucht sie, wie Teilhabe in Museen künftig aussehen kann.