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Espenmoos: Tribüne nicht geschützt (1)

Die Espenmoos-Tribüne ist bisher kein schutzwürdiges Objekt. Ein bereits angekündigtes Herausreissen der für das Gesamtbild entscheidenden Sitze wird nun nochmals diskutiert.
Von  Andreas Kneubühler

Scannen 20In einem Brief hat das Sportamt die Fussballvereine informiert, dass die rund 40 Jahre alten Schalensitze der Espenmoos-Tribüne ersetzt werden: «Das Hochbauamt und das Sportamt haben entschieden, dass wir neu Holzbänke installieren werden», heisst es im Brief. Die Arbeiten seien bereits vergeben. Am 2. Juni 2014 werde damit begonnen.

Klar ist, dass das Entfernen der charakteristischen Holzsitze den Gesamteindruck der 1969 erbauten Tribüne für immer verändern würde. Ein Augenschein zeigt, dass einige Sitze fehlen, vielen ist zudem anzusehen, dass sie Wind und Wetter ausgesetzt sind. Der allergrösste Teil sieht aber nach wie vor intakt aus.

Das elegante Bauwerk  mit 2’200 Plätzen war am 9. August 1969 eröffnet worden, nachdem die alte, konventionell aussehende Tribüne immer baufälliger geworden war.

Scannen 19 - Arbeitskopie 2Im Buch «Ein Jahrhundert FC St.Gallen» kann man die Geschichte nachlesen: 1967 gab es eine Abstimmung. Das Stimmvolk stimmte dem Neubau mit 6’625 Ja- gegen 5’577 Nein-Stimmen zu. Natürlich brauchte es dann noch eine Spendenaktion, damit der FC St.Gallen seinen Anteil von 200’000 Franken zusammenbrachte. Insgesamt betrugen die Kosten 1,5 Mio. Franken. In der Baukommission sassen neben Paul Schärli (der spätere FCSG-Präsident), die beiden Bauunternehmer Elio Calazavara und Elio Cellere (damals FCSG-Präsident). Die Firmen von Calzavara und Cellere bauten die Tribüne gemeinsam und arbeiteten dafür mit dem Architekten Kurt Hug zusammen.

P1010150Danach blieb die Tribüne 39 Jahre lang unverändert – bis im Mai 2008, als der FC St.Gallen im letzten Spiel im Espenmoos abstieg. Anschliessend wurde ein Teil des Stadions abgebrochen und die Tribüne vom Hochbauamt im Innern sanft renoviert. Seither ist sie vor allem dann noch mit Zuschauern dicht besetzt, wenn sich die U-21 des FC St.Gallen und der SC Brühl im kleinen Stadtderby treffen.

Lange hatte sich unter dem geschwungenen Dach ein Querschnitt der St.Galler Gesellschaft versammelt. Es war ein Mikrokosmos im Bratwurstdunst, in dem sich unter anderem ablesen liess, wer in der Stadt wie viel zu sagen hatte: Der zentrale Platz in der Mitte über dem Spielereingang gehörte stets dem inzwischen verstorbenen ehemaligen Bundesrat Kurt Furgler. Edgar Oehler, eine Zeitlang der grosse Zampano im Umfeld des FCSG, sass ein paar Sitze rechts davon. Die zentrale Loge erhielt Oehler erst nach dem Umzug in der Arena im Westen der Stadt.

Die Espenmoos-Tribüne ist heute noch auf den erste Blick als schönes und elegantes Bauwerk erkennbar. Und man wundert sich, dass sie nicht unter Schutz steht.

Sie tauchte zwar in einer Zusammenstellung des Schweizerischen Heimatschutzes auf, die über den architektonischen Aufschwung ab den 50er Jahren veröffentlicht wurde. Zeugen davon sind auch einige Fussballstadien: Neben dem Espenmoos zum Beispiel das Bieler «Gurzelen» oder das «Cornaredo» in Lugano.

P1010163Auf der Liste der geschützten Bauten in der Stadt St.Gallen ist die Tribüne aber bisher nicht zu finden. Sie sei einmal ein Thema gewesen, weiss der städtische Denkmalpfleger Niklaus Ledergerber. Doch dann wurde die Möglichkeit verworfen. Es sei aber «ein architektonisch interessantes Objekt», findet Ledergerber. Von den Plänen, die Sitze durch Bänke zu ersetzen, habe er keine Kenntnis, sagt er.

Eine Nachfrage bei Marcel Thoma, dem Leiter des Sportamtes, zeigt, dass der Entscheid für die Entfernung der Sitze offenbar noch nicht definitiv ist. Es gebe darüber Diskussion und man werde die Sache nochmals anschauen, erklärt er. Nur seien die beiden Projektleiter im Moment noch in den Ferien.

Eine ähnliche Auskunft gibt es von Stadtbaumeister Erol Doguoglu. Die Sitze seien früher wohl besser gepflegt worden, hätten aber vor allem unter Vandalismus gelitten. Es sei klar, dass das Espenmoos immer viele Emotionen wecke. Wenn es nun Diskussionen gebe, könne man die Pläne sicher nochmals prüfen, erklärt der Stadtbaumeister.

Wer sich vom Zustand der Sitze und vom Gesamteindruck der Tribüne selber ein Bild machen will: Am nächsten Sonntag, dem 30. März um 16 Uhr spielt die U-21 des FC St.Gallen gegen den FC Tuggen aus dem Kanton Schwyz.

 

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