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Saiten im Juli und August: Sommerfigur

Fitness ist messbar – aber aufgepasst! Selbstversuche, Bekenntnisse und Kritik. Ausserdem: der Untergang von St.Gallen. Zuvor aber noch: der Kultursommer.
Von  Redaktion Saiten

Haben Sie gut geschlafen? Wie war das Mittagessen? Und sind Sie danach ein paar Schritte gegangen? Solche Fragen, die man gern im Smalltalk mit den Nachbarn herunterbetet, haben seit einiger Zeit ein ganz anderes Gewicht bekommen. Man kann sie nämlich dank erschwinglichen, tragbaren Messgeräten (genannt Activity- oder Fitness-Tracker) plötzlich objektiv beantworten.

Im Sommer 2015 plaudern wir am Gartenhag über Schlafphasen, Kalorien- oder Vitaminaufnahme und Schrittzahlen – und vergleichen unsere Werte über Apps und soziale Netzwerke mit jenen des Nachbarn. Jeden Tag entstehen so neue Exemplare des Quantified Self, also des in Zahlen erfassten Ichs, auf der virtuellen Landkarte. Das Ziel der grossen Vermessungsaktion heisst vielleicht Selbsterkenntnis, sicher Selbstoptimierung. Parallel dazu boomen Fitnesstrend und Körperkult. Gerade haben sich im Juni SRF 1 und 3 eine Woche lang täglich mit Nachrichten von der «grössten Bewegungsaktion der Schweiz» überboten: 90’000 Personen machten mit, spulten innert fünf Tagen insgesamt 1’111’616 Kilometer ab, St.Gallen gewann das City-Duell.

Die Reaktionen sind unterschiedlich. Sind Menschen, die in Extremfällen sogar ihr Sexleben quantifizieren, nicht eher Maschinen?, fragen die einen. Freuen wir uns doch einfach, dass das eigene (un-)gesunde Verhalten endlich ohne den verführerischen Selbstbetrug erfasst wird, entgegnen die anderen.

Die Debatte in diesem Sommerheft eröffnet der bekennende Selbstoptimierer Andreas Niedermann. Der in Wien lebende Autor und Ex-Trainer erzählt eine ziemlich böse Geschichte über ebendiesen Selbstbetrug, der jeden Januar in den Fitnesszentren Hochkonjunktur hat. «Bewegungsenthusiast» Niedermann jedenfalls misstraut der Kategorisierung von Gesundheit als neue Religion, er sieht sie eher als Mittel zum Zweck: «Genuss braucht einen genussfähigen Körper.» Auch damit als Antrieb im Hinterkopf haben wir in einem Selbstversuch drei Wochen mit einen Activity-Tracker gelebt. Nennen wir das Resultat einmal vorsichtig zwiespältig.

Ausserdem hat sich die Redaktion ein Forschungsprojekt angeschaut, in dem eine Krankenkasse ihre Mitglieder Schritte zählen lässt – auf der Suche nach Antworten auf explodierende Gesundheitskosten. Und Gastautor Michael Zwicker stellt Aussagen von klugen Köpfen unserer Zeit zur Quantified Self-Bewegung vor. Die Bilder zum Thema kommen aus einem New Yorker Boxkeller. Sie stammen vom Fotografen Jiří Makovec, der in St.Gallen und New York lebt und eben einen Werkbeitrag des Kantons St.Gallen erhalten hat.

Nebst dem Gewichtestemmen, Bahnenschwimmen und Datenhuben haben wir die Lockerheit nicht vergessen: Der traditionelle Sommerführer bringt Tipps für Kultur an bekannten, aber auch abseitigen Orten. Für manche muss man ein paar Schritte auf sich nehmen – 10’000, wie es der Activity Tracker empfiehlt, müssen es ja nicht unbedingt sein.

In diesem Sinne: Auf einen bewegten, faulen, aber vor allem schönen Sommer!
Urs-Peter Zwingli

 

DER INHALT:

Reaktionen

Positionen
Blickwinkel von Marco Kamber
Redeplatz mit Michael Buchs
Einspruch
Stadtpunkt von Dani Fels
Dreckquiem
Requiem II

 

SELF:

Die Welt ist ein Gym. Da kotzen nur die Guten.
Über den Wert der Selbstoptimierung und die Lust am Verzicht.
von Andreas Niedermann

«Mache Gesundheit zu deinem Ziel»
Selbstversuch mit einem Activity-Tracker.
von Urs-Peter Zwingli

Die Menschmaschine optimiert sich
Der eigene Körper lässt sich einfach und peinlich genau vermessen. Doch zu welchem Preis?
von Michael Zwicker

Auch die HSG zählt Schritte
Die Uni St.Gallen und eine Krankenkasse erforschen, welchen Einfluss Schrittzähler auf das Bewegungs verhalten haben.

Sie wollen kein Training. Sie wollen einen Ablass.
Denunziationen eines Fitnesstrainers.
von Andreas Niedermann

Selftracking? Selbstkultivierung!
Gesundheit zwischen Neurologie und Tai Chi.
von Peter Surber

Das Titelthema fotografierte Jiří Makovec

 

Report: Menschenversuche in der «Irrenanstalt»
Der Kanton Thurgau arbeitet ein düsteres Kapitel auf.
von Harry Rosenbaum

Perspektiven
Flaschenpost von Richard Butz aus Transnistrien
Schaffhausen
Vorarlberg
Thurgau
Rapperswil-Jona
Stimmrecht von Yonas Gebrehiwet

Kultursommer – Ausgewähltes aus Musik, Theater, Kino, Kunst & Co. im Juli und August

Die Ruinen von St.Gallen. von K.

Abgesang
Kellers Geschichten
Bureau Elmiger
Boulevard

 

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Von  Pius Frey  und  David Gadze
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von  Mia Nägeli

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von  Vera Zatti
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von  Richard Butz
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von  Philipp Bürkler
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von  René Hornung
Verwaltungsgebaeude appenzell pd

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01