Kategorie
Autor:innen
Jahr

«Ich bin nicht 08/15»

Martin Sailer (44) aus dem Toggenburg ist als einziger Parteiloser ins St.Galler Kantonsparlament gewählt worden. Seit zehn Jahren betreibt der gelernte Primarschullehrer das Kleintheater Zeltainer in Unterwasser. Der Sparkurs gefährde weniger die Kleinen als die «grossen Kulturbrocken», befürchtet er.
Von  Harry Rosenbaum

Saiten: Im St.Galler Kantonsparlament hat mit insgesamt neun Sitzgewinnen durch die SVP (6) und die FDP (3) ein deutlicher Rechtsrutsch stattgefunden. Wird es in der St.Galler Politik jetzt schwieriger für Kulturanliegen, und wo wird es vor allem Probleme geben?

Martin Sailer: Es ist möglich, dass es für die Kultur im neuen Parlament schwieriger wird, vor allem wenn es um die Unterstützung von Projekten geht, die man gemeinhin als grössere Brocken betrachten muss. Ich habe aber wenig Bedenken, dass auch Einrichtungen wie Kleintheater davon betroffen sein werden und beispielsweise ein jährlicher Betriebsbeitrag des Kantons in der Höhe von 10’000 Franken künftig gestrichen wird.

sailer

Martin Sailer (Bild: facebook)

Sie sind als Parteiloser auf der SP-Liste gewählt worden. Hat Sie das überrascht, und wer ist Ihre Wählerschaft?

Die Wahl hat mich wirklich total überrascht. Ich habe schon angenommen, dass ich Stimmen erhalten werde, vor allem von den Leuten, die in mein Zelt kommen und meine Kulturarbeit schätzen. Drunter gibt es auch FDP- und SVP-Mitglieder. Die meisten Stimmen habe ich aber von Wählern der SP und der Grünen bekommen.

Sie haben der FDP im Toggenburg einen Sitz abgenommen. Anstatt drei schicken die Freisinnigen jetzt nur noch zwei Leute in die Pfalz. Hat die FDP etwas falsch gemacht oder sind das alles einfach nur Kulturbanausen?

Ich glaube nicht, dass die FDP etwas falsch gemacht hat. Die Partei hat auch einen Sinn für Kultur. Sie steht sowohl hinter dem Klanghaus-Projekt Schwendisee wie auch hinter Kultur Toggenburg, der Vereinigung für regionale Kulturförderung. Ich bin wahrscheinlich auch wegen des Rücktritts der FDP-Frau Vreni Wild, der Gemeindepräsidentin von Neckertal und Vizepräsidentin von Kultur Toggenburg, ins Parlament gewählt worden. Sie trat nach zehnjähriger Ratszugehörigkeit zurück. Sicher habe ich einige Stimmen von ihr geerbt.

Sie seien nicht «08/15», haben Sie in einem Wahlclip über sich selbst gesagt. Welches ist Ihr Tatbeweis ?

Ich bin vor 24 Jahren ins Toggenburg gezogen, habe vor 13 Jahren ein Zelt und vier rostige Container gekauft und in Unterwasser das Kleintheater Zeltainer gestartet. Zudem entwickle ich intelligentes Spielzeug für Hunde und vertreibe als Spassfahrzeug verschiedene elektrische Einräder. Ich glaube, das ist nicht der Mensch, den man sich unter 08/15 vorzustellen hat.

Eines Ihrer Wahlversprechen lautet: Ich setze mich für vielfältige Kultur im Toggenburg ein. Wo werden Sie jetzt als Kantonsparlamentarier damit beginnen?

Im Vordergrund steht noch immer für mich das Klanghaus-Projekt am Schwendisee. In der Schlussabstimmung ist es im Parlament völlig unerwartet gescheitert. Deshalb darf man es aber nicht total abschreiben. Die Entscheidungsträger werden sich jetzt zusammensetzen müssen und überlegen, wie es weitergehen kann. Ich werde mich nun erst recht für dieses Projekt einsetzen.

Zweimal hat das Parlament dem Klanghaus zugestimmt. Warum wurde es jetzt fallen gelassen?

Ich habe im Moment keine Erklärung dafür, ausser dass die Politik auch sehr unberechenbar sein kann. Vielleicht ist einer der Gründe, dass am 1. März, als die Schlussabstimmung erfolgte, die Wahlen vorbei waren und sich einige Parlamentarierinnen und Parlamentarier dachten, sie müssten nicht mehr auf den kulturinteressierten Teil der Wählerschaft achten. Das Klanghaus ist für die Kultur im Kanton so bedeutend wie die Lokremise in St. Gallen, das Schloss Werdenberg und das Zeughaus in Rapperswil. Darum darf es nicht einfach fallengelassen werden, nur weil das Kantonsparlament Nein gesagt hat. 

Sie sagen, dass Sie sich in der Politik mit vielen Leuten und Parteien vernetzen wollen. Gilt das auch für die SVP?

Die Vernetzung ist sehr wichtig, und es gibt auch bei der SVP Leute, die sich für die Kultur einsetzen. Ein Beispiel ist der Gemeindepräsident von Ebnat Kappel, Christian Spoerlé, der auch Präsident von Kultur Toggenburg ist. Ich habe da keine Berührungsängste. Eigentlich bin ich jetzt auch noch gar kein Politiker, ich bin aber auf dem Weg einer zu werden.

Sie sind Vorstandsmitglied von Südkultur. Die Vereinigung, der 16 Gemeinden angehören, will im südlichen Teil des Kantons St.Gallen zusammen mit dem Amt für Kultur für eine nachhaltige Kulturförderung sorgen. Werden Sie sich im Parlament für die Stärkung dieser Vereinigung einsetzen?

Südkultur ist ein Selbstläufer, der auch ohne direkte Unterstützung durch das Kantonsparlament gut funktioniert. Das Gleiche gilt für Kultur Toggenburg, KulturZürichseeLinth, ThurKultur und die Rheintaler KulturStiftung. Das sind alles Vereinigungen, welche sich um Kultur und Förderbeiträge in den jeweiligen Regionen kümmern und damit die Gemeinden entlasten. Sie sind gut aufgestellt und müssen es auch bleiben. Das funktioniert und sollte so bleiben.

Auch nach Ihrer Wahl wollen Sie keiner politischen Partei beitreten. Warum nicht?

Ich bleibe parteilos wie ich für die Wahl angetreten bin. Natürlich werde ich aber einer Fraktion beitreten. Dafür kommt für mich die SP in Frage. Sie steht mir politisch am nächsten.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39

Sehn­sucht nach Frei­heit

Das Thur­gau­er Pop-Phä­no­men Noe­mi Be­za ver­öf­fent­licht An­fang Ju­ni ih­re neue EP. You’ll Find Me The­re ver­eint Coun­try-Vi­bes mit ast­rei­nem Pop – was man ein we­nig ver­misst, sind Ecken und Kan­ten.

Von  Jeremias Heppeler
1 Pressefoto Noemi Beza Youll Find Me There

Kolumne: Stimmrecht im Juni

Back to the Fu­ture

Von  Liliia Matviiv

Ausstellung in Herisau

70 Jah­re und 70 Pup­pen

Von  Vera Zatti
70 Jahre SG Ausstellung

«Gros­ses Lob für die­sen Kel­ler»

Nach 22 Jah­ren gibt Mat­thi­as Pe­ter die Lei­tung der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne ab. Vom Raum ist er nach wie vor be­geis­tert. Aber dem Ka­ba­rett ging es auch schon bes­ser, er­zählt er im Ge­spräch.

Von  Peter Surber
2606 Redeplatz Matthias Peter

Für ei­nen Mo­ment be­rührt

Die Thur­gau­er Künst­le­rin Mi­cha Stuhl­mann be­fasst sich in ih­rem neu­en Pro­jekt mit dem Da­sein im Mo­ment. Am 7. Ju­ni fin­det da­zu ein Work­shop in St.Gal­len statt und am 26. Ju­ni zeigt sie mit ih­rem En­sem­ble die fi­na­le Per­for­mance in Kreuz­lin­gen. 

Von  Vera Zatti
Martin Schweingruber DA SEIN Vorpremiere 20260509 tgkultur 31 von 49