«Eigentlich sind in Kuba alle Menschen irgendwie Punks. Im Alltag sind sie ständig am improvisieren und schustern sich Dinge zusammen», sagt Marc, Gitarrist der Zürcher Punkband Überyou. Die Band tourte im Herbst 2013 durch Kuba. Und reiste mit leichtem Gepäck wieder heim: «Wir haben Sachen wie Schlagzeug-Cymbals, Drumsticks und Gitarrensaiten dort gelassen. Ganz einfach, weil dieses Material für die Musiker in Kuba kaum zu beschaffen oder zu bezahlen ist. Die Bands spielen oft mit Equipment, das bei uns längst auf dem Schrott liegen würde.»
Von den so geknüpften Beziehungen zur kubanischen Musikszene können nun auch die mit Überyou befreundten Oberrieter Punkrocker Nofnog (No Fight No Glory) profitieren: Sie reisen diesen Donnerstag nach Kuba, wo sie acht Konzerte spielen. «Wir sind extrem gespannt, was uns erwartet», sagt Nofnog-Schlagzeuger und Sänger Jérôme Lüchinger. Zwar sind Nofnog schon durch die USA und Kanada getourt, «doch vergleichbar wird unsere Kuba-Reise wohl kaum», sagt Lüchinger.
Von den Überyou-Kollegen wisse er, dass Punkrock in Kuba kaum bekannt sei – und das Interesse dementsprechend gross, wenn doch mal eine Punkband auftritt. Zu Beginn der Tour spielen Nofnog während fünf Tagen täglich ein Konzert am Kulturfestival «Romerias de Mayo» in Holguin, einer Grossstadt im Osten von Kuba. Darauf folgen Konzerte in der Hauptstadt Havanna sowie in Santa Clara.
Kritiker verhaftet
Dass Bands aus dem Ausland aufspielen, hat in der kubanischen Punkrockszene mittlerweile Tradition: Das Plattenlabel Brutal Beatdown Records organisiert seit 2011 jährlich eine Tour mit Bands aus Ländern wie Frankreich, England, Italien, den USA oder eben der Schweiz. Auch kubanische Acts treten dort auf.
Allerdings ist die heimische Punkrockszene klein und beschränkt sich auf wenige Städte, zwischen denen es wenig Austausch gibt: Mobilität ist in Kuba für Einheimische teuer und aufwändig, Internetzugang nur spärlich vorhanden. Bezeichnend ist auch, dass das erwähnte Platten- und Konzertlabel von einem Exilfranzosen in Havanna geführt wird.
Auch musikalischer Input von aussen ist schwer zu bekommen: «Dinge wie aktuelle Platten oder T-Shirts haben sich die Punks, die wir kennenlernten, irgendwie über Kontakte im Ausland beschafft», sagt Marc. Dass die Szene derart klein sei, sei aber wohl auch ein Vorteil: «Sie geht so kaum Gefahr, dass Missfallen der Regierung zu erregen.»
Titelbild: Nofnog auf der Bühne. (Bild: zvg)
Welcome-Back-Konzert am Freitag, 15. Mai, im Kinski Zürich mit i.explode.i, Your All Time Favorites, Jerry & The Final Thoughts.
www.nofnog.ch
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