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Professionelles Promille-Pauken

Launiges aus unserem Sommerheft I: Berufliches Bierbechern. Saufen für Saiten. Prolo-Promille-Pauken. Ein Schreibrausch.
Von  Frédéric Zwicker
Bild: Ladina Bischof

Mittwoch, 15. Juni, 12.17 Uhr. Ich geh jetzt gleich los, Bier kaufen. Und dann beginne ich mit einem Unterfangen, das mir vor einigen Jahren noch mehr Freude bereitet hätte: berufliches Bierbechern. Saufen für Saiten. Professionelles Prolo-Promille-Pauken. Denn am Mittag trinken, das kann man ja schon mal machen. Ich muss sogar gestehen, dass mir der mittägliche und nachmittägliche Bierkonsum besonders lieb ist. Denn er sagt für gewöhnlich dies: Der Arbeitstag ist gelaufen, ab sofort lautet die Losung Genuss.

Aber jetzt, verehrte Leserin, verehrter Leser, jetzt habe ich mich mit meinem Vorhaben auf direktem Weg in ein Bilderbuch-Paradoxon geritten. Denn jetzt ist die Rausch-Akquise quasi ein erwerbstechnischer Imperativ. (Duden sagt, das Wort Akquise stehe auf der Liste der «rechtschreiblich schwierigen» Wörter. Gut, dass ich erst beim zweiten Pale Ale bin.)

So. Zweiter Abschnitt, erstes Coffee Stout. Es liegt mir fern, Alkoholkonsum zu verherrlichen. Ich bin mir der Gefahren bewusst. Aber wenn Bierheft, dann Biertext. Und so lautet das Konzept: Unter Biereinfluss über Bier schreiben, was mir spontan in den Sinn kommt. Oder lapidarer ausgedrückt: Saufen, schreiben, schauen, wie der Suff in den Schreibfluss strömt.

Nun gut, berauschter Gonzo-Journalismus feiert Inflation. Aber man kann sich ja abheben, indem man gescheiter ist und besser schreibt. Merke: Alkohol macht d’Bire hohl und führt zu Selbstüberschätzung. Ich habe mir auch schon in einem Club bei einem angeheiterten Tanz-Battle ein Bein gebrochen. «Ambulanz-Tanz» nannte ich das.

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Der Saiten-Kühlschrank, 15. Juni 2016, 13:30 Uhr

Kurze Konsumgeschichte: Mit 15 habe ich angefangen, Bier zu trinken. Jetzt meine ich, dass es so ist: Alles, was man erst ab einem gewissen Alter tun kann, ist potentiell problematisch. Alkoholkonsum und Geschlechtliches zum Beispiel. Man hat keine Erfahrung aber tausend Vorbilder – was Alkohol betrifft im Umfeld, was das Geschlechtliche betrifft seit Internet auf unzähligen Websites mit expliziten Inhalten. Dabei sollte man in beiden Bereichen den eigenen Geschmack ausbilden, der sich eben hoffentlich als nicht problematisch herausstellt.

Als junger, unerfahrener Mensch, der sich erst noch im Freundeskreis beweisen muss, bleibt nur eins: Man säuft und rammelt sich durch die ganze Palette an bekannten Trink- und Sexualpraktiken, bis man endlich ein Alter erreicht, in dem man weder mit dem einen noch mit dem anderen prahlen muss. Man findet die Getränke, die man am liebsten trinkt, und es gelingt, einen massvollen Konsum zu konditionieren. Beim Libidinösen: Da hilft beim Mann spätestens der sinkende Testosteronspiegel, dem exzessiven Gieren ein Ende zu setzen.

Meine Vorlieben gehen beim Bier in Richtung Spezialitäten. Aber man hüte sich davor, einen kultivierten Biergenuss mit einem unproblematischen zu verwechseln. Das führt auch die South Park-Folge 6 aus der 18. Staffel vor Augen: Randy Marsh, traditionell problematisches Trinkverhalten, hält seinem Vater und dem Sohn einen Vortrag über Sucht-Dämonen. Auf Vaters Einwand, Randy trinke gerade auch ein Glas Wein, sagt dieser: «Ich trinke nicht ein Glas, ich trinke sechs. Das nennt man Wein-Degustation, das hat Klasse.»

Soweit so gut. Aber wohin jetzt? Zum Brewdog Punk IPA. Es wurde mir von Adi auf Facebook an die Leber gelegt. Gut übrigens, dass Sie nicht wissen, wie schnell ich schreibe, denke ich, weil Sie sonst wüssten, nun ja, Sie wissen schon. Und in zwei Stunden und 42 Minuten werde ich Fussball schauen und Bier trinken müssen.

Exkurs: Die Kraft der Feder. Wie stark der Stift als Waffe ist, merkte ich gestern wieder. In meinem Tischtennis-Vereins-Chat – ein paar Jungs, die einen Keller gemietet und diesen mit Tischtennistisch und Kühlschrank bestückt haben – wurde diskutiert, ob wir den Schweiz-Match heute in der Schüür oder im Stall schauen. Ich argumentierte mit einer sehr hübschen Bedienung im Stall. Sämi fragte, ob ich die blonde, braungebrannte meine. Ich schrieb: «Die isch au schön! Aber ich mein die gross, schlank, schulterlang haselnussbruunhaarig, Grüebli ide Backe, Rehauge, sanfti Stimm, chatzehafti Eleganz ide Bewegige.» Die nächsten Nachrichten lauteten: «Ich chumme i jedem Fall demfall.» – «Mmmh, jetzt chumi au Luscht über.» – «Tönt guet, demfall Stall.»

Pinkeln (mittlerweile im Zug mit IPA). Vor Jahren habe ich am Züri-Fäscht an einer Bar gearbeitet. Junus hat mir erklärt, ich müsse mit dem ersten Urinieren lange warten. Es gibt diesen Moment, an dem man denkt, die Blase platzt. Wenn man ihn übersteht, weitet sich die Blase aus, und erst wenn sie das nächste Mal drückt, muss man wirklich aufs WC. Wenn man das macht, hat man am Ende der Nacht fünfmal weniger gepisst. Wenn ich mal wieder ein Wochenende in München verbringe, nenne ich das jeweils Blasen-Kur. Ich bin deshalb einer, der eher selten Harn löst. Jetzt aber dies: Kürzlich war ich mit Sylvie Bier trinken. Während etwa vier Stunden besuchte ich zweimal das Urinal. Sylvie musste trotz Konsumegalität nie für kleine Mädchen.

Und damit – erster Schluck vom Brooklyn Brown Ale, kurz vor Fussball – wären wir bei der Pissoirkultur. Die wenigsten Frauen sind pissoirkultiviert. Fussbälle, die es ins Tor, schwarze Kleber, die es farbig zu pinkeln gilt und anderes mehr. Am Pissoir wird pissen zum Event.

Ha! Da fällt mir ein: Vom Naturheilmittelhersteller A. Vogel gibt es einen Prostata-Test. 30 Zentimeter hohe Kleber im Pissoir. Darauf eine Skala. Wessen Strahl so stark ist, dass er den Kleber oben treffen kann, der ist gesund. Wer nur die Niederungen benetzt, sollte A. Vogel zu Rate ziehen.

Wer keine Prostatabeschwerden hat und den Test ausprobiert, der pinkelt also bis in die Mitte des Pissoirs hinauf. Pissoirs sind nicht dafür konzipiert, dass man da oben hinpinkelt. Etwa die Hälfte des starken Strahls spritzt einem auf den Pullover. Vielleicht hatte A. Vogel Prostataprobleme und wollte, dass auch gesunde Männer ihrer Prostata wegen angepisst sind.

Tag danach. Keine Kopfschmerzen. Hurra! Aber auch keine Erinnerung daran, wie viele Amber-Kübel ich im Stall noch getrunken habe. Und vor allem: nur diffuse Erinnerungen an den Text. Ich ahne jedoch: Er war eher sprunghaft.

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
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Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
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Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
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Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2