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Wie weit geht Selbstbestimmung?

Eine behinderte junge Frau bekommt ein Kind und überfordert damit ihre eigenen Eltern. Der Film Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern ritzt an gesellschaftlichen Tabus: In der Schweiz fand das mutige Werk bei der Filmförderung keine Geldgeber – ab Donnerstag läuft es im Kinok. Die Filmbesprechung aus dem Februar-Heft.
Von  Urs-Peter Zwingli
Folgenschweres Treffen: Die geistig behinderte Dora (Victoria Schulz) nähert sich Peter (Lars Eidinger) an.

Behinderte Menschen haben Sex. Darüber wird geschrieben und geredet, eine grosse Sache ist das kaum mehr. Doch was ist, wenn eine behinderte Frauen schwanger wird? Wie weit darf sie über sich selbst bestimmen?

Heikle Fragen, bei denen die öffentliche Diskussion meistens verstummt. Hier setzt das sehenswerte, neue Werk der in Zürich lebenden Regisseurin Stina Werenfels (Nachbeben) an: In Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern erzählt sie die Geschichte der 18-jährigen, geistig behinderten Dora (Victoria Schulz), die behütet bei ihren Eltern lebt. Eines Tages beschliesst ihre Mutter Kristin (Jenny Schily), Doras beruhigende Medikamente abzusetzen, um sie aus ihrem Dämmerzustand zu befreien.

Ratlosigkeit, Verwirrung, Verdrängung

Doras Sexualität blüht mit voller Kraft auf. Sie wird über Nacht zur jungen Frau, die sich selbst entdeckt. Dabei bewahrt sie aber kindliche Züge, ist offen und schamlos in ihrer Entwicklung. Das ist noch harmlos, als Dora vor ihrer Mutter in der Badewanne masturbiert – wird aber heikel, als sie sich einem zwielichtigen Mann (Lars Eidinger) annähert.

Anfangs weist dieser Dora zurück. Als sie ihn jedoch verfolgt, kommt es in einer öffentlichen Toilette zum Sex nahe an einem Übergriff – was Dora in ihrer Unerfahrenheit aber kaum zu berühren scheint. Ihre Mutter erfährt davon und reagiert mit Entsetzen. Trotzdem trifft sich Dora weiter mit dem Mann, der von ihrer ungehemmten Sinnlichkeit und Lebensfreude angezogen ist. Zwischen den beiden entsteht ein Verhältnis, schliesslich wird Dora schwanger.

Stina Werenfels zeigt, was das Thema Behinderung und Fortpflanzung bei Eltern und Behörden auslöst: Ratlosigkeit, Verwirrung und Verdrängung. Zwar gesteht das Erwachsenenschutzgesetz Behinderten ein weit reichendes Recht auf Selbstbestimmung ein, in der Praxis muss aber jedes Mal neu verhandelt werden, was das genau einschliesst.

Offenbar war der Filmstoff auch staatlichen Gremien zu radikal. Stina Werenfels hatte den Film in Bern und Zürich mehrfach vergeblich zur Finanzierung eingereicht. «So sah ich mich gezwungen, die ganze Produktion nach Deutschland zu verlegen», sagt sie. Der Film, der auf einem Theaterstück des Schweizer Buchpreisträgers Lukas Bärfuss basiert, spielt nun grösstenteils in Berlin und nur ganz kurz in Zürich.

Der Trailer zum Film:

 

Herausragende Darstellerin

Die Figuren im Film treiben einsam dahin: Doras Vater Felix (Urs Jucker) kann im Mutter-Tochter-Konflikt nicht vermitteln. Das ungeborene Kind lässt die Mutter mehr oder weniger mit Doras Einverständnis abtreiben. Doch dieser Eingriff trifft Mutter Kristin härter als Dora, versucht diese doch seit Jahren erfolglos mit Felix, ein zweites Kind zu bekommen.

Kurz darauf wird Dora zum zweiten Mal schwanger und wird von ihren Eltern in ein Heim gebracht. Dort ist sie einsam und zunehmend verwirrt über ihren Körper, der sich in der Schwangerschaft verändert.

Währenddessen zeigt Peter, der Vater des ungeborenen Kindes, seine hässliche Seite: Schnoddrig lehnt er gegenüber Felix jegliche Verantwortung ab und spannt Dora für Sexspiele mit einem fremden Mann ein.

Die Regisseurin versteht ihren mutigen Film auch als Kritik am «Gebot von Effizienz und Perfektion, das uns zusehends durchdringt», wie sie sagt. Die mit dem neuen Erwachsenenschutzgesetz von 2013 erweiterte Selbstbestimmung Behinderter müsse sich die Gesellschaft etwas kosten lassen. «Und da der ökonomische Druck gerade im sozialen Bereich massiv zunimmt, werden gerne Kosten und Verantwortung auf die Familie abgeschoben.»

Der Film zeichnet ein Porträt einer solchen Familie, getragen auch von der erstaunlichen Leistung der Dora-Darstellerin Victoria Schulz, die in Berlin auf der Strasse entdeckt und sich vor zwei Jahren ohne formelle Schauspielausbildung aber mit viel Theater- und Kurzfilmerfahrung auf das Wagnis dieser Rolle einliess. Viele Schauspielerinnen waren laut Stina Werenfels beim Lesen des Drehbuchs «an eine innere Schwelle gestossen» und hatten abgelehnt.

Stina Werenfels hat einen verdichteten, eindringlichen und sehr körperlichen Film realisiert, der einigen vielleicht zu nahe tritt – und es genau deshalb wert ist, gesehen zu werden.

Premiere im Kinok ist am Donnerstag, 19.2., um 19.15 Uhr. Nach der Vorstellung vom Donnerstag, 26.2., diskutiert Regisseurin Stina Werenfels mit Filmjournalistin Bettina Spoerri.

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Das Kreuz mit den Ga­gen

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Ei­ne Por­ti­on Kunst

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Hür­de um Hür­de

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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

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SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

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Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

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Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

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Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

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Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

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Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
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Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

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Lukas reimann mike sarbach ursula haene