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Ächzend unter der Paketflut

Das freie Theater Café fuerte spielt «Pakete Pakete» auf einem Parkplatz in Trogen. Das Stück ist brillant, das Thema brennt, gerade in der Pandemie, die die Päckliflut ins Unermessliche anschwellen lässt. Aber dafür das Theater beinah ausbremst.
Von  Peter Surber , 

Grad seit längerem mal wieder ein Päckli aufgegeben auf der Post, Ziel: eine Adresse in Deutschland, ein paar vorzeitige Weihnachtsgeschenke drin, Selbstgemachtes. Die freundliche Frau am Schalter klärt mich auf, dass man dafür online vorweg ein ganzes Formular ausfüllen müsste, was regelmässige Päckli-Verschicker zweifellos wissen, aber mir wars neu.

Sie hilft dann geduldig beim Nach-Ausfüllen des Formulars, und weg ist das Paket, mit weniger als 2 Kilo noch als Brief taxiert, sonst wärs teurer. A-Post also. Ankunftstag ungewiss, weil die Post vor lauter Päckli nicht mehr nachkomme. Kostenpunkt: 30 Franken.

Tempotempo!

Pakete Pakete. Die Post ächzt unter der Flut des Hin- und Hergeschickten, 178 Millionen Pakete pro Jahr sind es in der Schweiz, trotz stolzen Tarifen. Und das Theater Café fuerte ächzt mit. Das neue Stück des in Vorarlberg und Ausserrhoden beheimateten Ensembles heisst genauso: Pakete Pakete. Es gibt Einblick in eine Welt, die man am Schalter höchstens erahnen kann. Eine verrückte Welt.

Hart in die Kurven: das Ensemble im Bus. (Bilder: Laurenz Feinig)

Zu viert marschieren sie an, Rücken gebeugt, Hände vor dem Bauch, Pakete Pakete schleppend im harten Marschtritt, den am Schlagzeug Florian Wagner vorgibt: Tobias Fend, Jeanne Devos, Gregor Weisgerber und John Kendall. In blauer Arbeitskluft rackern sie sich ab, Tempotempo, rein ins Auto, raus aus dem Auto, denn Zeit zum Ausliefern immer zu knapp, täglich ein grösserer Berg. Harry klärt den Anfänger Matteo gleich zu Beginn auf: «Niemals reingehen. Wenn Du reingehst, hast Du verloren. Sind sofort fünf Minuten weg.»

Das passiert ihm denn auch, mit der gesprächigen Seniorin im vierten Stock, die gar keine Rührschüssel bestellt hat oder vielleicht doch, aber vielleicht nicht diese, und ihm den Kopf vollquatscht, dass eine Rührschüssel braucht, wer an Weihnachten Plätzchen backen will, und erstmal ein Kaffee, dann den Inhalt des Pakets kontrollieren, man weiss ja nie. Und zum dicken Nachbarn, den er den Elefanten nennt, muss er auch noch, zur Not über den Balkon klettern.

Das Spieltempo ist hoch, beim Ausliefern und in den Dialogen zwischen dem erfahrenen Harry, dem gutmütigen Matteo, dem schweigsamen Bob und der perfektionistischen Sylvie, die den Job unbedingt braucht und alles dafür tut, um ihn zu behalten. Treppen hoch, Treppen runter, Vollgas zum Expressschalter, Autobahn, Stau, Chef macht Druck, Fussgängerstreifen – und dann die kleine Katze, die Matteo plötzlich vor die Räder rennt. Und dann die reiche Alte mit ihren sauteuren Paketen, bei der Sylvie vor lauter Pflichtbewusstsein alles falsch macht.

Die Opfer des Konsumwahns

Tobias Fend, Schauspieler und Mitgründer von Cafe fuerte, hat den Text geschrieben, Danielle Fend-Strahm inszeniert mit Schwung und Witz. Fend hat zur Vorbereitung selber Pakete ausgeliefert. Sein Stück zeichnet ein so groteskes wie realistisches Bild des Konsumwahns, der völlig aus dem Ruder gelaufen ist – und dessen Opfer die Auslieferer sind, Rücken gebeugt, Pakete geschultert, Pakete Pakete schleppend im Wettlauf gegen die Uhr für einen lausigen Lohn.

Raffiniert schnürt der Text sich immer enger um die Figuren, rasend schnell wechselnd Rollen und Choreografien, die Spieler verklumpen und verschlaufen sich, werden zum Chef, werden selber zum Menschenpaket. Das Unheil nimmt seinen Lauf, kleine Katze gibt den Geist auf, muss beerdigt werden, die Polizei klopft bei Sylvie an, alles geht schief und schiefer.

Bis die Kollegen merken, dass Harry längst seine Privatlösung zur Bewältigung der Paketflut gefunden hat: häckslern statt hetzen. Weil sowieso alle bloss bestellen und gar nichts brauchen und längst vergessen haben, was sie bestellt haben.

Pakete Pakete: So 22. November, 20 Uhr, Palais Bleu Trogen

cafefuerte.ch

Pakete Pakete ist ein Vergnügen und ein Abgrund, amüsant und augenöffnend, Volkstheater in seiner besten, sozialkritischen und unterhaltenden Art. Die Premiere, im Bregenzerwald geplant, fiel wie so vieles Corona zum Opfer. Ersatz sind fürs erste drei Vorstellungen auf dem Parkplatz hinter dem Palais Bleu in Trogen, diesen Sonntag steht noch die dritte bevor.

Wie es weitergeht, hängt vom Virus ab. Nicht von der Nachfrage – die ist gross, für Pakete aller Art und für Pakete Pakete.

Ein Auszug aus Pakete Pakete, gelesen von Tobias Fend, ist in der Saiten-Blackbox zu finden: hier.

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

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VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

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Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

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Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

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Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

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Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

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Be­stän­dig­keit, die ero­diert 

Seit 35 Jah­ren un­ter­sucht Pa­trick Roh­ner Na­tur­pro­zes­se, ins­be­son­de­re im Zu­sam­men­hang mit Geo­lo­gie, zeich­ne­risch, ma­le­risch und bild­haue­risch. Die Aus­stel­lung «Fal­tun­gen» im Mu­se­um Bickel zeigt noch bis zum 22. No­vem­ber ei­nen Quer­schnitt die­ser kon­ti­nu­ier­li­chen Be­schäf­ti­gung. 

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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Chil­len am Steinach­strand

Vor dem Karls­tor ein Pick­nick un­ter Bäu­men am Ufer, die Mit­tags­pau­se mit den Füs­sen im Was­ser vor der Kan­tons­schul-Bi­blio­thek oder ein Bier am Bäch­lein zwi­schen der Bar La Bue­na On­da und dem «Bier­hof» – das al­les soll ge­mäss der Mach­bar­keits­stu­die «Al­te Stein­ach» mög­lich wer­den. Am Mon­tag ha­ben sie die Ver­ant­wort­li­chen vor­ge­stellt. 

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Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

Von Sieglinde Wöhrer,
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Wenn Mu­se­ums­ob­jek­te ei­nen neu­en Sinn be­kom­men

Ei­ne ben­zin­be­trie­be­ne Glüh­bir­ne? Ein ro­bus­tes Schnaps­glas? Oder ein Kat­zen­hals­band, das die Raub­tie­re vom Vö­gel­fan­gen ab­hal­ten soll? Im His­to­ri­schen Mu­se­um Thur­gau schlum­mern ei­ni­ge Ge­gen­stän­de, de­ren Funk­ti­on auf den ers­ten Blick nicht ganz klar ist. Tho­mas Götz, Mar­ti­na Hü­gi und Ste­fan Kel­ler muss­ten die­se am Icon Po­et her­aus­fin­den.

Von Judith Schuck,
Icon Poet Judith Schuck

Lang­sam­keit als Mo­tor

Die St.Gal­ler Rock­band The Black Salt ver­öf­fent­licht ihr zwei­tes Al­bum. Und ver­ab­schie­det sich ein Stück­weit von ih­ren An­fän­gen.

Von David Gadze,
Theblacksalt1

Fah­nen der Ver­gäng­lich­keit

Die Welt ist in ste­tem Wan­del. Und man­che Ver­än­de­run­gen sind ir­rever­si­bel – Glet­scher schmel­zen, Tier- und Pflan­zen­ar­ten ster­ben aus. Die Aus­stel­lung «Flim­mern» wid­met sich der Be­wusst­wer­dung die­ses Wan­dels – und dem Schmerz, den er aus­löst.

Von Judith Schuck,
Flimmern Blossom 0 2 von Hoa Luo Patrik Muchenberger

Du­bio­se Zah­len zum Au­to­bahn­aus­bau

Die Grund­la­gen, mit de­nen die Be­für­wor­ter:in­nen die drit­te Au­to­b­anhröh­re durch den Ro­sen­berg in St.Gal­len und die Teil­span­ge mit dem An­schluss im Gü­ter­bahn­hof­are­al for­dern, ba­sie­ren auf frag­wür­di­gen Zah­len. Zu die­sem Schluss kommt der Raum- und Ver­kehrs­pla­ner Tho­mas Hug-Di Le­na.

Von René Hornung,
Anschluss gueterbahnhof