«Ich habe mehr erwartet», sagt die Anfragerin, die grüne Kantonsrätin Gina Rüetschi. «Das EVZ ist zwar eine Einrichtung des Bundes, liegt aber auf dem Gebiet unseres Kantons. Da müsste sich die Regierung mehr darum kümmern, was in einem solchen Zentrum passiert.»
Minimale Betreuung und reine Observation
Der deutsch-pakistanische Journalist Shams Ul-Haq hatte in seiner am 16. Januar 2016 in der «SonntagsZeitung» veröffentlichten Undercover-Reportage von Prügeln, Drogen, Schleppern und Sicherheitslücken im EVZ Keuzlingen berichtet. Dafür machte der Journalist den Führungsstil der privaten Betreuungsorganisation AOZ und die large Haltung des Staatssekretariats für Migration (SEM) verantwortlich. Video und mehr Infos dazu hier.
Rüetschi schreibt dazu in ihrer einfachen Anfrage: «Die gesetzliche Leistungsvereinbarung mit den Behörden sieht vor, dass in den Zentren Verpflegung, Sauberkeit und Nachtruhe sichergestellt werden müssen. Der politische Auftrag scheint aber durch die Betreuungsorganisationen zunehmend enger gefasst zu werden, so dass nur noch eine minimale Betreuung möglich ist, die kaum über reine Observationen hinausgeht. Es kommt deshalb auch immer wieder zu Konfliktsituationen bis hin zur körperlicher Gewalt zwischen Sicherheitspersonen und den Asylsuchenden im EVZ Kreuzlingen.»
Das SEM lässt untersuchen
«Das EVZ Kreuzlingen ist eine Einrichtung des Bundes und organisatorisch dem SEM unterstellt», schreibt die TG-Regierung in ihrer Antwort. «Aus diesem Grund hat der Regierungsrat auf die Organisation und die innerbetrieblichen Abläufe im EVZ keinen Einfluss. Er hat den vorliegenden parlamentarischen Vorstoss deshalb dem SEM unterbreitet.» Die erhobenen Vorwürfe würden vom SEM sehr ernst genommen, heisst es in der Antwort weiter. Unmittelbar nach Erscheinen des Berichtes in der «SonntagsZeitung» seien eine interne Untersuchung eingeleitet und erste Massnahmen ergriffen worden.
Mittlerweile habe das SEM festgestellt, dass viele der Anschuldigungen nachweislich falsch seien, bloss auf Hörensagen beruhten oder der geltenden gesetzlichen Regelung entsprächen. Das SEM habe aber beschlossen, zusätzlich eine Untersuchung durch eine unabhängige, externe Stelle durchführen zu lassen. Inzwischen habe alt Bundesrichter Michel Féraud mit dieser Aufgabe betraut werden können. Im Rahmen seiner Abklärungen werde er Gespräche mit den direkt involvierten Personen sowie mit weiteren wichtigen Ansprechpartner von Behörden und Zivilgesellschaft führen. Féraud werde zudem die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter in seine Untersuchungen einbeziehen. Nach Abschluss der Arbeiten werde das SEM transparent über die Ergebnisse informieren.
Keine eigenen Abklärungen
Auf die Frage von Kantonsrätin Rüetschi, wie die AOZ zu ihrem Auftrag gekommen sei respektive warum die ORS Service AG ihren Auftrag verloren habe, meint der Regierungsrat lobend: «Die Firma AOZ erbringt seit 2014 die Betreuungsdienstleistungen in den EVZ Kreuzlingen und Altstätten und in mehreren Aussenstellen sowie im Transitbereich des Flughafens Zürich-Kloten. Neben der Grundversorgung (Unterbringung, Verpflegung, Gesundheit, Hygiene und Bekleidung) stellt die AOZ unter anderem einen geordneten Betriebsalltag in den Zentren des Bundes sicher, führt Beschäftigungsprogramme durch und bietet beispielsweise für Kinder und Jugendliche Musik-, Mal- und Bastelaktivitäten an. Die Zusammenarbeit zwischen dem SEM und der OAZ funktioniert gut. Das SEM konnte sich während der bisherigen Zusammenarbeit stets auf die Fachkompetenz der AOZ verlassen. Dies auch in Zeiten hoher Belegung Ende 2015, in welchen alle Beteiligten stark gefordert waren.»
Dass der Regierungsrat keine eigenen Abklärungen der Vorwürfe gemacht habe, sei stossend, meint Rüetschi. «Die Regierung weicht meinen Fragen aus.» In ihrem Vorstoss weist sie daraufhin, dass Mitarbeitende der AOZ während sieben Tagen in der Woche arbeiteten. Sie will vom Regierungsrat wissen, was er tun könne, damit der Bund für einen ausreichenden Personalbestand im EVZ, eine qualitativ hochstehende Betreuung und die Vermeidung von Konflikten sorge. «Die Regierung geht auf diese Frage aber gar nicht ein», meint die enttäuschte Kantonsrätin.
Vor Einreise in die Schweiz absichern
Denis von Burg von der «SonntagsZeitung», der an der Undercover-Reportage mitgearbeitet hatte, sagt, dass Shams Ul-Haq vom untersuchenden alt Bundesrichter wegen eines Gesprächs angefragt worden sei. Ob es stattgefunden habe, wisse er aber nicht. Der Anwalt der «SonntagsZeitung» habe jedenfalls dem Journalisten geraten, sich vor einer Einreise in die Schweiz abzusichern, dass keine rechtlichen Schritte gegen ihn unternommen würden.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.