«Vermisst seit 06.11.24. Wir vermissen unseren Stern 027» – Die Vermisstenanzeigen, die in der Stadt verteilt kleben, lösten Stirnrunzeln aus. «Spassvögel» titelte «20 Minuten», und auch das «Tagblatt» warf in seinem gestrigen Artikel mehr Fragen auf, als es beantwortete.
Neue Hinweise findet man auf Instagram. Der vermisste Stern 027 scheint ein eigenes Profil dort zu haben. «Ein Stern für Alle – auf Reisen», heisst es dort. Und prompt: Am Mittwoch postet das Profil ein Bild eines St.Galler Sterns, der auf der kleinen Schanze in Bern weilt. Im Hintergrund das Bundeshaus. Hat die Aktion einen politischen Hintergrund?
«Bern war sehr schön! Mit bestem Blick auf den Trubel im Bundeshaus genoss ich ein sonniges Wochenende.» steht als Bildbeschrieb unter dem Post.
Wohl weniger Sonne hätte der Stern an seinem Platz an der St.Galler Multergasse 7 gehabt. Dort müsste er nämlich zusammen mit dem Stern 028 hängen. Alle Sterne sind mit einer Nummer und einem fixen Platz zugewiesen. Umso mehr erstaunt, dass Valentin Schneeberger, Pressesprecher der St.Galler Stadtwerke, gegenüber dem «Tagblatt» versichert, dass der Stern 027 gar nicht vermisst werde: «Er hängt dort, wo er im Auftrag der St.Galler Stadtwerke montiert wurde.»
Also was jetzt? Alles eine Lüge? Der Stern ist auf jeden Fall nicht mehr auf der kleinen Schanze, wie ein Beobachter vor Ort Saiten mitteilt. Dass das Foto nur ein Fake ist, ist zwar nicht ganz auszuschliessen, aber unwahrscheinlich. Das Wetter auf dem Bild stimmt, der Stern sieht 1:1 aus wie ein St.Galler Stern, der Lichteinfall und die komplizierten Schatten sind stimmig.
Auch dieses Video, das Saiten zugespielt wurde, lässt darauf schliessen, dass das Bild auf Insta kein Fake ist.
Entwickler freut es
Jonas Knecht und Martin Schmid, die beiden Designer der Sterne, freuen sich über die Aktion. Warum denn nicht früher einer auf diese Idee gekommen sei, fragt sich Schmid. Immerhin würden die Sterne auch als perfekte Botschafter für die Stadt taugen. Dass aber die Standortförderung oder St.Gallen-Bodensee Tourismus dahintersteckt, glauben die beiden nicht. Knecht tippt auf die Gebrüder Riklin.
So viel die beiden wissen, würden die Sterne unter dem Jahr ausserhalb der Stadt gelagert. In Einzelteile zerlegt könne so ein Stern auch locker mit einem kleinen Pkw oder einem Lastenfahrrad transportiert werden. Doch auch beim Aufbau könnte so ein Manöver passieren: Die Lagerungskisten, die extra für die Sterne gebaut wurden, stehen jeweils in den Gassen herum. «Während die Monteur:innen Znünipause machen, könnte man so einen Stern schon verschwinden lassen», sagt Knecht. Die Kisten seien zwar abschliessbar, aber: «Wer klaut denn schon so einen Stern?»
Datenzentrale Amtshauskeller
Dass ein einzelner Stern einfach so zum Leuchten gebracht werden kann, sei aber nicht so einfach. «Da hats nicht einfach ein Kabel, das in eine normale Steckdose passt», so Knecht. Die Sterne sind mit einem speziellen Kabel ausgerüstet, das sie sowohl mit Strom als auch mit Daten versorge. Im Keller des Amtshauses würden die Kabel bei einem Rechner zusammenfliessen, der das Funkeln steuert. Technisch also eine komplizierte Sache.
Gestern hat sich nun das Astra-Maskottchen Fredy Vogl in die Debatte eingemischt. Der Buntspecht aus dem Pixie-Heft, das vor drei Jahren in alle St.Galler Haushalte verschickt wurde, um für mehr Strassen zu werben, hat seinen eigenen Instagram-Kanal. Satire, wohl nicht im Auftrag des Astra. Er kommentiert unter den Post: «Eintausch von Stern027 und Unspunnenstein?»
In der Tat lässt sich das Verschwinden in ein bekanntes Phänomen einreihen. Der genannte Stein verschwand 1984. Auch das Hundwiler Bloch wurde schon entführt, das war 2006.
Die offizielle «Allerstern»-Vernissage ist nächsten Donnerstag, dann wird Stadtpräsidentin Pappa die Sterne einschalten. Tags darauf kommt dann der Weihnachtstruck von Coca Cola vorbei. Doch ob dieser die 027 mitbringt? Wir rechnen mal nicht damit.
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.