Seit einem Jahr bist du Chef der Torpedo-Bar im St.Mangen-Quartier. Vorher warst du jahrelang Geschäftsführer der Birreria in der St.Galler Ausgehmeile Brühlgasse. Wie gefällt dir der Wechsel?
Ich mag das Quartier, es ist lebendig, hier treffen die verschiedensten Menschen aufeinander. Manchmal beobachte ich zum Beispiel die Notenstein-Bänkler, die in ihren Rauchpausen von Randständigen um eine Zigi angeschnorrt werden. Es ist ein Teil der Stadt, in dem Freaks und schräge Leute noch Platz haben. Das finde ich wichtig. Und natürlich hat es hier auch mehr Polizisten, Dealer und Junkies auf der Strasse als in der Brühlgasse. Dann gibt es auch noch viele andere Läden und gute Bars, etwa das Goliath, das Bohème, das Nox. Oder die Shisha-Bars, die so etwas wie Multikulturalität nach St.Mangen bringen.
Und wer hängt in der Torpedo-Bar ab?
Auch bei mir ist das Publikum gemischt. Hierher kommen 18-Jährige genauso wie 50-Jährige Bier- und Musikliebhaber. In letzter Zeit kommen erfreulicherweise auch mehr Frauen auf ein Bier oder einen Drink vorbei. Und ganz selten verirren sich noch Stammgäste der Latino-Bar zu uns, die früher hier drin war, meistens Brasilianerinnen.
Deine Bar ist im Rockabilly-Retrolook eingerichtet, an der Wand hängen Plakate von Punkkonzerten. Muss man Rock mögen, um ins Torpedo zu kommen?
Das hilft sicher, muss aber nicht sein. Einmal im Monat habe ich einen DJ hier, der nur Oldschool-Hip Hop ab Vinyl auflegt, ab und zu stehe ich auch selbst am DJ-Pult und spiele Hits aus den 80er-Jahren, Duran Duran und solche Sachen… Ich bin also offen für viele Musikstile, aber klar: Meistens läuft hier schon Rock.
Oder Live-Musik. Letzten Sommer hat der für St.Galler Verhältnisse legendäre Jack Stoiker bei dir ein Konzert gespielt, die Leute standen bis weit auf die Gasse. Wie kam es dazu?
Jack kenne ich, weil ich mit meiner Punkband Tüchel schon mit ihm gemeinsam aufgetreten bin. Er ist ein guter Typ und ich hoffe, dass er wieder mal im Torpedo spielt. Aber eigentlich habe ich für die nächste Zeit eher akustische, etwas ruhigere Konzerte geplant, Singer-Songwriter etwa. Oder auch mal einen Elvis-Imitator. Einfach, weil das besser in die Bar passt. Sie soll ein Ort sein, an dem man auch noch miteinander reden kann und nicht gnadenlos beschallt wird, so dass man sich anschreien muss.
Lärm ist ja sowieso ein Dauerthema im Nachtleben. Seit kurzem hängen vor deiner Bar auch Hinweiszettel für die Gäste: Sie sollen bitte nicht zu laut werden und keine Gläser nach draussen nehmen. Gibts Probleme mit Anwohnern?
1 Jahr Torpedo-Bar Freitag 27.Mai: 19 bis 21Uhr Apero mit Bier und Appenzeller und Häppchen, danach Dj Curtis mit Rock 80s Wave Samstag 28.Mai: ab 19 Uhr gibts zur Stärkung was Warmes zu essen, ab 21 Uhr Great Rockabilly Night mit Dj Squarehead und Americana Folk von El Martino
Nein, bist jetzt läuft alles rund. Die meisten Anwohner kenne ich persönlich, was mir wichtig ist. Aber ich habe aus meinen Erfahrungen in zehn Jahren als Birreria-Geschäftsführer gelernt. Es ist besser, wenn man als Barbetreiber in St.Gallen schon präventiv etwas macht. Das hilft, wenn man einmal mit der Polizei diskutieren muss. In der Brühlgasse mussten wir am Schluss einen runden Tisch einberufen, weil die Diskussion über das Lärm-Problem ausgeufert ist. Und am Tisch sassen dann teils Politiker, die keine Ahnung hatten und mir als Barbetreiber sagten: «Ach wissen Sie, ich gehe schon lange nicht mehr in den Ausgang.» Da finde ich es besser, man redet frühzeitig miteinander und löst die Probleme im kleinen Rahmen.
Momentan wird die Gasse vor deiner Bar gerade neu gepflastert und im Quartier gibt es seit ein paar Jahren auch schickere Gastrobetriebe wie das Weinlokal 1733 oder die Oya-Bar. Denkst du, dass die oben erwähnten Freaks langsam verdrängt werden?
Auch wenn hier irgendwann eine verkehrsberuhigte und gepflasterte Gasse sein sollte, glaube ich nicht, dass sich die Leute, die hier unterwegs sind, deswegen gross verändern. Viele leben auch hier vor Ort.
Schenkst du als ehemaliger Birreria-Geschäftsführer eigentlich auch hier verschiedene Biere aus? Machst du den Mikrobrauereien-Trend mit?
Eigentlich nicht, ich habe Guiness, Astra und Brooklyn Brewery-Bier. Der Rest vom Zapfhahn ist Feldschlösschen.
… was in der Schüga-Hochburg St.Gallen ja nicht bei allen gut ankommen dürfte?
Ach, die Zeiten, wo der St.Galler unbeugsam auf seinem Schüga bestanden hat, sind glaube ich vorbei.
Wenn du nicht hinter der Bar Bier zapfst, bist du Bassist der St.Galler Punkband Tüchel, die seit über 20 Jahren unterwegs ist. Was macht die Band?
Wir schreiben gerade an neuen Songs und spielen daneben ein, zwei Gigs pro Monat. Aber weil ein paar von uns Familienväter sind, muss die Musik manchmal etwas länger warten als früher.
Dieses Interview erschien im Maiheft von Saiten.
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