Es sieht aus, wie es seit jeher ausgesehen hat: Das neue Jahrbuch «Gallus-Stadt 2013» gleicht seinen Vorgängern aufs Haar. Die alte «Gallusstadt» hatte das Tagblatt, damals noch Zollikofer Verlag, seit 1943 herausgegeben und 1996 eingestellt. Jetzt nimmt der Appenzeller Verlag einen neuen Anlauf. Und Verleger Marcel Steiner hält sich bei der Frage, ob Jahrbücher im Netzzeitalter noch eine Berechtigung hätten, nicht lange auf: «Die Antwort heisst: Ja, natürlich!», schreibt er im Editorial.
Das Buch gibt ihm recht, mit Abstufungen. Am überraschendsten ist der Beitrag von Brigitte Schmid-Gugler: Sie lässt eine Familie fanatischer FCSG-Anhänger frei von der Leber weg reden über ihr FC-Fieber. Malolo Kessler stürzt sich ins St.Galler Nachtleben, das Resultat ihrer Spurensuche zwischen Bermudadreieck, Kugl und Gazi ist eher deprimierend, der Text hingegen eine Freude. Da gibt sich das Jahrbuch jugendlich. Daneben versteht es sich aber vor allem als Beitrag zur Gedächtnispflege und stützt sich dabei auf ausgewiesene Fachleute. Peter Röllin analysiert das «neue» Lachen-Quartier im Spiegel der Geschichte kenntnisreich und inspiriert; nur gestreift wird aber, worüber man gerade von ihm gern mehr gelesen hätte: die städtebauliche Entwicklungsstudie zum Quartier von Wehrli/Pauli aus dem Jahr 2011. Weiter: Edgar Heilig besichtigt die städtischen Plätze, begleitet von historischen Fotos. Peter Müller steuert eine Gallus-Erkundung bei, Stefan Sonderegger eine Episode zur «Aussenpolitik» der Stadtrepublik: zum Städtebund von 1312 zwischen St.Gallen, Zürich, Konstanz und Schaffhausen.
Im ausführlichsten Beitrag beleuchtet Marcel Zünd die St.Galler Museumslandschaft. Er besucht die städtischen Museen (Natur, Kunst, Völkerkunde und Historisches Museum), das Textilmuseum sowie das Museum im Lagerhaus. Zünd würdigt die Arbeit der Museumsleute, lobt deren Einsatz bei durchwegs schmalen Budgets, stellt aber auch ein paar kritische Fragen – etwa zur mangelnden Aufbereitung der Sammlungen im Historischen und Völkerkundemuseum, oder zur Positionierung des Kunstmuseums, das sich ausdrücklich nicht als Anwalt der regionalen Künstler verstehen will, sondern als Player im internationalisierten Kunstbetrieb.
Die «Gallus-Stadt 2013» ist, wie schon ihre Vorgängerinnen: sorgfältig gemacht, der Stadt freundlich zugeneigt, reichhaltig bebildert und mit Schlagseite ins Historische. Auch Chronik (Reto Voneschen) und Nachrufe (Josef Osterwalder) fehlen nicht.
Gallus-Stadt 2013, Appenzeller Verlag Herisau, Fr. 38.-. Buchvernissage am Di 9. Oktober 19.30 Uhr im Rösslitor St.Gallen
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.
Malerin, lesbisch und glühende NS-Anhängerin. Stephanie Hollenstein (1886-1944) war vieles. Ein Widerspruch? Der neue Dokumentarfilm von Birgitta Weizenegger befasst sich mit dem Leben der vorarlbergischen Künstlerin.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.