Uzwil, der Industrieort mit ausgedehnten Arbeiterhaus-Bebauungen, zeigt im raschen vorbeigehen oder -fahren wenig Charme. Das Zentrum – gerade mit einer Monster-Strassenbaustelle wenig attraktiv – gibt ein Bild ab, wie wir es in diesen mittelgrossen Gemeinden oft antreffen: Mit einem Neubau eines Grossverteilers der die kleinen Ladengeschäfte in der Umgebung kanibalisiert. Viele kleine Läden müssen aufgeben, die erwünschte Dichte im Ortszentrum erodiert. Die Menschen ziehen in Neubauten am Ortsrand und fahren mit dem Auto in die Tiefgarage unterm Einkaufszentrum.
Vor Ort hat Marco Bruggmann – der Architekt ist Projektleiter Ortsplanung und Siedlungsentwicklung der Gemeinde Uzwil – zusammen mit der St.Galler Kunsthistorikerin und Kuratorin Nina Keel ein Projekt entwickelt, das dieser Entwicklung etwas entgegensetzen will. Im eigenen Wohnort sollen die Bewohner:innen mit neuem Blick Entdeckungen machen. Hinweise auf gute Baukultur sollen Augen öffnen, damit die Qualitäten und erst recht die versteckten Bijous bewahrt und unüberlegte Abbrüche verhindert werden.
«Chömmed doch ine»
Den Anfang macht das Thema Eingänge und Hauptfassaden. Auf ihrer Suche im Dorf haben die Projektverfasser:innen zwar einige Vorzeige-Beispiele gefunden, aber auch sehr viele Absagen kassiert, wenn es darum ging, einen konkreten Eingang für eine Plakatwand zu fotografieren. Nicht so an der Konsumstrasse, wo Monica und Guido Gehr zufällig die Gruppe das Haus aus den 1910er-Jahren betrachten sahen. «Chömmed doch ine» wurden sie spontan eingeladen und nun zeigt das Paar der Öffentlichkeit weit mehr als nur den Eingang mit dem Erker, der mit der Strasse kommuniziert, weil er wie eine Nase aus dem Haus ragt.
Ein kurzer Film auf Instagram zeigt die Verbundenheit der Besitzer mit dem Haus, von dem Guido Gehr sagt, er kenne jede einzelne Schraube. Und Monica Gehr führt durch den Garten, wo sie manchmal ein bisschen mehr zurückschneide als es Guido gefalle. Als Zuschauer:in lernen wir: Baukultur heisst auch, sorgsam mit den Qualitäten von Haus und Garten umzugehen, auch wenn es «nur» um ein kleines Arbeiter-Mehrfamilienhaus geht.
Die Kampagne ist multimedial lanciert. Auf dem Instagram-Kanal «@baukultur_uzwil» mit Kurzfilm und Fotos, im «Uzwiler Blatt», dem Informationskanal der Gemeinden für die Bevölkerung mit einem Sonderdruck, sowie auf der Internetseite der Gemeinde. Alle zwei Monate wird ein kleiner Plakatwald mit neuen Fotos und Texten an einem jeweils anderen Ort aufgestellt. Baukultur wird so – quasi im Vorbeigehen – vermittelt. Der Plakatwald steht fürs erste auf dem Lindenring.
Uzwil ist überall
Als nächstes wird das Kino City vorgestellt werden und es werden Bauten von berühmten Architekten vorgestellt, die ihre Spuren im Ort hinterlassen haben. Darunter die frühen Betonpioniere Pfleghard und Haefeli oder Robert Maillart. Aber auch Max Vogt, der langjährige SBB-Architekt, oder der Engländer Baillie Scott. Auch Landschaftsarchitektur wird thematisiert.
Am Gelingen des Projekts sind neben Marco Bruggmann und Nina Keel viele weitere beteiligt: Die Grafik stammt von Laura Prim, die Fotos von Ladina Bischof und die Kurzfilme dreht Anina Frischknecht. Zusammen zeigen sie, dass Baukultur kein Spezialgebiet für Kunsthistoriker:innen oder Architekt:innen sein muss und dass wir sie bei genauerem Hinschauen überall antreffen. Denn: Uzwil ist überall.
Das Arbeiterhäuschen in voller Pracht
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative