3:0 hiess es vor hundert Jahren, als Brühl den FC Servette im Endspiel im Berner Spitalacker-Stadion schlug. Eine klare Sache: Brühl war damit Schweizer Meister. Erst viel später, im Jahr 2000, gelang dem FC St.Gallen dasselbe Meisterstück zum zweiten Mal – 96 Jahre nach dem ersten FCSG-Meistertitel von 1904.
Jetzt ist der historische Meisterpokal vorübergehend in St.Gallen zu besichtigen: bei Juwelier Frischknecht an der Marktgasse. Frischknecht ist Sponsor der Brühler. Eine Ausstellung zeigt zudem historische Fotos aus der Fussballgeschichte.
SC Brühl-Präsident René Hungerbühler zeigte sich an einer kleinen Feier am Donnerstag glücklich, dass es gelungen sei, diesen Anlass durchzuführen. Der Pokal kam vom YB-Museum in Bern in die Ostschweiz und wird nun drei Wochen lang im Schaufenster zu sehen sein.
Die halbe Stadt stand hinter Brühl
Brühl-Geschichte ist Stadt-Geschichte. Darauf wies in seiner Ansprache SP-Ständerat Paul Rechsteiner hin. Rechsteiner ist selber Brühler, wuchs im St.Galler Stadquartier Krontal auf und liess sich als Junge vom Fussball begeistern.
Als Arbeiter-Fussballclub scharte Brühl einst die halbe Stadt hinter sich. Für Brühl zu sein war auch ein Zeichen sozialer Zugehörigkeit. Wer aus «besseren» Kreisen stammte, fieberte für den FC St.Gallen. Die Stadtmatches waren legendär.
Die beiden Clubs trennten Welten. Rechsteiner sagte, Brühl habe während der Nazizeit ohne weiteres die verfolgten jüdischen Fussballer des Wiener Hakoah-Clubs aufgenommen. Beim FCSG hingegen waren Juden nicht willkommen. Dies ist in einer Untersuchung des St.Galler Kantilehrers Christoph Bischof nachzulesen, eine der ersten sozialgeschichtlichen Arbeiten zum Fussball.
Und dann natürlich Paul Grüninger: Der Polizeihauptmann, der vielen jüdischen Flüchtlingen das Leben rettete und dafür abgesetzt wurde, war zweimal Präsident des FC Brühl und kickte selber in der Mannschaft. Beim entscheidenden Match gegen Servette war er allerdings nicht dabei.
Grüninger ist mit Brühl untrennbar verbunden. Nach Grüningers Rehabilitierung Mitte der 1990er-Jahre wurde er auch sportlich rehabilitiert: indem das neue Stadion im Krontal nach ihm benannt wurde. Markus Buschor war der Architekt, heute ist er parteiloser Stadtrat. Beide Rehabilitierungen, erinnerte Rechsteiner, hätten gegen starke Widerstände durchgesetzt werden müssen.
Der Oltener Lenz ist Brühler
Wo Fussball ist, ist Pedro Lenz nicht weit. An der Feier hiess es für zehn Minuten «Dr Goalie bin ig». Der Oltener Schriftsteller Lenz las in seiner unnachahmlichen Art aus zwei Fussballgeschichten, bevor er zur nächsten Lesung nach Winterthur losdüsen musste. Grosser Applaus war ihm sicher. Auch Lenz ist ein Brühler, der oft im Krontal zu sehen ist.
Der FC Brühl wurde offiziell 1901 gegründet. Das steht auf seinem grün-gelben Logo. Allerdings ist der Club noch ein paar Jahre älter, wie Fredi Hächler vom Stadtarchiv herausfand. Dokumente beweisen, dass es die Fussballmannschaft schon vorher gab. Wie auch der FCSG älter sei als 1879. «Die Verantwortlichen müssten mal über die Bücher», so Hächler.
Klar ist aber, dass sich der SC Brühl – er wurde in den Dreissigerjahren vom reinen FC zum Sportclub (SC) – stets durch seine grosse Offenheit auszeichnete. Menschlichkeit sei wichtig, sagte Präsident Hungerbühler. Ein Zeichen dafür setzte Brühl letzthin, als man Flüchtlinge ins Stadion zu einem Spiel einlud.
Bekannt ist Brühl auch für seine aktive Nachwuchsförderung. Etwa mit den «Krönli-Kids». Deshalb meinte Rechsteiner, Brühl sei nicht nur der Schweizermeister von vor hundert Jahren, sondern auch heute noch Meister der Nachwuchsförderung und der Jugendintegration.
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.