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Das Alphabet nach Höpli

Man weiss es eigentlich: Fussball hat mit Intelligenz zu tun. Beziehungsweise mit deren Fehlen. Fussball ist etwas für Analphabeten. Das musste – im «St.Galler Tagblatt» – mal wieder gesagt sein.
Von  Peter Surber , 

Man weiss es eigentlich… aber so recht zu sagen haben wir uns das in letzter Zeit nicht mehr getraut. Mit dem postmodernen Verlust aller Werte ist auch Fussball salonfähig geworden bis in die höchsten Kreise. Selbst Studierte reden heutzutage über Fussball. Verkehrte Welt – ein Glück, dass das «St.Galler Tagblatt» beziehungsweise sein Chef-Kommentator Gottlieb F. Höpli in seiner Mittwoch-Ausgabe wieder einmal sagt, wo Gott hockt.

Nein, nicht in den Stadien und in den Teppichetagen der Fussballverbände. Dort hockt «König Fussball», dort herrscht «ein milliardenschwerer Kommerz und eine weltumspannende, weitgehend intransparente oder gar mafiose Organisation». Dort dominiert die «Gewaltkultur», dort tummeln sich die «Analphabeten».

Gott und das Alphabet hingegen hocken in der klassischen Musik, genauer gesagt in der Klaviermusik, genau gesagt in den nachgebauten Originalflügeln von Liszt und Chopin und in Mozarts Hammerklavier, die die russische Pianistin Viviana Sofronitzky am vergangenen Freitag in der Kirche St.Laurenzen gespielt hat. Das sagt Höpli zwar nur vage, aber weil wir selber zur aussterbenden Gattung der Alphabeten gehören, wissen wir, wovon er spricht, auch wenn der Anlass zu Höplis Enttäuschung völlig ohne Medienecho geblieben ist, weil nämlich die Medien voll sind mit Fussball-Interna. Und also keinen Platz haben für die «atemberaubende Erfahrung», die Höpli an diesem Konzert vom vergangenen Freitag zusammen mit «Hunderten kulturell interessierter Zeitgenossen» gemacht hat. Mit Zeitgenossen wohlgemerkt, «die auf der Alphabetisierungsskala der Menschheit wohl einige Grade höher stehen als die Mehrheit der Fussballfans».

Hut ab. Gradegestanden! Endlich mal ein klares Wort, endlich buchstabiert einer die Gesellschaft wieder nach Stand und Ordnung. Es lebe der Unterschied von Proletarier und Herrenmensch. Es lebe das Alphabet nach Höpli.

 

PS. Wer Intelligenteres über Fussball lesen und hören will: «Football Leaks» kommt nach St.Gallen, zeitlich passend zu den Leaks in der FCSG-Führung. Hier der Einladungstext von SENF:

Vor rund zwei Jahren sorgte die Enthüllungsplattform «Football Leaks» zum ersten Mal für Aufsehen. Bis heute ist unbekannt, wer hinter dieser als Blog betriebenen Dokumentenablage steht. Journalisten, die einen Kontakt herstellen können, müssen mit dem Pseudonym John vorliebnehmen. So auch Rafael Buschmann und Michael Wulzinger, die den Whistleblower getroffen und vor kurzem das Buch Football Leaks: Die schmutzigen Geschäfte im Profifussball veröffentlicht haben.

John weiss Bescheid über Transfer-Summen, Löhne und Vertragsdetails der Fussballwelt. Über «die Schattenwelt der Branche», wie es im Klappentext des im Spiegelverlag erschienenen Buches heisst. Diese wird durchleuchtet wie noch selten zuvor. «Es sind legale, halblegale und vermutlich auch illegale Deals, der grösste Teil davon war bis zu den Enthüllungen nicht bekannt», schreibt die Journalistin Nicole Selmer in einer Rezension. Und weiter: «Die Enthüllungen der ‚Football Leaks‘ reihen sich ein in die Berichte über korrupte und korrumpierende Fussballinstitutionen und Akteure. Längst hat ein Gewöhnungseffekt eingesetzt, und diese Nachrichten werden allzu schnell mit einem Achselzucken hingenommen. Die Autoren fordern auch deswegen, dass der Fussball nicht sich selbst und seinen Regeln überlassen bleiben darf.»

Football Leaks
16. September 19 Uhr
Bierhof St.Gallen

Diesen Samstag, am 16. September ist einer der Autoren, Spiegel-Redaktor Michael Wulzinger, in St.Gallen zu Gast. SENF präsentiert eine Lesung mit Wulzinger. Er wird anschliessend in einer offenen Fragerunde Einblick in den Entstehungsprozess des Buches, die Recherchen und andere Themen geben. Der Eintritt ist frei.

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Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

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Zwi­schen Ruhm und Knast

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Das Mit­tel­mass fei­ern

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Zumthor plant in Wildhaus

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Heftvorschau 11/26
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Saiten 2611 01 Cover

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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

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Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Chil­len am Steinach­strand

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Von René Hornung,
Alte Steinach Karlstor Zukunft

Hu­mor und Hal­tung

Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller

Bücherherbst: Mondläufer von Daniel Badraun

Vom Le­ben und Schrei­ben

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